Archive for the ‘fugenpoet’ Category

michel fokult

Samstag, August 24th, 2019

die welt ist, was der fall ist, nicht was der abfall ist, aber auch und doch

Botanischer Garten Burbach (p1) – ein alter Text aus Neunkirchen

Samstag, August 24th, 2019

Heute morgen blätterte ich in einer alten Zeitschrift aus dem Jahr 2008. An den Rand der zweiten Seite habe ich damals mit Bleistift zwei Notizen geschrieben. Beides Beobachtungen aus dem Neunkircher Stadtgeschehen. Neunkirchen/Saar ist meine Geburtsstadt. Burbach ist die Fortsetzung von Neunkirchen mit anderen Mitteln. Oder umgekehrt? Jedenfalls erinnere ich mich tatsächlich dunkel an diese Begebenheit. Ich saß in einem Straßencafé und habe folgendes Treffen zwischen einer älteren Frau und dem Wirt aufgeschnappt. In Neunkirchen sollte man sich des öfteren einfach mal morgens in ein Kaffeehaus setzen. Falls es denn eines gäbe. Auch das ist in Burbach nicht ganz anders. Der Wirt damals, und da beginnt mein Gesprächs-Aufschnappen, bietet der älteren Frau für nachmittags ein kostenloses Schnitzel an: Komm heute mittag einfach vorbei und ich mach Dir dann ein kleines Schnitzel. – Egal wann?,: Egal wann!,  komm einfach vorbei, einverstanden? (Wo kommt eigentlich dieses Wort her: „einverstanden“), und: Kennt der Wirt diese Frau? Ist es vielleicht seine alte und kranke Mutter? Oder ist es einfach eine alte Frau, die von der Hand in den Mund lebt und einfach mal gefragt hat, ob sie irgendwelche Reste abhaben kann?

so is das

Mittwoch, August 21st, 2019

Nora Gomringer.

Sonntag, August 18th, 2019

Sie ist die Schwester von sieben halben Brüdern.

erster august

Montag, August 5th, 2019

es gibt häuser ohne musik es gibt städte ohne musik köpfe komplette menschen ohne musik es gibt humor es gibt humor ohne musik es gibt musik ohne humor es gibt müdigkeit müde augen & wache körper wache körper ohne humor und ohne musik rhythmus und blut ohne humor es gibt autofahrer und kaum jemand, der das nicht tut. (1.8.19)

imagination

Montag, Januar 14th, 2019

im Lebensmittelgeschäft: Du kommst rein und alle tragen Kittel mit der Aufschrift: „Wir hassen Lebensmittel!“

kleiner zwischenjahrstext aus meiner vergangenheit

Sonntag, Dezember 30th, 2018

Der Winter ist gnadenlos. Es befindet sich die falsche Musik in meinem Beutel. Ich stehe und kann nicht weg. Der Schnee taut, der Bus wird kommen, wenn auch zu spät. Eine Bewegung zurück scheint nicht mehr möglich. Die Autos fahren auf einer trockenen Straße und der Fußgänger rutscht auf dem Bürgersteig. Falsche Musik wird falsche Musik bleiben, egal ob der Bus kommt oder auch nicht. Alle, die ihren Weg gefunden haben, werden sie hören. Der Schnee wird die Musik nicht leiser machen. Und wenn ich jetzt hinfiele? Ein Knochenbruch und die Sonne scheint.

Man darf sich die Bewohner dieser Stadt als unglückliche Menschen vorstellen.
Der junge Mann, der, ganz Hose, sich sacht und sacht nach vorne beugt. Er macht einen überlegen-kritischen Eindruck, beäugt die anderen, und trägt salopp die Bildzeitung unter dem Arm. Über die Runden kommen. Um die Ecke. Die junge Frau, die, ganz gezupfte Augenbraue, auf ihre ebenfalls gezupfte Freundinmutterschwester wartet. Zum MUT gehört das Bewusstsein der GEFAHR. Zum EINKAUFEN das nötige KLEINGELD.
„schöndasswirunsgetroffenhabenaufwiedersehen!“
Danke für ihren Mut.
Danke für ihren Einkauf.
Die Kassiererin, die, ganz Kasse, den Kunden namentlich verabschiedet, sobald sie seinen Namen auf der EC-Karte gelesen hat: Friendly fire.

(von links ein Jahr, von rechts ein Jahr,
von oben eines, von unten; ich könnte zerquetscht werden, wenn ich nicht mal ein paar Tage Urlaub hätte).

Hunde riechen am Geruch, und ich kann mir vorstellen, dass anschließend kein Geruch mehr da ist. Weggerochen. Gerüche sind endlich. Und ein Ding. Und Geld spritzt aus den Menschen, in regelmäßigen Abständen fliegt es von ihnen weg, in das einzige Loch, in das es hineingehört. Das hat einen Rhythmus. Ich kann mich hinsetzen und es absichtslos betrachten. Es sieht ganz schön aus. Wie alles in diesem einen Loch verschwindet, das doch einen Namen braucht und das wir deshalb Konjunktur nennen wollen. Wo Konjunktur ist, oder Aufschwung oder Auftrieb, da wird keiner versinken und am Boden bleiben. Wir werden leichter und treiben oben. Alle werden gerettet. Nie wieder wird es regnen. (Nur im Turnunterricht der männlich pubertierenden Jugend war der Aufschwung etwas Unangenehmes: Man sollte sich unendlich verbiegen, beide Füße rechts antreibend von der Erde heben und den Überblick verlieren, indem man von einer Vorwärts- in eine Rückwärtsbewegung übergeht. Drehung um eine mittlere Achse, nicht gedacht, sondern sehr real und fest, und das macht Angst. Quetschung und Schmerz schoben sich mit den Füßen über den Horizont und lähmten die Arme.) Alle Dinge, die in diesem feucht-fröhlich wärmenden Loch namens Konjunktur verschwinden, brauchen keinen Namen: sie heißen alle Geld. Egal, was sonst noch so mitfliegt. Am zweiten Weihnachtsfeiertag, morgens um halb sieben, hat es aufgehört zu spritzen. Ich höre nichts. Alles ist weggeworfen. Aus allen Richtungen bewegen sich die Jahre auf mich zu. Mich stört das nicht. Das macht mir keine Angst, denn ich habe sowieso ein paar Tage Urlaub und das jährt sich jährlich.
Ich kann zurücklassen, was ich will, ich kann Wahrzeichen biegen aus Blech, so viele ich will, ich kann es mir sparen, den Kindergarten einzuzäunen. Die Kinder bleiben da und kommen gar nicht erst auf den Gedanken abzuhauen. Denn bald ist Silvester, und sie freuen sich und sie zerplatzen schon Tage vorher knallend auf dem Asphalt. Doch das macht mir keine Angst, denn ich habe sowieso ein paar Tage Urlaub und die Leute machen sich neue Kinder mit neuen Namen für ein neues Jahr. Auch eine Art von Loch.

Eintrag Nr. 3599

Samstag, Dezember 22nd, 2018

Jetzt hab ich mir gestern was zu Weihnachten geschenkt: Bahnhofsbuchhandlung Neunkirchen: eine Ausgabe von „DU“ mit dem Schwerpunktthema Wolfgang Beltracchi. Da sind viele Bilder drin und ein paar Texte – und ich wollte mir mal ein profundes Bild zu diesem Phänomen machen. Ich hatte mir vor längerer Zeit ein paar Folgen auf 3SAT angesehen, wo er Prominente „in der Handschrift von“ (wie er das nennt) portraitiert hat. Daniel Kehlmann ist in dieser Sendung in meinem Ansehen einige Grade nach unten gerutscht. Nun hab ich „Die Vermessung der Welt“ nie gelesen, dafür aber „Ruhm“. Jedenfalls fand ich Daniel Kehlmann für meine Begriffe sehr unkundig in seinem Kunstverständnis und recht ausschnittkrabbelnd. „Aber wer Beltracchi aus der Nähe bei der Arbeit erlebt, mit all der Hingabe und der scharfen Aufmerkamkeit, all den Einfällen und der Liebe zu den kleinsten Details, gar nicht zu reden von seinem unglaublichen Können, der fragt sich irgendwann: Wenn dieser Mensch kein echter Künstler ist, wer bitte soll dann ein echter Künstler sein?“ So Kehlmann.

Bei einem Maler, der dann unfreiwillig als Fälscher aufgeflogen ist, ist natürlich die Frage, wer denn nun ein echter Künstler sei, wenn nicht dieser, dann doch ein wenig delikat, und ich denke: unfreiwillig zweideutig. Beltracchi ist ein falscher Künstler.

Denn zum Künstlersein gehört der Einsatz des Lebens. Der Mut zum Risiko und zum Scheitern. Der Mut, sich zu blamieren. Ausgelacht zu werden.

Zu all dem hat Beltracchi der Mut gefehlt.

Es wird in vielen dieser Texte in „DU“ von renommierten Schreibern von des Kaisers neuen Kleidern gesprochen, eine Herrschaftswissen-Kunst-Elite postuliert und und und.

Und man staunt.

Beltracchis Können wird gelobt. Und er wird auch selbst nicht müde, es immer wieder auch selbst zu loben. Er könne 400 künstlerische Handschriften aus mindestens fünf Jahrhunderten. „Sein“ Campendonk war besser als Campendonk selbst. Und hat den Preis für Campendonks auf neue Höhen getrieben. Und Eigenlob, so wusste schon das kleine Kläuschen von seiner Oma, soll ja bekanntlich olfaktorisch ins Gewicht fallen.

400 Handschriften! Wow: ein richtiges Zirkuspferd. Kann höher und öfter springen als alle anderen. Und wenn einer besonders schön springen kann, dann kann er es nochmal so gut nachmachen.

Dass hier nicht nur eine künstlerische Lebensleistung desavouiert wird (im Falle von Campendonk etwa), scheint niemand zu stören und niemand zu bemerken.

Was muss das aber andererseits für eine unglaubliche Verletzung sein, als Meisterfälscher bekannt und dafür gelobt zu werden und andererseits zu wissen und zu spüren, dass da nichts Eigenes ist, keine Persönlichkeit, keine Haltung, kaum etwas von wirklichem Interesse; und überhaupt: eine groteske Verwechslung von Handschrift und Haltung.

Die als eigene ausgegebenen Werke, die keine Malereien „in der Handschrift von“ sind, sind größenteils von einer unglaublichen Einfallslosigkeit und Banalität: eine gitarrespielende Frau und davor eine Engelsfigur, die in ihrer Maskenhaftigkeit ein wenig an Mephisto erinnert (und dazu für meinen Geschmack, der Abbildung im Heft zu schließen: schlecht gemalt) – solche Vorstellungen entwickelt man vielleicht in der Pubertät, wenn man zuviel Blaue Periode geguckt hat. Zwei drei wenige halbwegs interessante Einfälle gibt es zugegebenermaßen durchaus. Eine Zeichnung stürzender Engel etwa, die mich ganz entfernt an Johannes Grützke Zeichnungen erinnern, nur war dieser radikaler und härter. Beltracchi kann es sich nicht verkneifen, ein paar zu elegante rote Farbspritzer als Blutspritzer einzubauen. Ansonsten aber ein durchaus in seiner Hell-Dunkel-Wirkung und in seinem flotten Federstrich ansprechendes Blatt. Die Menschenmenge im Hintergrund des Ölbildes (Öl und Aquarell mit Blattgold, klar, Blattgold o edles Material der Malkunst, drunter geht bei Engelsgeflitschel nix) „Abstürzender Engel“ ist auch nicht uninteressant gemacht. Bei dieser Darstellung eines stürzenden Engels aber würde ich den Stürzenden Ikarus bevorzugen oder Francis Bacon. Mich erinnert dieser Beltracchi-Engel ein bisschen an fotorealistische Zeichnungen, die ich so Anfang 20 verbrochen habe. Nix, auf was man stolz sein müsste. Egal.

Beltracchi ist kein Mann, für den gelten könnte: ich male, also bin ich. Für ihn ist viel wichtiger, was er kann, also eher: Ich kann, also bin ich. Also eine Art Potenzmalerei. (Auffallend ist ja auch, dass in kaum einem seiner Statements so etwas wie Zweifel geäußert wird. Zitat: „Vorher male ich noch das große Rosa-Luxemburg-Bild fertig. Das Bild ist fantastisch, die Komposition ist absolut stimmig. …“). Darf er ruhig machen. Stört mich ja nicht. Es irritiert mich nur.

Aber was mich wirklich stört: Dass hier einer auf Kosten anderer lebt, die vor ihm gedacht und gearbeitet haben, die vor ihm ihr Leben auf`s Spiel und sich dem Risiko des Scheiterns ausgesetzt haben, anstatt sich selbst ein Leben zu erarbeiten. Nicht nur ein Kunstnachmacher und -fälscher. Auch ein Lebensnachmacher und -fälscher.

Thomas Glavinic schreibt in „Die Technik des Schriftstellers in 13 Thesen“:

7. Wenn du Deinen Roman verstehst, ist er vermutlich nicht gut.

8. Wenn du ein Klassiker werden willst, darfst du nicht schreiben wie ein Klassiker.

9. Du bist neu. Die Welt ist neu. Die Motive sind alt. Aus dir, der Gegenwart und den großen Motiven muss etwas entstehen, was es noch nie gegeben hat.

13. Schreibe nicht für dich oder deine Leser, sondern nur für den Roman selbst.

Nur wo lustige Kneipe draufsteht, ist auch lustige Kneipe drin. Das heißt im Falle Wolfgang Beltracchis: nur weil man den Gedanken der anderen nicht folgen kann, ist man selbst noch kein Freidenker.

Und wenn jetzt aus dem Straftatbestand der Urkundenfälschung und des Betrugs ein künstlerisches Werk „in den Handschriften von“ generiert wird, dann hat das eine gwisse Frechheit und Chuzpe. Und wenn das jemand Scheiße findet, dann ist der gleich ein neidvoller und/oder wahlweise moralinsaurer Apostel.

Klar, ist jemand anderer Meinung, ist er, wie die gesamte Lügenpresse, gleich ein moralisch verklemmter Neider und Kunstbestimmer. Lügenpresse sagt Beltracchi nicht. Bei ihm heisst das ermittlernahe Presse.

Wäre Beltracchi als Fälscher nicht aufgeflogen, fänden seine anderen Arbeiten keinerlei Beachtung. Sie heben sich aus der Masse der massenhaften Malereiproduktion unserer Zeit kaum heraus. Da hat zwar einer technisches Wissen, leider aber nichts zu sagen, 400 beherrschte Handschriften und keine einzige Sprache.

Gut jetzt.

 

Eintrag Nr. 3556. Zwischenbericht.

Montag, November 12th, 2018

Auch wenn ich letzte Nacht übel vom Weltuntergang geträumt habe, geht es doch irgendwie weiter. Ich bin aufgewacht, habe mich kurz geschüttelt und in der Saarbrücker Zeitung stand dann doch nichts dergleichen. In meinem Traum wusste man sowieso von nichts: Kein Telefon, kein Internet, keine Nachricht, nix, mit Ausnahme, dass man gemerkt hat: irgendwas stimmt nicht, wo sind die Menschen, was ist passiert. Man konnte sich aussuchen, gleich in eine Grube zu steigen, um dort zu sterben, was einem empfohlen wurde, oder auf eigene Verantwortung das Überleben zu versuchen. Ich entschied mich dann für letzteres, die Grube war mir zu dunkel und klaustrophobische Dinge sind mir zuwider. Wir lebten in einem verlassenen Mietshaus mit langen Fluren mitten in einem Wald und machten uns Gedanken, was wohl passiert sein könne und wie es wohl weitergeht. Der Traum war durch eine kurze Bewusstseinsphase unterbrochen, in der mir klar war, dass es sich nur um einen Traum handelt, der Traum war aber so stark, dass er danach thematisch fortgeführt wurde.

fremdportrait als pathologischer befund

Samstag, Juli 21st, 2018

der Text einer pathologisch-anatomischen Begutachtung eines aus mir herausgeschnippelten Einzelteiles enthält folgende, wie ich finde, sehr poetische Passage, die mich doch gar nicht so schlecht beschreibt:

„…, von einer zarten Pseudokapsel scharf begrenzt, …zeigt mäßiggradige degenerative Veränderungen.“

C`est ca!

sitzen und denken

Dienstag, Oktober 3rd, 2017

du kannst hier nicht sitzen & dich erinnern!

zum erninnern sollte man sich immer hinstellen.

leg dich also &

du wirst keine vorstellungen mehr haben

1 freund lädt dich ein

er hat noch klare vorstellungen

und auch eine klare wohnung

und einen großen raum mit einem großen bildschirm

lobe diesen bildschirm

und er wird an diesem bildschirm nachts wieder viel mehr freude haben

er würde gern mal wieder öfter raus & spazieren

wieso klappt das nicht?

einigkeit im recht auf freizeit.

ich kann mir das einfach nicht vorstellen.

 

satz

Donnerstag, September 28th, 2017

mit seinen schnellen und synchronen Beinbewegungen erzählte er vom schweren Schicksal seines Onkels

sazz

Freitag, September 15th, 2017

früher ein halbschwimmer, bin ich heute 1 delphin

gesichter aus den siebzigern, teil 2

Sonntag, August 13th, 2017

Bei meinen Aufräum-Arbeiten entdecke ich auch anderes Material aus meiner Vergangenheit. Nicht nur alte Zeichnungen und Bilder, sondern z.B. auch eine Klassenzeitung, die die katholischen Schüler der 5d2 damals erstellt hatten.
In dieser Klassenzeitung wurden die beiden katholischen Religionslehrer interviewt, zu ihren Lieblingsspeisen und ihrem Freizeitverhalten, was man halt so fragen soll, wenn man grade mal zehn Jahre alt ist.
Es findet sich dort auch ein Interview mit unserem Klassenlehrer, den, ich denke nicht nur ich, sondern viele von uns, als ein ziemliches Arschloch in Erinnnerung haben. Er hat die Schüler im Sportunterricht getreten (sogenannter „Elfmeter“) und im Matheunterricht für die geringsten Verfehlungen (Geodreieck vergessen) mit Strafarbeiten belohnt. Wenn man grade mal knapp 1,45m groß und 10 Jahre alt ist, dann ist so jemand natürlich groß, alt und furchteinflößend. Jetzt gucke ich in diese Klassenzeitung und sehe: dieser Lehrer war damals gerade mal 34 Jahre alt. Von meinem selbst inzwischen erreichten Lebensalter aus gesehen ein Kickifax. Wie kann man mit 34 schon so ein Arschloch sein. Kann man natürlich, gar keine so schwierige Übung, dürfte es heute auch noch geben.
Was mir aber im Nachhinein auch noch auffällt: Das abgedruckte Interview mit ihm. Ich sehe dort Korrekturen in meiner Schrift, und ich erinnere mich tatsächlich, dass der Klassenlehrer mit dem, was da stand, nicht einverstanden war, und uns, der versammelten Klasse, seine Korrekturen in den Bleistift diktierte.
Nichts Gravierendes, nein, aber warum muss jemand seine Lieblingsspeisen und Sprachkenntnisse korrigieren (er isst keine chinesischen und indische Gerichte, er spricht kein Spanisch und Englisch). Nein, er spielt nicht Gitarre, Klavier und Klarinette, sondern nur Blockflöte.
Später war er dann in einer Bürgerinitiative intitiativ gegen ein Kohlekraftwerk, BUND-Mitglied (ich hoffe, das stimmt alles und ich muss das nachher nicht noch mit dem Bleistift hier am Bildschirm übermalen). Es ging das Gerücht, dass man ihn irgendwann aus dem Unterricht entfernt und irgendwo am Ministerium beschäftigt hat, wo er dann den Ministeriumskollegen einen Elfmeter treten konnte.
Wenn ich mich an diesen Morgen der Textkorrektur erinnere, dann erinnere mich an einen Akt großer Humorlosigkeit, was einem als Kind ja nicht auffällt, weil man einfach nur Angst hat.

aus meiner Vergangenheit, eine Folge von wohlgeordneten Buchstaben aus dem Jahre 1995

Samstag, Juli 22nd, 2017
in amerika sind bereits mehrere tausend geräte in gebrauch
und zum schluss noch eine sehr erfreuliche meldung:
ohne gongschlag wird es achtzehnuhrfünfzig
wir berichten über goldenes und bunt-bizarres
bleiben sie dran
speziell von der insel hierher
wieso eigentlich kekse
im museum?
sehr sehr widersprüchlich, aber von daher
stellt es natürlich auch eine herausforderung
dar
ganz traditionell kann jeder, aber
schon in den sechzigern kam der ausbruch
wie man viel freier mit farben und formen 
umgehen kann
ein brustschmuck anstelle eines kleidungsstückes
ist auch sehr apart
aber auch nix neues
dieser trend ist übrigens auch bereits auf den kontinent
übergeschwappt
kleine rote tragbrüste angefertigt
und für die zeit,
wo sie sie nicht mehr tragen können,
gibt es auch das modell aus stahl,
trägt züge des bekannten englischen humors
alles absolut sehenswert
vielleicht auch für sie eine anregung
(1995)