HERR HARTH: WÜTEND UND UNCOOL (oder wie es der junge Max Goldt mal so schön treffend formuliert hat: UNGEDUSCHT, GEDUZT UND AUSGEBUHT):

Das was oben noch abgebildet ist, hab ich mittlerweile auch gefressen. Das schüttet dann irgendwelche Neurotransmitter aus (oder was anderes, was weiß ich) und dämpft die Wut. Heute bekomme ich nämlich eine Einladung zur Landeskunstausstellung. Nicht eine zur Teilnahme, der Zug war ja längst abgefahren, sondern eine zum Besuch der sehenswerten Ausstellungsräume und Eröffnungen. 78 Namen auf der Liste (hab sie nicht gezählt, aber irgendwo hab ich in der Presse diese Zahl aufgeschnappt). Viele viele altbekannte Gesichter.  Nungut, man hat da keinen Anspruch darauf, dabei zu sein. Und wenn einer allein nach seinem großfürstlichen Gutdünken entscheiden darf, ist das natürlich alles sehr sehr subjektive Auswahl. (Dr.) Sabine Graf sagt auch immer, dass ja jeder wüsste, dass das ja nur ihre eigene Meinung sei, nicht mehr und nicht weniger, was da in der Zeitung unter ihrem Namen veröffentlicht wird. Und jeder weiß ja, dass die Landeskunstausstellung nur so eine kleine unbedeutende Präsentationsform ist, die kaum jemand wahrnehmen wird. Dass der Kurator der Meinung ist, dass die eigene Kunst so unbedeutend und langweilig ist, dass sie in diesen erlesenen Kreis nicht hingehört, ist das eine. Da findet das Hirn genügend Tricks, irgendwie damit klarzukommen. Vielleicht stimmt es ja auch: Langweilig und uninteressant und ich sollte endlich aufhören, andere Leute damit zu belästigen…

Dass sie einem aber dann noch die Einladung ins Haus schicken: Siehst Du, wärest Du so wie diese, dann wärest Du auch dabei!
Lasst das! Verhöhnt nicht die Menschen, die Ihr nur als Claqueure wollt! Wenn Ihr jemand nicht wollt, dann wollt ihn wenigstens 100% nicht. Alles andere ist als Verletzung wahrnehmbar (s. Abb. oben).

Man verzeihe mir diesen sehr uncoolen Wutausbruch. Ich hatte es ja noch „gut“. Seit 1993 durfte ich immer mal wieder eine Kleinigkeit im Rahmen dieser Veranstaltung vor die Nasen der Öffentlichkeit hängen. Ich kenne aber andereseits auch einige künstlerisch tätige Menschen, die seit Jahren in dieser Hinsicht ignoriert werden und die ein solch öffentliches Bohei durchaus auch mal verdient hätten, stärkt ja auch ein wenig das Ego und treibt die Arbeit voran, fördert die Gesundheit und vermeidet Antideprssiva; und ich finde andereseits auch Namen in dieser Liste, deren Arbeiten ich seit Jahren als auf der Stelle tretend finde und denen eine Pause durchaus mal gut täte. Nungut. Hätte ich mal die Chance, Kurator zu spielen, sähe datt janze Ding vielleicht tatsächlich mal anders aus. Würde nochmehr Unbill produzieren, weil noch andere fehlen würden. Fuck off Kuratorentum! Kuratorentum = Feudalismus. Danke für die Aufmerksamkeit.

4 Responses to “HERR HARTH: WÜTEND UND UNCOOL (oder wie es der junge Max Goldt mal so schön treffend formuliert hat: UNGEDUSCHT, GEDUZT UND AUSGEBUHT):”

  1. Armin sagt:

    … dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

    Ich finde es beschissen, dass Du nicht dabei bist!

    Anbei einer meiner Kommentare zur letzen LKA.

    http://arminrohr.blogspot.de/2008/06/fr-euch.html

  2. Sabine Tews sagt:

    Hi,
    wenn das nur eine subjektive persönliche Meinung einer Kuratorin ist, finde ich, dass der Kuratorposten jedes Jahr neu besetzt werden sollte, damit auch andere Leute die Möglichkeit kriegen, ihre subjektive Meinung kundzutun.
    Ich mag die Kategorie Kunst- oder Literatur (auch Film-)Kritiker nicht. Künstler jeder Herkunft sind mutige Menschen, die ihre Seele der Öffentlichkeit zeigen. Und dann werden sie von irgendwelchen Beamtenmenschen verrissen. Das Feuilleton jeder Zeitung ist mein Feind. Und ich klassifiziere mich dabei nicht als Künstlerin, sondern als Publikum. Aber das Feuilleton hat mir nur ausnahmsweise zu guten Büchern oder Filmen verholfen.
    Eine gute Freundin von mir hat mal 1 Semester Kunstgeschichte studiert. Ihr Kurs bekam den Auftrag, etwas über ein Bild in der Modernen Galerie zu schreiben. Und zwar nichts abschreiben irgendwo, sondern was sie wirklich selbst über das Bild denken. Sie ist hin, hat sich das Bild stundenlang angesehen und geschrieben, was sie drüber denkt. Alle anderen haben aus Kunstlexika und -büchern was geschrieben. Und wurden besser bewertet als sie. Ich sach ja, 1 Semster…..

  3. Klaus sagt:

    Danke Armin! Ich denke, das bedeutet mir etwas.

  4. Klaus sagt:

    Hallo Sabine. In diesem Falle ist die Kuratorin ein Kurator. Und die Veranstaltung findet auch nicht alle Jahre wieder statt, sondern normalerweise alle vier Jahre, ausnahmsweise liegt die letzte LKA bereits fünf Jahre zurück, früher gab’s das im zweijährigen Rhythmus. Ich halte das Prinzip des alleinseeligmachenden Kurators für kein modernes, sondern für ein rückwärtsgewandtes. Zu Anfang der LKA konnte man sich bewerben und eine Jury hat dann über die Teilnahme entschieden. Das fand ich ein offenes und meinem Verständnis von Kunst und deren Schaffen angemesseneres Konzept. Klar, auch damals wurden nicht immer alle genommen und man konnte sich grämen, warum jetzt der oder die und nicht ich. Aber es war nicht von dem Gutdünken einer einzelnen Person abhängig, was ich, wie bereits im Text getextet, für ein feudalherrschaftliches Prinzip halte. Und was die Kunsthistoriker angeht: Sie sind die natürlichen Feinde des Künstlers. Das ist Fakt. Schubladendenker und Einordner. Das liegt in der Natur der Sache. Wo der Künstler tastet und ausprobiert und wagt, muss der Kunsthistoriker gucken, dass alles noch in die bereits vorhandenen Schubladen passt (herausragende Exemplare ihrer Zunft zimmern auch ab und an mal eine neue Schublade, wenn etwas jetzt partout nicht noch irgendwo dazuzuquetschen ist), damit Ordnung herrscht und nicht irgendwer denkt, er könne sich alles erlauben. Kritiker funktionieren ähnlich, sind aber in der Regel lauter. Und hierunter gibt es ab und an tatsächlich welche, die sich Mühe geben, Dinge zu verstehen und auch selbst den ein oder anderen orininellen und originären Gedanken haben, somit auch den ein oder anderen solchen Gedanken bei anderen zu erkennen vermögen. Ab und an, wohlgemerkt. Die meisten machen einen Job. Ich finde es für den Kunstproduzenten jetzt aber nicht ganz unnütz, wenn er natürliche Feinde hat. Kunst ist auch Kampf. Man muss die eigene Arbeit auch gegen den so empfundenen Stumpfsinn alles anderen Existierenden durchsetzen. Kunst ist auch immer ein Gegen-etwas-anderes. Meine Sicht gegen die der anderen. Das funktioniert nicht immer und man muss sehr Obacht geben, dass man dabei nicht verhärtet oder verbittert. Aber wo gilt das nicht?
    Und die, die immer so fleissig in die Schubladen gucken, bemerken dann oft nicht, dass es außerhalb dieser Schubladen vielleicht das ein oder andere gibt, was vielleicht interessanter ist. C’è tutto.

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