Archive for the ‘Allgemein’ Category

ANGEBOT

Freitag, Januar 15th, 2021

jetzt ist es endlich da! Hai Q = Zeichnungen und ein paar Wörter aus dem Jahr 2020. Enthält auch Aquarelle aus gegend(nk)! Für 10,- € im Buchhandel unter ISBN 9783752689259. Oder bei mir, solange meine Exemplare reichen. e-Mail an mich (klaus_harth@web.de) genügt , alles weitere dann.

Wer noch einen 10er drauflegt, bekommt auch noch ZUM TEE BEI DUBUFFET – eine Collaboration mit Brandstifter. Gemeinsame Zeichnungen plus CD mit dem Mitschnitt unserer Performance von 2018 bei PAFF THE MAGIC. Lang Tsu!

textkritik

Dienstag, Januar 5th, 2021

Einer der faselhaft verschwurbelten Kunstwissenschaftler Texte erschien auf dem BREGENZ – Faltblatt der Ausstellung von Peter Fischli im Kunsthaus Bregenz. Eine schöne Ausstellung, eigentlich. Mit „schön“ meine ich: interessante, fordernde, witzige, ernste, herausfordernde. Vier Stockwerke, unterschiedlichst bespielt, aber halt: oben steht: TEXTKRITIK, nicht Ausstellungskritik.

Peter Fischli schreibt zu den großen Papierarbeiten im obersten Stockwerk übrigens einen herzerfrischend ehrlich und unkomplizierten Text. So geht`s dann nämlich auch: klar und unprätentiös und frei von interpretatorischem Nonsense, der die zwischen Wolken und großen Löchern anmutig hin und her schwebenden angekokelten Papiere nur sofort zu Fall brächte.

Anders Arthur Fink, der die Schwurbelsprache wohl studiert und in jahrelangem Training eingeübt hat. Doktor blablabla wahrscheinlich.

It goes like this:

Peter Fischlis Boxen befinden sich an der Schnittstelle zwischen Museumswand, wo Objekte der Kontemplation hängen, und dem pragmatisch strukturierten Innenraum des Museums (falls es im Kunsthaus Bregenz einen solchen gibt). Derlei Boxen kennen wir als Bestandteil der Museumsarchitektur und deren Informationssystems. Sie sind ein Überbleibsel der prädigitalen Kunstvermittlung und als solche Teil des diskursiven Apparats und der traditionellen Rahmung der ästhtetischen Erfahrung. Sie sind Teil des real space und des metaphysischen Raums der Kunsterfahrung zugleich. …

…Phänotypisch gesehen, sind sie – mitunter auch durch die Serialität – minimalistische Skulpturen und als solche Teil des kunsthistorischen Narrativs über die Öffnung der Skulptur hin zum real space, der in den 1960er Jahren vollzogen wurde. Die mininmalistische Skulptur wird so definiert, dass sie mit der Vorstellung eines gesonderten Raums der ästhetischen Erfahrung, der durch Sockel oder Rahmung definiert wird, gebrochen hat und keine Grenzziehung zum unmittelbaren Erfahrungsraum der Betrachters vornimmt. Die Box stellt dabei die Urszene der minimalistischen Dekontruktion der Skulptur dar.

Die Bregenzer Boxen entsprechen allerdings nur bedingt den minimalistischen Lehrsätzen, sind sie doch kunsthandwerklich und nicht industriell hergestellt und aus einem Werkstoff, der mit der Bildhauertradition konnotiert ist. Man könnte von einem manirierten Minimalismus sprechen. Zugleich sind die Arbeiten – dies der zweite kunsthistorische Allgemeinplatz – einem institutionskritischen Erbe zuzuordnen, das die institutionelle Rahmung von ästhetischer Erfahrung zum Ausgangspunkt machte und sich bekanntlich aus dem Minimalismus entwickelte. Die vermeintlich neutrale Museumsarchitektur wird reflektiert.

… Der Werkstatus der Box ist prekär – als einzelnes Werk ist sie kaum als solches erkennbar und zudem Behälter des Deutungsschlüssels für sich selbst. Die Boxen sind stumm – sie sind weder abstrakte Skulpturen noch Gebrauchsgegenstände, sie können als Kunstwerke betrachtet und mit spezifischen Diskursen befrachtet werden und zugleich sind sie Platzhalter, dekonstruktive Gesten, die sowohl den Museumsraum an sich als auch die Werkerfahrung profanieren. Sie sind materialisierte Anti-Transzendenz, richten sich gegen phänomenologischen Kitsch und sind wiederum minimalistische Arbeiten im klassischen Sinn: anti-illusionistisch und anti-idealistisch.

 

Klar, recht hat er, der Herr Fink. Inhaltlich würde ich das 100% unterschreiben. Aber geht es auch ein wenig schöner? Bzw.: was will er uns eigentlich gesagt haben wollen?

 

Peter Fischli betreibt schon immer gerne ein Spiel mit Abbild und Wirklichkeit, mit Materialitäten und Formen, die unterschiedlich wahrgenommen werden können und das hat er auch schon zusammen mit David Weiss getan. (Man erinnere sich nur an den Raum unter einer Treppe im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt/Main:  Durch ein Fenster ist ein Sammelsurium abgestellter Farbeimer zu sehen, Reste von getaner handwerklicher Arbeit. Allerdings sind auch all diese wahllos abgestellten Gegenstände keine wahllos abgestellten Gegenstände, sondern aus anderen Materialien Eimern etc. nachgebildete Objekte).  Und so finden sich in einem Stockwerk der Bregenzer Ausstellung ein ganzer Saal voller Skulpturen, die scheinbar aus Verpackungen und Dosen etc. hergestellt sind. Man hat sein Vergnügen an diesen Objekten, guckt, wie da mit alten Dosen und Schachteln und den Vorstellungen, was ein Objekt, eine Skulptur sein kann, phantasievoll gespielt wird. Um dann im Klappentext zu erfahren, dass hier z.B. keine einzige alte Farbdose verwendet und angemalt wurde: alles, sogar die Sockel, auf denen die Skulpturen stehen, ist aus Pappe hergestellt und täuscht etwas anderes vor, als es ist. Man denkt es sich einfacher, und es ist dann doch wieder komplizierter.

Und so finden sich auf allen Stockwerken nun auch diese Boxen, wie man sie immer wieder in Museen findet: an die Wand montierte kleine Kästen, denen man meist A4-Zettel mit Informationen zu den gezeigten Arbeiten entnehmen kann. In dieser Bregenzer Ausstellung hat man zu diesem Zweck ein faltbares Poster drucken lassen, das, zusammengefaltet und in die Box gestellt, einem das Wort BREGENZ entgegenwirft.

Peter Fischli hat die Boxen nun aber nicht einfach so übernommen (falls sie vorher bereits montiert gewesen sein sollten), sondern hat sie aus Bronze gießen lassen. Einem banalen Ausstelluns-Architektur-Gegenstand wird ein Materialwert zugesprochen, der aus der Box wieder was anderes macht. Einen an der Wand hängenden Kunstgegenstand nämlich, der als solches auf den ersten (und vielleicht auch auf den zweiten) Blick nicht direkt zu erkennen ist. Diese Boxen werden quasi zu seriellen Skulpturen/Objekten, verbleiben aber als Träger der gefalteten Poster weiterhin benutzbare Objekte. Und mit dem uns entgegenspringenden Schriftzug BREGENZ wird da durchaus auch in der Kombination wieder eine Art Schriftbild-Objekt an der Wand, von dem ich mir sogar einen Teil mit nachhause nehmen darf. Boxen, die ich sonst übersehe, oder auch nur als notwendiges optisches Übel wahrnehme, dürfen und sollen als Teil der Ausstellung, als Teil des Gesamten wahr- und ernstgenommen werden. Ausstellungs-Architektur und Werk zugleich.

Und nun spielen die Boxen natürlich auch mit den seit den 60 Jahren bekannten Erzählformen der sogenannen Minimal-Art. Einfache Dinge (etwa Bodenplatten) werden in einer bestimmten Anordnung wiederholt, um eine bestimmte ästhetische Erfahrung zu erzeugen. Oft handelte es sich dabei auch um einfache Materialien, meist aus industrieller Herstellung. Peter Fischli kehrt das nun wieder um und lässt die Boxen in einem klassischen bildhauerschen Verfahren herstellen (Bronze) und unterläuft so scheinbar die Idee des minimalistischen Ansatzes. Trotzdem wird aber genau dadurch die klassische Minimal-Art-Idee wiederbelebt: hier wird kein künstlicher Inhalt hergestellt oder behauptet, keine Transzendenz und keine Illusion. Eine Box bleibt eine Box bleibt keine Box.

 

 

not yet a broken harth

Donnerstag, Dezember 17th, 2020

aus der serie meiner winterlichen unfälle ist dies die dritte selbstmissachtende performace über einen zeitraum von neun jahren (3×3). nach dem absturz auf den fuß 2011, mit dem ich dann im geschwollenen zustand nach mainz gefahren bin, um dort in der walpodenakademie meine erste lange vogelnacht zu performen, folgte am abend vor der wienreise 2014 der materialbruch der leiter zum dach (mit den anschließen langsamsten bewegungen, die man in dieser stadt machen kann) – und gestern nun, beim fotografischen erfassen von motiven für gegend (nk) hat mich mein erst vor kurzem als autoersatz gekauftes e-bike ab- und in den dreck geworfen. die hand sieht zwar von außen wie gebrochen aus, das röntgenbild sagt aber was anderes. zeichnen und kochen und schreiben und saugen geht aber alles nicht und tippen mit links ist auch die mühsal. but: the games must go on.

adventskalendertürchen nummer elpf

Freitag, Dezember 11th, 2020

HIER ÖFFNEN

COMMERTZ, CORONA UND COMA

Sonntag, Dezember 6th, 2020

In dem kleinen Anzeigenblättchen zur Ausstellung von Art Ashram in der Walpodenakademie in Mainz kommt es zu folgendem kleinen Interview, das ich hier gerne nochmal einer gewissen Aufmerksamkeit anheim geben möchte, da es für mich so schön zur Situtation zu passen scheint.

EINKAUFAKTUELL interviewt den geläuterten ehemaligen Vertreter des Mainzer Kunstvereins Walpodenstraße 21 e.V., der als erster Vorsitzender und freier Künstler 25 Jahre lang für den Raubbau an der Natur mitverantwortlich war, die sich nun mit einer furchtbaren Pandemie gerächt hat, bis der uersättliche Kunst- und Kulturmoloch endlich durch die notwendigen Maßnahmen der Bundesregierung in seine verdienten Schranken gewiesen wurde.

EINKAUFAKTUELL: „Herr Brand, wie fühlen Sie sich seit der Säkularisierung des Kunstorts Walpodenakademie durch Art Ashram? Bitte bekennen Sie sich!“

Stefan Brand: „Ich habe mich fünfzig Jahre gegen den Kapitalismus gewehrt. Seit unserer Konvertierung durch Umwandlung des unkommerziellen Vereinsheims in einen florierenden Laden haben wir alle an Lebensfreude gewonnen. Die Kollaboration mit dem totalen Konsum hat uns einen neuen Sinn gegeben, den unsere Mitmenschen in unserer Kunst nicht finden konnten. Endlich sind wir systemrelevant und haben unsere wahre Bestimmung gefunden. Mammon, wir danken dir!“

Zur Hintergrundinfo: Die Ausstellung der Künstlergruppe Art Ashram wäre als Ausstellung vom zweiten Lockdown betroffen gewesen. Kurzerhand wurde das ganze in einen Einkaufsladen umdeklariert und konnte als solcher die Tore offen halten. Unter den gegebenen Hygienebestimmungen versteht sich.

zum tee bei dubuffet

Sonntag, Dezember 6th, 2020

BrandStifter aus Mainz und memyself sind B+H Klangkörper. Unter diesem Namen gab es 2018 während der Ausstellung PAFF THE MAGIC in Kaiserslautern unsere erste kleine 1/2 stündige Performance. Jetzt in Mainz (gesterday) haben wir das in Walpodencekalender zeitversetzt ergänzt und wiederaufgegriffen, um damit das Raum-Zeit-Kontinuum nachhaltig zu beeinflussen. Während ich aber eben auf die Uhr schaue, habe ich den Eindruck, dass es uns nur bedingt gelungen ist. Leider.

Wie auch immer: Nachhaltig erwerben kann man seit gestern nun auch bei mir eines der 100 signierten und mit einer CD ausgestatteten, 24seitigen, A5 großen Hefte mit Zeichnungen von mir, die von BrandStifter nochmals gestempelt, collagiert und überarbeitet wurden. Bei mir gibt es die gerade durchnummerierten Varianten 1/100, 3/100 bis 99/100. Falls jemand eine bestimmte Nummer möchte: nur zu!

Ein wildes Heft, das in etwa einen guten Eindruck unserer Performance wiedergibt. Die beiliegende CD enthält leicht gekürzt den akustischen Mitschnitt der Veranstaltung.

Die Freunde wilder Druckprodukte und geräuschhafter Geräuschmusik werden hier ein Eldorado für ihre Sinne vorfinden. Das Heftlein kann bei mir bestellt werden:  klaus_harth@web.de  16,- € incl. Versand.

NUR MAL SO AM RANDE

Freitag, Dezember 4th, 2020

am 5.12. bin ich dort auch zu sehen. in aller Bescheidenheit.

Dienstag, Dezember 1st, 2020

Jetzt am Samstag in der Walpodenakademie, Neubrunnenstraße 8 in MAINZ, DEINZ oder auch SEINZ:

Performance im Rahmen des Walpodencekalenders, täglich Performance im Schaufenster der Walpodenakademie im Advent.
Klaus Harth & Brandstifter durchbrechen am Samstag 05.12.2020 das Raum-Zeit-Kontinuum, indem sie im Schaufenster der Walpodenkadmie ihren gemeinsamen Aufritt in der ehemaligen Pfaff- Fabrik Kaiserslautern live überspielen und überzeichnen werden. Ähnlich wie William S. Burroughs, der durch Playback Magie mittels Polaroids und deren Wiedergabe via Tapeaufnahmen unliebsame Menschen und Ort erfolgreich verwünschte, werden B.H. mit neuen Bildern und KlangKoerpern zur Wiedergabe ihres Videos https://youtu.be/lM1wjHClWMs von 2018 keinem geringeren als dem Coronavirus zu Leibe rücken!
WALPODENCEKALENDER

 

walpoden-kalender

Montag, November 23rd, 2020

Unser A4 Walpodenwandkalender 2021 mit 12 Motiven diesmal gestaltet von den Walpodenkünstlern Brandstifter, Klaus Harth, Albert Herbig, Bernd Schneider, Michael Klotzki mkcreare, Sandra Kruse, Hundefaenger KRD, Harnolft Rosenhajn, Jürgen Rinck, Barbara Rößler, Violetta Vollrath und Nicolaus Werner sowie dem HOME IS WHERE MY ART IS Logo gestaltet von Feine Sache Kreativbüro ist fertig. Er ist sehr schön geworden, mit Malerei, Fotografie, Grafik, Landart, Konzept – so vielseitig und bunt wie eben die Künstler des Mainzer Kunstvereins Walpodenstraße 21 e.V. sind…

Wir würden uns sehr freuen, wenn sie unseren Kunstverein durch den Erwerb eines Walpodenwandkalenders ab Euro 12,- unterstützen würden.

Die Einnahmen sind auschließlich für die Unterstützung unseres Vereins vorgesehen. Sie erhalten den Kalender solange der Vorrat reicht (nur 75 Exemplare!) auf Bestellung per Mail zum Selbst Abholen oder per Post (+ Versand).

Gerne nehmen wir auch darüberhinausgehende Spenden zur Durchführung unseres Jahresprogramms 2021 entgegen. Auf Wunsch stellen wir Ihnen eine steuerlich absetzbare Quittung aus:

#Kontoinhaber_Mainzer Kunstverein Walpodenstraße 21 e.V.

#Kreditinstitut_Mainzer Volksbank

#BIC_MVBM DE 55XXX

#Iban_DE 5455 190 0000 3909 39 015

Besuchen Sie unsere Veranstaltungen in der Walpodenakademie, Neubrunnenstraße 8, 55116 Mainz!

Kontakt & Newsletter bestellen: info@kunstzwerg.net

Danke & alles Gute von den Walpoden!

wach

Samstag, November 14th, 2020

Heute nacht einen schönen Traum gehabt: Ich musste mich einer Art Aufnahmeprüfung unterziehen. Auch Kinder durften da mitzeichnen und -malen. Und es wurde – auch von einem Kind – eine bestimmte Aufgabe gestellt. Ich war unsicher und machte aber das Einzige, was mir zu dieser Aufgabenstellung eingefallen ist. Und siehe da: Es hat funktioniert. Ich wurde gelobt und habe die Aufnahmeprüfung bestanden. Mit Anerkennung! Die Zweifel waren nicht berechtigt. Au backe: immer noch!, dachte ich mir beim Wachwerden. Aber auch: Ich sollte mir diesen Traum hinter die Ohren malen.

aus persönlichem Interesse

Montag, November 9th, 2020

Ziemlich genau vor einem Jahr durfte ich mit Stephan F. in Wiesbaden lesen, in der Kulturstätte MONTA , präsentiert und durch eine kleine Lesung begleitet von Daniela Daub. Sehr schön, wie und was sie da macht. Und letztens kam dann über facebook die Werbung für dieses kleine und feine, handgeheftete Bändchen aus dem Dielmann-Verlag in Francoforte. Bestellen kann man  es für 9,- € ebendort. neugier@dielmann-verlag.de <- dort kann man es bestellen.

Mehr zu Daniela HIER

2 uhren

Freitag, November 6th, 2020

 

maledetto homöpatho

Montag, Oktober 26th, 2020

Wem tut die Homöopathie eigentlich was Böses? Die Frage muss man sich ja schon einmal stellen dürfen. Von allen Seiten wird scharf geschossen. Merkwürdig. Wo es sich doch angeblich nur um Humbug und Scharlatanerie handelt. Die taz textete „Hokus Pokus Globuli“, die FASZ verteilt auch immer mal wieder eine mehr oder weniger deutliche Spitze. Und gestern dann auch nochmal im Tatort aus Wien schwerste Geschütze. Häh? Wer fühlt sich hier bedroht und schlägt so heftig um sich? Non capisco perchè.

Kurz zu meinem Hintergrund: Vor ziemlich genau 15 Jahren bin ich zum erstenmal mit klassischer Homöopathie in Berührung gekommen. Als diesem Phänomen absolut neutral entgegenstehender Mensch. Ich kannte das Wort. Sonst nix. Ich habe damals eine Homöopathin in Ausbildung kennengelernt, die mir das ein oder andere erzählt hat. Klang interessant. Und mir mein Konstitutionsmittel verabreicht hat. Mit dem Ergebnis, dass ich einen Tag später einen dicken, fetten Eiterpickel auf der linken Wange hatte. Den Tag darauf einen dicken, fetten Eiterpickel auf der rechten Wange.

Nun muss man wissen, dass ich bis zu meinem zwanzigsten Lebensjahr etwa mit dicken, fetten Eiterpickeln übersät war, nicht nur auf den Wangen. In meiner Hilf-, Ratlosigkeit und Verzweiflung erklärte ich mich damals bereit, ein neu auf den Markt kommendes Medikament zu testen. Roaccutan. Möglicherweise leberschädigend (sic!), deshalb wurde das regelmäßig überwacht. Es hat geholfen und ich war`s zufrieden. Allerdings habe ich das Leid um diese Zeit und diesen Hautzustand nie vergessen.

Und kaum schlucke ich mein Konstitutionsmittel, wird, so sprach die Homöopathin, die von dem Medikament nur unterdrückte Krankheit angetippt und kommt wieder zur Erscheinung. Und zwar stante pede. Es war ihr ausdrücklich peinlich, mir diese Pickel ins Gesicht gezaubert zu haben. Sie wusste nix von meiner pubertären Leidensgeschichte. (Und bis zu diesem Konstitutionsmittel-Moment waren die Pickel auch nie wieder ans Tageslicht getreten.)

Mit dem Placebo-Effekt braucht mir keiner zu kommen, der ja oft im Zusammenhang mit der Homöopathie bemüht wird. Placebo-Effekt setzt auf Heilung durch Glaube an die Wirksamkeit eines Mittels. Wer dran glaubt, wird geheilt. Auch die Schulmedizin setzt durchaus auf solche Effekte. Soweit, so gut. Und vielleicht trifft das manchmal sogar zu.

Aber lässt es sich denn damit so einfach abtun?

Gibt es denn auch einen negativen Placebo-Effekt? Dass etwas passiert, was ich mir gar nicht wünsche?

Dass es auch passiert, ohne dass ich weiß, dass es passieren soll?

Dass ich in psychische Nöte stürze, weil ich irrtümlich das Medikament von jemand nehme, den es stabilisieren sollte?

Das will mir nicht so ganz einleuchten.

In der klassischen Homöopathie gibt es den Begriff der Arzneimittelprüfung. Das heißt: Man nimmt ein Präparat, dass eigentlich gar nicht für einen gedacht ist, und bekommt in der Regel die Symptome eines Leidens, für das das Präparat gedacht ist. Auch dieses habe ich an eigenem Leibe erlebt, unbeabsichtigt und unwissentlich. So werden übrigens im homöopathischen Verfahren generell die Wirksamkeiten der Präparate getestet. Und wer einmal eine Materia medica von innen gesehen hat, wie dort aberhunderte Arzneien in detailliertester Wirkung getestet wurden und beschrieben werden, kann eigentlich kaum noch von, ja von was eigentlich, sprechen? Humbug? Scharlatanerie? Unwissenschaftlichkeit?

Ich staune auch immer wieder über all die Menschen, für die es von vorneherin Humbug sein muss. Aus eigener Erfahrung? Oder weil die Wissenschaft, wie immer betont wird, keinerlei Wirkung belegen kann? (Oder will?)

Oder dass nicht sein kann, was nicht sein darf? Weil ich es mir nicht vorstellen kann?

(Da hätten wir in den Köpfen vieler im aktuellen Covid19-Scheiß ja weitere hübsche Beispiele.)

Da komme ich in ein merkwüdig philosophisches Dilemma: Ich spüre am eigenen Leib, ohne dass ich es eigentlich will, quasi gegen meinen Willen, ohne dass es mich eigentlich interessiert, entsprechende Wirkung und alle schreien: gibt es gar nicht! Aber es ist keine Fehlinterpretation von Welt wie bei den aktuell ach so beliebten Fake-News: ich kann es an meim Körper beobachten. Hmmm.

Und nochmal: hmm. Eigene Wahrnehmung und Wirklichkeit. Ein echtes philosophisches Problem.

In der klassischen Schulmedizin gab und gibt es immer nur state of the art. Das liegt in der Natur der Wissenschaft. Der aktuelle Stand der Erkenntnis isr der aktuelle Stand der Erkenntnis. Und das ist auch gut so. Und alle betonen immer wieder, dass es ein Merkmal der Wissenschaft sei, dass sie sich weiterentwickle und aus ihrem Nichtwissen und ihren Irrtümern lerne. Ihre Ekenntnisse immer wieder überprüfe und weiterentwickle. Und es wäre schön, wenn sich alle immer darüber bewusst wären. Dann wäre man in vielem vielleicht ein wenig bescheidener.

Homöopathie ist ein Ansatz, der sich dem Individuum und seiner ganz speziellen Konstitution verpflichtet fühlt. Auch hier wieder ein Verweis darauf, wie speziell die Wirkungen verschiedener Präparate in einer Materia medica ausdifferenziert sind. Habe ich Bluthochdruck, bekomme ich von der Schulmedizin denselben Betablocker wie mein Nachbar. Denselben Blutverdünner wie meine Mutter. Und nicht zuletzt eine sich in ihrer Wirkung oft aufhebenden und widersprechende Medikamentierung, speziell im Alter, wenn ich für jedes Gebrechen ein eigenes Medikament verpasst bekomme. Auch das kann man ja immer wieder erleben: dieser Spezialist verschreibt – nur so als Beispiel – Cortison, was aber der Wasseransammlung, die an anderer Stelle im Körper ein Problem stellt, kontraproduktiv zu Gute kommt. Und auch das Blutdruckmittel führt vielleicht zu Schlaflosigkeit und innerer Unruhe. Aber wurscht. Nimm dies. Was anderes haben wir nicht. (Wer in Deutschland nimmt keinen Betablocker?).

Das was als wissenschaftlicher Beleg gilt: eine Reihe von wiederholbaren Versuchen gleicher Versuchsanordnung mit wiederholbaren Ergebnissen, widerspricht eigentlich der grundlegenden Idee des homöopathischen Ansatzes, in so fern ich das richtig verstanden habe. Man gibt halt nich 20 wahllosen Probanden dasselbe Mittel und kann ähnliche Reaktionen belegen. Die Eiterpickel in dieser Größe bekomme allerdings nur ich mit meinem Konstitutionsmittel und meiner Vorgeschichte. Im Gegensatz haut Roaccutan jedem Pickelgeplagten die Chemiekeule um die Ohren und die Pickel von der Haut.

Oft erscheint mir die ablehnende Haltung vieler Schulmediziner als eine bornierte Haltung der eigenen Disziplin gegenüber. Und die Haltung vieler Nichtmediziner ebenso. Wer sagt nicht, dass man plötzlich die Wirkweisen der homöopathischen Mittel versteht? Und wissenschaftlich belegen kann? So wie man irgendwann auch kapiert hat, was Viren sind und was man dagegen tun kann. Und manchen Phänomenen vor dieser Erkenntnis hilflos gegenüber stand. Um es mit Karl-Ove Knausgaard zu sagen: „Es gab auch schon weiße Blutkörperchen im Mittelalter“.

Es geht – für mich – auch nicht darum, die beiden Ansätze gegeneinander auszuspielen. Es gibt Bereiche, in denen die klassische Schulmedizin die besseren Verfahren hat, mit einer entsprechenden Krankheit umzugehen. Alles, was mit Chirurgie zu tun hat, Versetzen in künstlische Komata etc. Aber es gibt auch Bereiche, in denen der homöopathische Ansatz das klügere Verfahren sein kann. Arnica vor OPs ist sehr hilfreich und die Niederländer haben es angeblich sogar im Rettungswagen mit dabei.

Auch damit habe ich übrigens sehr gute Erfahrungen gemacht, schon bevor ich meine Homöopathin getroffen habe.

Ich bin, so wird vielleicht deutlich, mit Sicherheit kein Dogmatiker. Ich war beim Hausarzt aber noch nie beim Heilpraktiker (ich habe ja meine Homöopathin zuhause). Aber ich verstehe aus eigener Erfahrung die Abneigung, und die derzeit zunehmende Abneigung des homöopathischen Verfahrens, gar nicht. Null. Zero. Nicht. Und ich verstehe schon gar nicht den aktuell zu beobachtenden Trend, Homöopathie öffentlich zu diskreditieren und zum Feind zu stempeln.

Zum Feind von was?

PS: Mein ganzes Zeichnen und Tun ist nur dazu da, zu verstehen, was da draußen vorgeht. Wie das alles funktioniert und was die Meschen wollen und was ich eigentlich will. In diesem Sinne war auch dieser Text jetzt einmal wichtig, als Versuch, zu verstehen, was da grade vorgeht. Weil grade so viel vorgeht, das mich zusehends verwirrt und sich einer klaren Beurteilung entzieht. In diesem Sinne.

 

Werbung in eigener Sache

Mittwoch, September 30th, 2020

Kunstzentrum Bosener Mühle e. V.
An der Bosener Mühle 1
66625 Bosen

Tel.: 06852-7474
Telefax: 06852-991190

Hier können Sie direkt mit uns in Verbindung treten:

Kunstzentrum Bosener Mühle

Email: Info@bosener-muehle.de

treppenhaus

Sonntag, September 27th, 2020

gegend Aquarellkurs

Freitag, September 25th, 2020

Wer oben auf das Bild klickt, kommt sofort zur Anmeldung zu unserem Aquarellkurs GEGEND an der Bosener Mühle am Wochenende vom 10./11.Okroberer 2020. Aquarell vielleicht ein wenig anders als sonst. Langsamer, präziser, abwechslungsreicher. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns dort sähen!

11.8.1967 – 5.9.2020 Christoph Rammacher

Sonntag, September 20th, 2020

Letztens hatte ich noch seinen Katalog für artmix08 in der Hand, für den ich die Druckdateien erstellt hatte. Und jetzt erreicht mich per Mail eine Nachricht, dass er am 5. September verstorben ist. Ich habe ihn sehr geschätzt, als Mensch und als Künstler. Einer derer, deren Kunst es verdient gehabt hätte, gerühmter und bekannter zu sein. Und er hätte das auch verdient gehabt. Mindestens. Keine Zeitung wird einen Nachruf schreiben (vermute ich mal) – und das wird seinen Pessimismus in dieser Hinsicht bestätigen. Manche konnten und können sich besser verkaufen. Ich bin dankbar für die Dinge, die ich zusammen mit ihm machen durfte, so unsere Ausstellung FALSCHE VERSPRECHNUNGEN in Sulzbach (mit Julia Baur und Stephan Flommersfeld) und auch Aktion, Ausstellung und Buch ZEICHENGEBER (mit Vera Kattler). Und natürlich auch das gemeinsame Portraitzeichnen am Fließband für die Großregion (mit Susanne Kocks, Katharina Bihler und Stefan Scheib).  Ach scheiße.

narziss mit goldmund

Samstag, September 5th, 2020

Ein Foto beim Geldscheinzeichnen am letzten Sonntag im Foyer des Saarlandmuseums. Dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt von Otmar Serf.

gesterday: Foyer des Saarlandmuseums Saarbrücken: SCHEINVERHÄLTNISSE

Montag, August 31st, 2020

 

 

Wer es also gestern verpasst hat, für den gilt: Wer zu spät kommt, muss sein Geld eben selbst behalten. Und bekommt natürlich nicht eine solche Zeichnung. Tja, sagte der Dichter…

herr berger

Donnerstag, August 27th, 2020

herr berger, während des telefonats (oben)

 

nach dem telefonat

 

Das schöne am Älterwerden: man muss ja nicht mehr alles tun. Da ruft jemand an und will einen für ein Buchprojekt mit Zeichnungen gewinnen. Man kann „nein“ sagen, wenn man den Eindruck hat, dass man es nicht tun möchte. So einfach. Und so schön.