kritik

Andrea Neumann in Neunkirchen. Was hab ich mich so schwer getan mit dieser Präsentation. Zwiegespalten. Einerseits geht man da durch und denkt: was für eine geile Malerei, Auflösung der Formen und und und. Und andererseits bleibt es schal und macht mich fast wütend: um was geht es hier eigentlich? Du gehst durch und nichts bleibt haften. Ich für meinen Teil werde sogar fast wütend, weil die Bilder dich anlügen, sie tun so, als ginge es um etwas, aber es geht eigentlich um nichts, außer um malerische Effekte. Cathrin Elß-Seringhaus von der Saarbrücker Zeitung lobhudelt bis zum Umfallen. Sie mag das: Projektionsflächen für den Betrachter, die Dich optisch umschmeicheln und somit nicht den Hauch eines Gedankens fordern oder sogar dich als Betrachter fordern. (Vielleicht ist das auch falsch beobachtet: Vielleicht sucht sie ja auch Bilder, die es ermöglichen, sich weiter an den eigenen,sowieso bereits vorhandenen Gedanken und Beobachtungen aufzugeilen, sich bestätigt zu fühlen, anstatt vielleicht auch mal ein wenig aus dem Gleichgewicht gebracht zu werden…) Vielleicht ist das der ideale Ausdruck unserer Zeit? Ich bekenne mich zu gar nichts, alles ist mir Mittel zum eigenen Spiel, aber eigentlich nehme ich die Dinge nicht ernst. Musik als Klang-Design. Kunst als Kunstdesign. Dabei funktioniert es sogar teilweise, wenn man sich ein beliebiges Bild herauspickt und sich den Rest der Ausstellung wegdenkt. Ein einzelnes Bild, sich vorgestellt in einem Museumskonzext mit anderen Werken anderer Menschen: da kann ich mir sogar denken, dass dann das einzelne Bild funktioniert. Aber wenn sie alle zusammen hängen, dann nehmen sie sich gegenseitig was, sie eliminieren sich, die Masche wird deutlich und alles ist an der selben Nadel gestrickt. Kein Wagnis, keine existientielle Wucht, kein Mut zum Bruch: alles ordentlich gemalt und ohne Risiko. Meine Begleiterin hat es schön auf den Punkt gebracht, wo ich wochenlang mit Worten und Sinnsuche hadere: „Eine tolle Malerin, aber sie traut sich nix. Soviel vergeudetes Talent.“

So ein bisschen die Xavier Naidoo der saarländischen Malerei.

(Und dann hat man hier so Leute wie Kurt Emser zum Beispiel, die malen, weil es ihnen um etwas geht, und die bei allen Ausstellungshäusern gnadenlos abblitzen.)

Lang lebe die Kreativwirtschaft!

2 Responses to “kritik”

  1. Ekkehard sagt:

    Hallo Klaus,
    ja, ich bin noch regelmäßiger, freudiger Besucher Deiner Seite und freue mich über die täglich neuen „Klausereien – Hardt am Leben“ oder so. Und als so ein am Rand-der-Kunst-wandelnder freue ich mich auch über Deine schriftlichen Kritiken, die man ja leider in der Saarbrücker Zeitung so nicht liest, glaube ich. Habe sie ja vor 3 Jahren abbestellt. U.a. deswegen.
    Und wie ich Deine Kritik der Ausstellung von Andrea Neumann gelesen habe – „kein Wagnis, keine existentielle Wucht, kein Bruch“ schreibst Du und doch bist Du irgendwie angetan – und es macht Dich wütend, weil Du Dich als Künstler irgendwo „angelogen“ fühlst und Deine Gefühle als kritischer Betrachter dann in wunderbarer Weise zum Ausdruck bringen kannst. Herrlich! Die Saarbrücker Zeitung müsste Dich engagieren!
    Und mir als künstlerischer Analphabet, ich gebe es zu, war am Sonntag im Künstlerhaus und habe mir die Ausstellung von Uwe Loebens angeschaut, wo genau das, was Du bei Frau Naumann bemängelst (Wagnis, Bruch) für mich in so überbordender Art vorhanden war, dass ich mir für 10 Euren extra einen Ausstellungskatalog gekauft habe, damit ich ihn samt des Vorwortes des Vorsitzenden Hans Gerhard in der Vogeltränke (die Vögel mögen mir verzeihen) für mich öffentlich als Protest verbrannt habe, wissend, dass das dem Loebens irgendwo vorbeigeht. Ich habe es gebraucht! Und dann habe ich gedacht: Herr Loebens, schade ums Papier, um die Aquarellfarbe und selbst schade ums Wasser!
    Und dann gehe ich auf Deine Seite und denke: warum Loebens und nicht Hardt? Und das Verbrennen habe ich fotografiert und in mein Skizzenbuch geklebt und nenne DAS Kunst. Text zu lang? Aber dafür nur einmal. Frohe Weihnachten und mach bitte bitte weiter.

  2. Klaus sagt:

    Hallo Ekkehard, ich mag lange Kommentare durchaus leiden! Uwe Loebens habe ich mir noch nicht angeguckt. Denke aber, dass eine Kritik folgen wird. LG Klaus

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