FRÜSTART SPÄTVORSTELLUNG NACHTRAG NACHTRAG

In der Spätvorstellung wurden Fotos von Julia Baur gezeigt. Daneben einige Texte gelesen. U.a. eine Übersetzung eines Gedichtes von Jaques Prévert und viele Texte von Stephan Flommersfeld. U.a. die folgende Wiederentdeckung. Trägt den Titel: FABEL. Und geht wie dies:

ernährt die auster den bär?
entbehrt der biber die echse?
was ist los mit dem fisch?
die fledermaus findet den weg.
nicht so die fliege.
die flugente überflügelt die gemse.
das wiederum gefällt dem habicht nicht.
die heuschrecke bleibt indifferent.
kritisch beargwöhnt das huhn den hund.
ein käfer ist kein ersatz für eine katze.
der krebs ändert beim kochen die farbe des panzers.
die kröte ist glücklich entkommen.
der kuckuck findet eine languste und zeigt sie der lerche.
diese ist nur interessiert an der made.
das maultier mißbilligt den maulwurf.
die muschel schenkt der natter ihr herz.
der rabe ist ein wenig nervös.
warum verheimlicht die ratte der raupe das rind?
der salamander befeuert das schaf.
das schwein beweint den tod der spinne.
der stier wird das stinktier nicht los.
taube, wanze und wolf finden keinen gemeinsamen nenner.
der ziege darf die zecke nicht egal sein.
denn in der ziege steckt die zecke,
und mit tücke
saugt die zecke
blut.

Und weil es ein wunderschöner Morgen zum Lesen ist, auch noch kurz meine Prévert-Übersetzung:

Im Blumenladen.
Ein Mann betritt einen Blumenladen
er sucht sich Blumen aus
die Blumenhändlerin wickelt sie ein, die Blumen
der Mann bewegt seine Hand zu seiner Jackentasche
um dort, dort in der Jackentasche,
das nötige Kleingeld herauszusuchen
das Kleingeld für die Blumen
doch plötzlich
plötzlich
bewegt sich die Hand des Mannes zu seinem Herzen
und er fällt.

Im selben Augenblick, in dem er fällt,
rollt das Geld auf den Boden
und danach fallen die Blumen
im selben Augenblick wie der Mann
im selben Augenblick wie das Geld
und die Blumenhändlerin steht so da
mit dem Geld, das rollt
mit den Blumen, die fallen
mit dem Mann, der stirbt

wirklich: das alles ist unendlich traurig und erschütternd

und die Blumenhändlerin denkt,
sie müsse doch irgendetwas tun,
aber was?
undwas zuerst?
Man müsste ihnen doch helfen
diesem Mann, der stirbt
diesen Blumen, die fallen
und diesem Geld,
diesem Geld, das rollt und rollt
und damit nicht mehr aufzuhören scheint.

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