Archive for the ‘3 minuten gehirnwäsche’ Category

20uhr04 bis 20Uhr09 (mit Sätzen, die mit heute morgen eingefallen sind).

Donnerstag, August 12th, 2021

Das Wort, das mir heute morgen eingefallen ist, ist mir wieder ausgefallen. Nonstop Wörter rein, Wörter wieder raus. Wer ohne Bleistift lebt ist durchlässiger für die Welt. Wörter und Sätze fallen ein. Wie früher bei den Hunnen. Die sind auch eingefallen. Ist das bei Wörtern und Sätzen anders? Können wir uns wehren gegen die eingefallenen Wörter und Sätze? Auch Gemäuer können einem einfallen.

Sich selbst beim Denken zusehen ist ein verqueres Schauspiel. Wie kann soviel Welt durch mich hindurch, ohne dass ich einen Hauch davon bemerke. Nichts wirft einen um. Und wie schön ist es, wenn es einem dann ausfällt. Ausfallen ist ja negativ besetzt. Haare fallen aus. Unterrichtsstunden. Veranstaltungen allgemein. Selten eine Haftstrafe. Wörter und Sätze können ausfällig werden. Und das ist dann ein chemischer Prozess im menschlichen Gehirn. Alles nur ein chemischer Prozess, bei dem das Urteil noch lange nicht gesprochen ist. Das Wort, das mir ausfallend geworden war, ist später wieder bei mir eingefallen. Auf dem Rad. Auf dem Nachhauseweg. Weil es mir morgens auf dem Rad auf dem Hinweg aufgefallen war, bzw. aufgefallen war mir das, was es beschreibt. Es heißt: Vorgartenbauch. Wahlweise ergänzt als: Vorgartenbauch mit Hund.

3 minuten gehirnwäsche: 7.8.21, 16uHr47 bis 16uHR55

Samstag, August 7th, 2021

 

wenn man von manchen menschen wüsste, wann sie jetzt cool sind und wann sie jetzt nicht cool sind. Jetzt eine coole formulierung suchen für uncooles verhalten. Oder eine uncoole formulierung für cooles? Hier beginnt schon der fehler, wo einer sich anschickt, flotte formulierungen zu kaufen, suchen und finden für menschen, die früher auch problemlos ein konzentrationslager geführt hätten und es heute auch zu tun vermöchten, links oder rechts oder mittig: egal: hauptsache ich ich ich und macht macht macht und die heute technisch brilliante leistungen vollbringen aber als soziallegasthenische grundsoziopathen dich morgen kaltlächelnd, noch ein witzchen mit dir schäkernd, shakehand, linkshändig oder rechtshändig abservieren. Lächelnder kumpel und mörder in gleicher person.

3 minuten gehirnwäsche, 27.7.21, 22.05 bis 22.12

Mittwoch, Juli 28th, 2021

die fliege klebt kopfunter am bildschirm
ein seltsamer tod
an etwas flachem klebend,
das dann auch noch leuchtet und warm ist…

am sacht gebogenen horizont steht eine kuh auf dem hügel
und bildet ein merkwürdig punktvolles gegenstück
zum gelben arm eines baukrans –

tun und lassen
kleben und stehen
festgesaugt an der zeit

ich entferne die festgebissenen
pflanzen aus dem rinnstein am straßenrand
sisyphos hätte seine freude dran

man sollte mit manchen arbeiten aufhören,
kurz bevor sie beginnen, einem spaß zu machen

14. 4. 21

Mittwoch, April 14th, 2021
      1. 7uhR33 bis 7UHR48

gestern wurde ich an paris erinnert. Paris ist eine stadt, die es gibt. Man kann das überprüfen, indem man hinfährt. Wenn man denn hinfahren darf. 2005 war ich das letztemal in paris. Das ist schon 16 jahre her. Ich vermute aber, dass es die stadt immer noch gibt. Damals war es anfang märz. Ich bin über meinen geburtstag hingefahren. Alleine. Und bin am ersten tag abends rumgelaufen und hab gedacht: was für ein schwachsinn: dir geht es nicht gut und dann fährst du alleine in eine solch große stadt, wo du niemanden kennst und noch alleiner rumrennst als eh bisher. Ich bin dann mit diesen gedanken auf einem platz am eingang der sorbonne gelandet. Es gab dort buchläden, wie es sich für eine universität gehört. Da gucke ich dann gerne die auslagen. In prag habe ich dabei gelernt, dass die teschechische ausgabe von günter grass´ blechtrommel auf teschechisch plechový bubínek heißt, was ich sehr lustig fand. In paris fand ich nix lustig an jenem abend. Entdeckte aber ein buch, auf dessen titel ich abgebildet war. Also, zumindest sah der mann, der da auf dem titel am strand auf den betrachter zugeht, vermutlich der autor (ich vermutete sowas wie einen philosophen), so aus wie ich selbst in etwas dünner. So sehr, dass es mich total irritierte. auch bei wiederholtem blick. hatte ich ein doppelleben, von dem ich nichts wusste? Aber auch zurückholte in die welt: ich war nicht allein. Es gab ein buch, auf dessen titel war ich drauf in dünn. Ich konnte etwas versöhnter zurück in mein hotel laufen, das man sich besser als eine art pension vorstellt, und das in dieser nacht vor allem von einer italienischen jugendgruppe bewohnt wurde. Mein zimmerchen war ganz ganz weit oben, und da das alles so out of control war, war in dem zimmer nebenan eine art pubertärer partnervermittlungsbörse dieser italienischen jugendlichen. Mit entsprechendem getrappel, gerufe und entsprechender aufregung. Schlaf war da nicht viel. Bei denen nicht und bei mir nicht. Am nächsten morgen im frühstücksraum gab es eine riesenkanne kaffee für mich und 1 croissant. So ungefähr. Marmelade mag ich nicht, also blieb nur croissant in kaffee. Aufbruch in den tag. Es war sonnig und hat leicht geschneit. Ich hatte vorher noch nie die idee, dass es in paris schneien könne. Paris: Stadt ohne schnee. Ich schlenderte den Boulevard de Strasbourg entlang, ganz entspannt, als eine Schneeflocke bei ihrem Fall nach unten einen kleinen Rückzieher macht, das heißt, in einem Kringel wieder nach oben fliegt und in meinem rechten Nasenloch verschwindet. C´est tout. Ein Zufall als Zeichen.

13. april 2021

Dienstag, April 13th, 2021

22uHr53 bis 22UHr56

heute mit dem finger gewackelt. Ein kurzer moment des mutes. Noch ein glück: das rad kann jetzt auch wieder atmen. Wir drehen uns elliptisch. Und haben keine Ahnung, wie dieses Schleudertrauma uns noch Freude bringen kann. Ich freue mich nicht mal mehr über meinen Finger.

11.4.21

Sonntag, April 11th, 2021

11uhr48 bis 11uhR52

in die welt hineinrufen, in der hofnung, die welt ruft nicht zurück. Eine amsel sitzt auf ihrem baum und ruft hoffnungfroh in die welt. Meine vorstellung sofort: alle alle alle rufen und brüllen das tier zurück und nieder. Stante pede. Just sofort. Muss wohl daran gelegen haben, dass es morgens war. Abends hatte ich diese vorstellung noch nie.

2.4.21 nachmittags

Samstag, April 3rd, 2021

nachmittags – ohne genaue uhrzeit, jedenfalls in der sonne

 

ich krabbele von innen an der scheibe entlang. Woher die kraft nehmen und nicht stehlen? Der nachbar geht seine wiese auf und ab. Er kann uns alle sehen. Wir können nur ihn sehen. Wer führt für wen ein theaterstück auf? Er für uns? Wir für ihn? Ich rutsche an der scheibe ab und falle zu boden. Vieles weiß man, bevor man es fühlt, auch hier.

2.4.21

Freitag, April 2nd, 2021

9uhr5 bis 9UhR13

nachts lege ich meine hand an meinen kopf, damit sich die finger in der krümmung üben. Mein kopf scheint mir dafür ein geeignetes werkzeug. Er ist da und halbwegs rund und muss sowieso gehalten werden. Viel mehr gibt es nicht zu sagen: ich schlafe ein und morgens ist er wieder voller gedanken. Kann irgendjemand morgens im bett lesen? Ich kann es nicht. Abends vorm einschlafen lesen, damit sich die aufgenommenen dinge einen platz suchen können: ja. Morgens liest man die zeitung, kurze berichte aus der wahren welt, damit man wieder weiß, was die stunde geschlagen hat. Aber das ist ja kein lesen. Ein bisschen so, als wenn vögel morgens zeitung läsen. Ich lasse die tagesereignisse in mich hineinzwitschern. Und natürlich wissen alle, warum twitter twitter heißt: es sind einfach nur lebenszeichen. Auf elektronischem weg. Ein neuer tag. Ich lebe noch. Twittero ergo sum. Der mensch unterscheidet sich von den vögeln nur dadurch, dass er einen schließmuskel hat. Die wenigsten allerdings einen verbalen. Vieles weiß man, bevor man es fühlt. Warum aber facebook facebook heißt?

28. märz 2021

Sonntag, März 28th, 2021

6uhr44 bis 6UHR51

Klaus Harth & die egoband: vereitelte eigenmythen: so könnte eine schallplatte heißen. Kann ein mond tröstend sein, auch wenn er selbst schwer verwischt am himmel hängt? Es ist sommerzeit und ich habe meine sparkasse repariert. Wohin mit dem geld? Wohin mit den schlechten gedanken? Die dunkelheit drückt auf die leere, die leere zieht die bettdecke von mir weg. Bevor ich schwebe, probiere ich es mit autogenem training: ich bin schwer. Ich bin schwer. Ich bin schwer. Ich bin keine schweizerin. Kein schwede. Kein schwarzer schwabe. Nur schwer. Der mond ist leicht, aber verwischt. In einem anzeigenblatt haben die letztens eine mondlampe angeboten. Die leuchtet leichtfüßig und unverwischt und schwebend. Ich leuchte noch nicht mal unter der schwebenden decke. Damals in wiesbaden war ich betrunken. Meine couch begann mit mir zu fliegen und ich konnte das mit aktiv-autogenem training in den griff bekommen. Eine nacht des erfolges. als ich das letztemal so richtig betrunken war, schrieben die menschen das jahr 1996. der 13. dezember war damals ein freitag. Also war es der 14. dezember. Es gab österreichischen wein in einem schaufenster in halle an der saale. Und rohes hackfleisch auf brötchen. Nichts für einen vegetarier. Eine nacht mit einem abgebrochenen philosophen. Dem war ich nicht gewachsen. Und wachse auch weiterhin nicht mehr. sparkasse hin. sparkasse her.

20.3.21

Mittwoch, März 24th, 2021

7uhr24 bis 7uHr29

die sprache des autoverkäufers. Er benutzt ersatzstücke. Nichts unterliegt einer inneren logik oder eines weltbildes. Vorne am eingang sagt er dies, hinten am ausgang jenes, beim unterschreiben des vertrags innerhalb von 20 sekunden das gegenteil von eben. So wie es ihm zu dem moment und uns zu passen scheint. „wie sage ich immer?“ – dieses bauteil benutzt er oft. Bringt einen versatz aus seinem leben. „Da ist man froh, wenn man dann das geld hat!“ – deshalb dann doch besser totalkredit statt anzahlung. Ein mann auf du und du. Und ich und ich und ich. Nur weiß man am schluss nicht mehr, wer man selbst ist und ob man das so gewollt hat. Ja, na klar hat man das so gewollt. Der verkäufer hat es einfach nur besser erkannt als man selbst. Schließlich verkauft er bis zu 500 autos im jahr. Großmütter gehen derweil unwillig rückwärts über die tische.

gegend (nk)

Sonntag, März 21st, 2021

16.3.21

Freitag, März 19th, 2021

17UHr29 bis 17UHR34

wie schön waren die gedanken, als ich sie noch für mich hatte – zwischen die steine konnte ich sie legen, unter den sand buddeln, mit dem dreirad konnte ich ums haus fahren, an der tür wurde nach mir gerufen, von draußen nach drinnen: kommst du? Und: was gab es denn bei euch zu essen? Und: was ist das für eine schlechte musik? Opa schlachtete den hasen, ansonsten war er 1 sehr friedlicher mensch. Er musste 2 kriege überleben, hatte aber immer gerade eben noch das richtige alter.

18.3.21

Donnerstag, März 18th, 2021

 

      1. 7uhr20 bis 7uHr27

Sing mich in den Schlaf. Jahrelang hab ich alleine gewohnt. Wenn ich abends nachhause kam, habe ich meine Wohnung begrüßt: Hallo Wohnung! Und wenn ich nachts nicht schlafen konnte, dann habe ich das Radio angemacht. Deutschlandradio Kultur. Mit langen merkwürdigen Musiksendungen, z.B. einer Spezialsendung nur über Filmmusiken. Mit einem Moderator, der da die unglaublichsten Sachen wusste und kannte. Eine Welt für sich. Und das war nicht die einzige Welt, die sich da entfaltete. Um 1 Uhr immer die Diskussionssendung, wo Menschen zu einem bestimmten Thema anrufen konnten. Und auch dort schien es die immer ein und selben Schlaflosen zu geben, die zu allem etwas zu sagen wussten. Weltbeobachtung und Weltkommentar aus nächtlicher Sicht. Wobei ich dann nicht schlaflos war. Ich schlief gut unter akustischer Begleitung. Wurde stellenweise wach und schnappte etwas auf. Mein Hirn kam nicht auf dumme Gedanken. Manchmal nahm ich einen Fetzen aus Strawinsky wahr. Oder Mahler. Oder was auch immer. Und hatte meine Verbindung zur Welt. Und etwas Vertrautes, was einfach da war. Wie andere ihre Wellensittiche haben. Wellensicht. Wellensichtiche. Nachtsicht. Nachtschicht und Nachsicht. Wellenweltnachtsicht-Gerät. Selbst heute mache ich das ab und an, wenn ich alleine zuhause bin. Ich bin mir dann vertraut und gut gewogen. Wellenweltnachsichts-Gerät.

11.3.21

Donnerstag, März 11th, 2021
      1. 8UhR49 bis 8UHr59

mit dem fahrrad hatte ich meine schwierigkeiten. Es hat lange gedauert, bis mein vater die stützräder abmontieren konnte. Wahrscheinlich hatte er es schon aufgegeben. Und trotzdem bin ich zum passionierten alltagsradler geworden. Das fahrrad halte ich für die größte erfindung des menschen. Mit dem schlittschuhlaufen war es anders. Als kind ausgeprägt unsportlich, was sich erst so mit zwölf, dreizehn jahren änderte als ich mit dem handballspielen anfing, war das eis sofort mein freund. Freunde stellten mich drauf. Sportliche freunde. Und ich konnte es sofort besser als sie. Und was motiviert einen mehr? Ich hatte etwas, was ich konnte. Sogar besser als die, die soviel besser waren. Zeitweise war ich, war die halle offen, zweimal wöchentlich auf dem eis. Jahrelang dann nicht mehr, mangels gelegenheit. Die letzten jahre dann wieder ab und zu. Was ist das besondere? Ich bin ja auch kein tänzer? Aber auf dem eis bewege ich mich leicht und elegant. Locker und elastisch. Ich vermute, es ist die bindung an vorgegebene bewegungsabläufe. Die schlittschuhe geben gewisse bewegungsabläufe vor, innerhalb derer man frei ist. Man muss den kräften, die sich zwischen den geschliffenen kanten, dem eis und dem eigenen richtungswunsch entspannen, nachgehen. Man darf nicht etwas anderes wollen. Man muss diese kräfte und ihren ausgleich spüren und ihnen nachgehen. Man darf nichts zwingen. Besser sogar: man muss nichts zwingen. Man muss nicht überlegen: wie beweg ich mich jetzt? Hat man angst vor dem eis, dann fällt man hin. Traut man ihm, so wird man getragen. Nachdenken über die bewegung führt zum misserfolg. Und das scheint mir sehr zu entsprechen. Wenn ich überlege, bin ich oft schlecht. Anders als auf rollschuhen, wird man beim fallen auf dem eis kaum gebremst, was weniger schmerzhaft ist. Man fällt leise.

Ps: im november 2019 war ich in schwenningen zu besuch und morgens zum schlttschuhlaufen. Ein gewöhnlicher wochentag. Außer mir war kein mensch in der halle. Ganz allein auf frischem eis. Alle spuren waren am ende ganz allein von mir. Auch eine zeichnung. Und etwas, was ich so wohl nie wieder erleben werde.

pps: wer vollendet mein schlttschuhläuferisches werk, wenn ich tot bin?

2.3.21

Dienstag, März 2nd, 2021

23uHr37 bis 23Uhr46

ich bin müde und wäre es auch gewesen, wenn ich nicht müde gewesen wäre. Die dinge sind nicht die dinge, die interessant sind. Lange konnte ich nicht auf dem fahrrad fahren. Mein vater lief hinter mir her und war verzweifelt. Sein vater lief nicht hinter ihm her und war verzweifelt. Er konnte schlecht atmen. Weil von wegen dem krieg. Angeblich kam er mit einem der letzten transporte aus stalingrad raus, bevor es zu dem wurde, was wir unter stalingrad verstehen. Ich verstand damals allerdings noch nicht einmal die sache mit dem gleichgewicht. Das kam später. Der vater meines vaters musste jeden tag zu einem spaziergang in den wald. Dabei war ich oft dabei. Ich kannte alle wege auswendig. Wir versteckten eine limoflasche am wegesrand und fanden sie am folgenden tage wieder. Ich erinnere mich, dass diese sorte limo schon nicht so super schmeckte, bevor wir sie versteckten. Fünf tage nach meinem zwölften geburtstag verstarb der vater meines vaters in dem krankenhaus, in dem ich geboren wurde. meine haare wuchsen ungebremst.

27.2.21

Sonntag, Februar 28th, 2021

8UHr09 bis 8 uhr17

der traum von eben

ich war mitglied in einem mainzer verein für sport und bestattungen. Es gab einen alten veranstaltungssaal und ich durfte auf dem podium sitzen und war auch gleich in die illustre runde aufgenommen. Alles in brau und ockertönen. Stühle dunkelgrün bezogen. Wenn auch neben mir ein etwas unsympathischerer mensch saß. Aber der war auch den anderen mitgliedern unsympathisch. Ich musste mich auch nicht direkt neben ihn setzen und konnte einen stuhl zwischen uns frei lassen. Niemand im zuschauerraum. Ein mitglied fuhr mit seinem rennrad einmal um den raum und hinter uns am podium vorbei, um schonmal für mich eine duftmarke zu setzten. Die wände der großen räume hinter dem podium waren mit einem leinenartigen stoff bespannt, was mir sehr gefallen hat. Ich sollte schon bald bei der ersten beerdigung behilflich sein. Ich wartete an einem grab, bis die trauernden sich entfernt hatten und der mir zugeteilte erfahrene mitarbeiter zu mir kam, um mir zu sagen, was ich zu tun hatte. Das schien etwas länger zu dauern und ich war mutig und ging direkt an den grabhügel (alles war eher eine hügelige grablandschaft) und sah ein skelett, halb mit erde bedeckt, halb offen daliegend, die knochen nicht mehr in kompletter ordnung. Dass es eine frau war, wusste ich durch die gegebene situation. ich fand das alles nicht so schlimm. Eine halbverweste leiche wäre schlimm gewesen. Knochen einsammeln sollte möglich sein. Denn das war dann wohl meine aufgabe.

26.2.21

Freitag, Februar 26th, 2021

10UhR22 bis10UHR32

keine lust zum aufstehen: wir drehen die zeit zurück. Ein jahr, das würde schon reichen. Wenn man 3 sekunden veranschlagt, um die uhr eine stunde zurückzudrehen, dann bäuchte man für 24 stunden 72 sekunden. Das macht bei 365 tagen 26280 sekunden. Das wären 438 minuten, bzw. 7,3 stunden. Wenn man nicht zwischendurch einen arm in den krampf bekommt oder mal kurz langsamer wird. Oder schneller. Keine pause für ein butterbrot. Wenn die uhr neben dem bett steht, kann man sogar etwas liegen bleiben. Ein jahr retour und alles noch vor sich. Hinter sich. Unter sich. Neben sich. vor jahren hab ich mir mal folgendes errechnet:

14. März 2009

Eben lese ich in der Zeitung: Hanne Darboven ist tot.

Und Klaus Zumwinkel lässt sich seine Rentenansprüche von 20 Millionen Euro ausbezahlen. Für zwei Monate Arbeit im Jahre 2008 stehen ihm weitere 714.045,- Euro zu. Ich bewege mich normalerweise ja ein wenig abseits des Sozialneidgedankens und bin mir auch durchaus darüber im Klaren, dass andere für andere Dinge auch noch mehr bekommen, aber: kein Mensch leistet so viel, dass er soviel Geld „verdient“ hätte! Keiner! Man sollte mal eine Radierung von Klaus Zumwinkel machen und sie 20 Millionen mal drucken. Oder auch nur 714.045 mal. Letzteres angenommen, und angenommen, ich könnte in einer Viertelstunde einen Abzug auf der Radierpresse erstellen, hätte ein Team, das es erlaubte, rund um die Uhr zu arbeiten, bräuchten wir dazu 178.511,25 Stunden, d.h. 7.438 Tage (in Worten: Siebentausendvierhunderachtunddreißg)oder 20 Jahre und ein paar zerquetschte Monate (in Worten: zwanzigJahre). Bei Klaus Zumwinkel waren es 60 Tage (wenn man mal davon ausgeht, dass er samstags und sonntags durcharbeitet…).

Hanne Darboven ist tot.

21.2.21

Sonntag, Februar 21st, 2021

8Uhr33 bis 8uhr50

stell dir vor: alle häuser sehen ursprünglich gleich aus. Jahre vergehen. Familien wachsen. Ziegen sterben. Die nachkommen der ersten bewohner haben mehr geld als die, die die häuser damals gebaut haben. Konjunktur und wirtschaftswunder und marshall-plan und wunder von bern. Und der darauffolgenden generation geht es noch besser. Auch werden die menschen jetzt größer als früher: mehr platz muss her. Es wird an und umgebaut und platz geschaffen. Und wenn man jetzt durch die siedlung geht, ist es merkwürdig: man sieht den häusern an, was in den köpfen den menschen drin ist. Schörkel und schnörkellosigkeiten. Ideen und keine ideen. Obstbäume und keine obstbäume. Wiesen, wo früher gärten waren. Wilde private kinderspielplätze. Betonierte einfahrten. Autos, größer als die garagen. Und überall sieht man noch – mehr oder minder deutlich – das ursprüngliche kern-haus: es ist aber meist nur noch der nukleus, an dem die aktuelle wohnwelt klebt. Paläste an hütten. Krebsgeschwüre als wohnzimmer. individualität als falsch verstandene, nach außen dröhnende merz-bauten. Die architekten hatten urlaub, die baumärkte offen. Alles platzt aus allen nähten und man fragt sich, wo früher die grundstücke platz hatten. Der mond (halb-, voll-, neu- und platz-) ist von all dem immer gleich weit entfernt: genau 1 minute.

20.2.21

Samstag, Februar 20th, 2021

8uhR08 bis 8UHR19

ich male ein fenster, aus dem ich als kind zweimal geschaut habe. Das war etwas besonderes: mein opa musste mich anheben. Das fenster war im oberen geschoss des hauses, eigentlich ein ausgebautes dachgeschoss eines sehr kleinen hauses. Die zimmer dort waren kalt und ungenutzt. Zu meiner zeit wurden sie nicht mehr gebraucht. Es waren die zimmer meiner mutter, ihrer schwester und ihres bruders. Es stand dort auch eine alte nähmaschine. Ich sehe das fenster von weitem. In meinem bild ist es ein kleiner heller fleck. Und ich kann das haus nicht mehr betreten. Die menschen verkaufen dinge. Dafür bekommen sie geld. In das haus kam regelmäßig ein einarmiger mann, der mit seinem lkw durch die gegend fuhr und sprudel, limo und bier verkaufte. Einmal im monat? Jedenfalls kam er von weit her (odenwald-quelle) um seine sachen zu verkaufen. Er sprach auch anders als wir. Ob er aber wirklich aus dem odenwald kam? Und damals war alles noch viel weiter! Die entfernungen waren größer weil die geschwindigkeit geringer (einstein). Er trug die sprudel-, limo- und bierkästen einarmig in den keller. Wir tranken sie aus. Süsser sprudel und saurer sprudel. So hieß das. Außerdem stand an einer ecke immer eine kanne hagebutten-tee (beutel), den wir aus gesammelten (und gespülten) plastikbechern tranken. Eine schaukel im garten und ein sandkasten. Gegend. gegessen wurde immer schon um 11.

15.2.21

Montag, Februar 15th, 2021
      1. 15Uhr08 bis 15uHR17 (nachklapp zu bachmann im filzanzug, danke und gedanke)

bedeutungslose verbindungen. Gestern, am 14.2.2021, fiel mir zu der kleinen bemerkung Jörn Budesheims über zeichnung und kunst und das nachdenken darüber und dem dabei verbleibenden mangel an wirklichem wissen sofort ein zitat meines japanischen lieblings-kalligrafen Innoue Yu-Ichi ein, dessen retrospektive ich 1996 in frankfurt gesehen habe (zusammen mit Stephan Flommersfeld übrigens, der mich darauf aufmerksam gemacht hatte). Ich zog den katalog aus dem bücherregal, wollte ich ja genau zitieren, und fand das zitat nicht und legte ihn wieder weg und reagierte anders auf diesen gedanken. (mit der 3-minuten-gehirnwäsche von gestern: danke und gedanke). Später fand ich das zitat: „mir meine armut bewahrend, habe ich 66 jahre lang meinen pinsel bewegt. Befragt nach dem geheimnis, das hinter diesem steckt (muss ich antworten:) es gibt keine gesetze (für die kunst)“. Das, was ich dann aber am meisten kickte: ein blättern in der biografie Innoue Yu-Ichis sprach zu mir: geboren am 14.2.1916. Ich mag diese bedeutungslosen verbindungen, die einem nahelegen, es könnte so etwas wie einen sinn geben. Guck mal: 14.2. und 14.2.! Heiner Geißler hatte am gleichen tag geburtstag wie ich, aber das heißt nun gar nix. Aber auch Georg Cantor, der erfinder der mengenlehre, zumindest nach dem gregorianischen kalender. Und mengenlehre mochte ich tatsächlich. on kawara mochte die zahlendreher.