Sei Dein eigener Kunstbetrieb!

Christoph Rammacher eröffnet am 3.10.2013 seine neuen Räumlichkeiten in der Mainzer Straße 31 in Saarbrücken. In regelmäßigen Abständen sollen dort immer wieder donnerstags, in den sog. Donnerstagszimmern, Veranstaltungen veranstaltet werden. Ich bin am Donnerstag auf jedenfall dort anzutreffen und kann einen Besuch nur empfehlen. Jeder Versuch, sich vom offiziellen Kunstbetrieb freizuschaufeln, sei er auch noch so winzig, kann nur begrüßt werden. Anpassung oder Wagnis. Vergesst TAG DER BILDENDEN KUNST, besucht DONNERSTAGSZIMMER!

3 Responses to “Sei Dein eigener Kunstbetrieb!”

  1. Armin sagt:

    Ich wäre gerne gekommen. Vielleicht beim nächsten Mal, jetzt, wo er quasi um die Ecke wohnt.

    Ja, der Tag der Bildenden Kunst. Aus meiner Sicht auch vergess- & vernachlässigbar. Ich halte nichts davon, meine Ateliertür an diesem Tag zu öffnen.

    Wo bleibt da die Aura? Das Geheimnisvolle?

    Und was erwartet den neugierigen Flaneur? Künstlerateliers, gereinigt, aufgeräumt & klinischer als ein Operationssaal. Flauschige Wohnzimmer, kuschelige Räume mit frisch geweißten Wänden & stimmungsvoller Klaviermusik.

    Für viele allerdings ist das allerdings ein jährliches Hailight. Ich habe mit Leuten gesprochen, die weder in eine Galerie, selten in ein Museum gehen. Geschweige denn die Existenz von Kunstvereinen auch nur ahnen. Aber an diesem Tag gehen Sie Künstler angucken!

    (Es ist allerdings auch schwierig, sich in einem Atelierhaus wie im KuBa auszuklinken. Mitfangen, mitgehangen. Oder so. Letztes Jahr hatte ich nichts an den Wänden hängen. Ich begann samstags zu zeichnen. Flanierende Menschen. Um nach & nach die Zeichnungen an die Wände zu hängen. Fiel anfangs den wenigsten auf, die leeren Wände des „leeren“ Ateliers. Witzigerweise. Vielleicht weil mein Raum vollgestopft ist bis in die letzte Ecke.)

    Ja. Schwierig.

  2. Klaus sagt:

    Mir hat aber gefallen, wie Du damit umgegangen bist. Die Idee mit der Zeichnung auf der Wand fand ich dann recht überzeugend und gut. (Das mit den flanierenden Menschen find ich natürlich auch eine schöne Idee). Generell bin ich da auch recht zwiegespalten: Man spricht ein Publikum an, das sich normalerweise keine Kunst ansieht, was ja einerseits gar nicht so schlecht wäre, verstärkt aber andererseits das Pittoreske der Kunstszene, das Exotische, und tut so, als gebe es alleine in Saarbrücken hunderte von Künstlern und das verzerrt komplett das Bild für den Unwissenden. Wie Du das so treffend formulierst mit „Aber an diesem Tag gehen sie Künstler angucken!“ Das passt auch ein wenig zu dem ZEIT-Artikel, den Du heute auf facebook verlinkt hast: Schlussendlich geht es in die falsche Richtung und macht aus der Kunst ein nettes Event, alles so schön bunt hier, und alles sind unterwegs und betrachten und keinem tut es weh. Man beraubt sich freiwillig seiner Potenz. Mitten im Volksfest angekommen.

    Nicht, dass ich mir seit Jahren Gedanken darüber mache, wie man seine Arbeiten sinnvoll präsentiert (und wo) und kaum zu praktikablen Ergebnissen komme, aber solche Versuche wie die der Walpodenakademie in Mainz (insbesondere von Stefan Brand alias BrandStifter) oder jetzt der Versuch des Donnerstagszimmers von Christoph finde ich da vielleicht einen gangbaren Weg. Am 7. November zeigt er übrigens Zeichnungen (und ein paar von meinen darf ich auch dazuhängen…)

  3. Armin sagt:

    „Galerien veranstalten Straßenfeste mit Bier- und Bratwurstbuden.“ – Das kommt dem, was in unserem Atelierhaus passiert, leider sehr nahe. Aber ich sehe aber auch den Konflikt im speziellen KuBa-Fall: Einerseits der subventionierte Verein, der noch mehr Unterstützung braucht. Publikum, Öffentlichkeit & Presse sind da natürlich existenziell. Dafür das Volksfest am Tag der Bildenden Kunst.

    Andererseits die Künstler, die nicht selten nur zähneknirschend & aus Solidarität mitmachen (Zwei Ateliers waren dieses Jahr spontan wegen Krankheit geschlossen).

    Dieses Jahr machte ich folgende Beobachtung: Ich saß die meiste Zeit in meinem Atelier, hatte die Tür im Blick & sah Menschen vobei gehen, spazieren, eilen, flanieren. Die wenigsten allerdings kamen in meinen Raum. Oder streckten wenigstens den Kopf in die Tür.

    Waren die Flure interessanter als mein Raum? War mein Raum nicht einladend? Ich weiß es nicht. Mit den wenigen, die dann wirlich reinkamen, hatte ich dann aber auch nicht selten anregende, lustige, witige & manchmal auch belanglose Gespräche.

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