Nachtrag

Bei all meinem Nous sommes tous Charlie-Unbehagen habe ich mir letztens nach acht fast Jahren Abstinenz mal wieder eine titanic-Ausgabe gekauft. Und fand das alles sehr erfrischend, war aber andererseits auch erstaunt darüber, was es acht Jahre später fast immer noch genauso gibt wie damals.

Stefan Gärtner schreibt einen beachtenswerten Artikel zu meinem Unbehagen-Thema, „Alle Charlie. Keiner BODO“.

Er führt den Gedanken dorthin, wo die Probleme herkommen: Wir sind Teil des Systems.

Der Schluß seines Textes sei hier zitiert:

„…Anderes Beispiel, wiederum vom 8. Januar: ‚In einem außergerichtlichen Vergleich vor einem Londoner Gericht hat der Konzern (Shell) sich bereiterklärt, 15600 Einwohnern einer Gemeinde namens Bodo insgesamt rund 70 Millionen Euro Enstschädigung zu zahlen. Dafür, daß im Jahr 2008 eine Pipeline von Shell zweimal kurz hintereinander brach, woraufhin wochenlang soviel Öl auslief, daß Mangrovenwälder und Fischgründe weiträumig auf Jahre zerstört waren…Dokumente, die dem Gericht im Laufe des Verfahrens vorgelegt wurden, zeigen, daß der Konzern den verheerenden Zustand der Pipeline seit langem kannte… In der Region seien bis heute zahlreiche weitere Pipelines in ähnlich marodem Zustand in Betrieb und gefährdeten die Lebensgrundlagen Tausender Anwohner.‘ (SZ)

Deswegen ist freilich keiner Bodo, der auf dem Heimweg von der Ich-bin-Charlie-Demo seinen Wagen volltankt. ‚Durch nichts‘, da hat die Kanzlerin mal recht, ist das Massaker als ‚Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit‘, ein ‚Kernelement unserer freiheitlich-demokratischen Kultur‘, zu rechtfertigen. Unsere freiheitlich-demokratische Kultur ist aber auch darum unsere, weil wir nach Kräften dafür sorgen, daß niemand sonst sie sich leisten kann.“

Danke Stefan Gärtner!

Das Foto unten war letzte Woche in der Saarbrücker Zeitung auf der Leserbriefseite. Ich glaube, es sind die Dillinger Gymnasiasten, die jetzt alle umgetauft wurden…

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