das war mir nicht klar…

ein aportroph′ales w‘erk sofa´sofiele son´derzeichen, dass ic´h gar nicht weiß, was ich weiß…

Danke für den Hinweis!

Das isses, oder? → ´

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text siehe bild

Nach einer knappen Woche den Widrigkeiten abgetrotzes Treffen des LAFTMV und der Freien Szene Saar, kann ich sagen: das war cool. Man hat mir eine Patin zugespielt, die wunderbar ernste facebook-Kommentare schreiben kann, die das übliche Blablatrallala weit hinter sich lassen. Und ansonsten war es schön, Ideen und Erfahrungen zu tauschen, auch wenn natürlich, wie so immer derzeit, vieles nur am Bildschirm stattfinden konnte. Sehr schön war allerdings der Spaziergang am Freitag, wo die beiden angereisten Gästinnen kleine Vorführungen erleben durften. Da durfte ich ja auch kurz mitspielen. Très chic war das. Jana heißt vorne Jana und hinten Sonnenberg. Das hab ich erst gemerkt, als alles schon vorbei war. Daher kommt die Zeichnung mit dem Sonnen- und dem Zuckerberg. Und von der Sonne, die, wie ich jetzt gelernt habe, hinter Mecklenburg-Vorpommern ihren Tageslauf beginnt, ja scheiße, wie sollte dieser Satz jetzt weitergehen und enden?? Das ist wie mit solchen Treffen. Der Anfang ist gemacht. Was draus wird, wird sich finden. Sellerie!

Freiheit, die ich meine

Fahrer des Wagens mit der Nummer NK – VR 555: ich finde das ja ein wenig lächerlich. Da fährst Du im 60er Bereich, von der Autobahn kommend, auf der linken Spur mit mindestens 90 an allen anderen vorbei, um dann 50 Meter vor dem Dir bekannten fest installierten Blitzer scharf runterzubremsen, mit 50 dran vorbeizufahren, um dann direkt wieder zu beschleunigen (ab dort ist offiziell weiterhin 50, von wegen innerorts und so), um dann an der Ampel am Kreisel unten etwas länger zu warten als alle bereits überholten. Was ich daran so lächerlich finde? Wenn Du schon denkst, Freiheit zeige sich dort, wo man sich nicht an Geschwindigkeitsbegrenzungen hält, dann solltest Du auch so konsequent sein und fröhlich lächelnd mit 90 am Blitzer vorbeirasen.  Freiheit bedeutet nix, wenn man sie nur dort auslebt, wo es nix kostet.  Und stell Dir mal vor, es gebe Ampeln für Spermien! Natürliche Schönheit kommt von innen! Hör zu: Vier ineinander verkringelte Kreise: dahinter sitzt nur selten ein kluger Kopf!

Norma

Heute auf Facebook wieder ein Post eines in Neunkirchen stadtbekannten Gastronomen mit durchaus gastronomischen Verdiensten. Seine gedanklichen Verdienste schätze ich aber nicht so hoch ein… Er hat seine Fangemeinde und die begreift sich, so wie er, als die standhaften und normal denkenden Menschen mit normalen Gedanken. Vor nichts habe ich mein ganzes Leben mehr Angst als vor den normal denkenden Menschen oder denen, die sich dafür halten, bzw. ihre Gedanken als Norm setzen. Eine Neunkircher Wahlhelferin bei der letzten Bundestagswahl hat mir mal erschüttert von den falsch oder merkwürdig ausgefüllten Wahlzetteln berichtet. Einer habe sogar Erststimme SPD und Zweitstimme AfD angekreuzt. Nun, ich hätte da durchaus jemand in Verdacht…

ein tag in freier denkbahn

1.5.21 info aus zweiter hand: jan böhmermann hat recherchiert oder recherchieren lassen: kinder bekommen wichtige medikamente nicht verschrieben, weil die ärzte lieber homöopathie verschreiben und dadurch ihr kontingent bereits ausgeschöpft usw. usf.: stimmt, genauso erlebe ich das auch immer, ich sitze beim arzt und will endlich mal wieder einen stärkere betablocker verschrieben haben, der schickt mich aber mit irgendsoeiner scheiß-homöopathie nachhause, an der er sich eine goldene nase verdient— häh?? leute, was ist los??? wo ist das problem??? das problem ist doch nicht, dass sich 75 Mio Deutsche mit billigster Homöopathie volldröhnen, sondern dass es kaum jemand gibt, der nicht Betablocker, Blutdruckmittel oder mindestens Makumar schluckt. Die Leute sterben im Alter an Medikamentenvergiftung. Das ist die Wahrheit. Ich gehe nicht oft zum Arzt, aber in 57 Jahren Lebensgeschichte hat mir noch nie, in Worten: noch NIE, ein Arzt ein homöopatisches Mittel angeboten, never, einen Blutdrucksenker aber fast immer. Und Betablocker hab ich mit 19 mal geschluckt. Tapfer, brav und unkritisch. Fast zwei Jahre lang, bis ich dann Zivi im Krakenhaus war und etwas kritischer.

ein tag in freier wildbahn

Michael Fetzer, Veronika Olma and me durften gestern die Schaufenster des Radiogeschäftes STEINER in Kaiserslautern bespielen. Ein Haus, seit Jahren leerstehend, kurz vorm Abriss, drinnen Schuttberge wie auf der Baustelle der Pyramiden. Ohne präzise Absprache ergeben die Fenster einen schönen bildnerischen Rhythmus, changieren zzwischen Wille und Unfall, zwischen sensibler Form und Dreck, zwischen hingerotzt und präzisem Denken. So wie ich das gerne mag. Das war fein und hat Spaß gemacht. Mein Fenster heißt: INFORMIEREN – DEFORMIEREN und zeigt einige Sätze aus der Reihe meiner tagessätze. Fast wie eine Wandzeitnung während der chinesischen Kulturrevolution. Ein kleines Glück zwischendurch. Und wäre bei wohlgegelten Kulturentscheidern kaum durchgegangen. Wie schön, dass man sowas trotzdem machen darf. Danke an das Team vom Theodor-Zink-Museum. 🙂

seit heute bin ich übrgens erstgeimpft, nur so by the way…

Pressemitteilung des Netzwerk Freie Szene e.V.

Stellungnahme zur Novellierung des Infektionsschutzgesetzes

Nach monatelangen Schließungen, in denen es keine substanziellen Perspektiven für die Künste gab, schreibt die Novellierung des Infektionsschutzgesetzes diesen Zustand für unbestimmte Zeit weiter fest. Trotz umfangreicher Hygienemaßnahmen, die unter großem Aufwand umgesetzt wurden und überdies ganz offensichtlich fruchten – dies wurde anhand verschiedener Modell- und Pilotprojekte wie beispielsweise in Berlin, in Tübingen oder auch im Saarland bewiesen, fehlt den Kunst- und Kulturschaffenden jegliche Perspektive und Planbarkeit. Daher ist die Novellierung des Infektionsschutzgesetzes aus kultureller Sicht eine Katastrophe. Nach wie vor wurde keine einzige Ansteckung in einem Theatersaal o.Ä. nachgewiesen.  Die Politik betont zwar immer wieder, wie wichtig die Kultur für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sei, doch ist dies nicht mehr als ein Lippenbekenntnis. Immerhin ist die Freiheit der Kunst im Grundgesetz, Artikel 5, Absatz 3, festgeschrieben. Doch während man aufgrund der Religionsfreiheit Sonderregelungen für diese erlässt, wird die Kultur – das macht das neue Infektionsschutzgesetz überdeutlich – unter fernerliefen gehandelt. Der lapidare Hinweis auf finanziellen Ausgleich für ausfallende Kulturveranstaltungen ist entlarvend: Keine Rede mehr von der gesamtgesellschaftlichen Bedeutung der Kultur, keine Rede von der Freiheit der Kunst, keine Rede von ihrer Rolle für unsere Gesellschaft, von ihrer Lebendigkeit, vom Erleben von Gemeinschaft trotz Distanz-Gebot, keine Rede von ihrer Rolle für die Demokratie.

Wir Kulturschaffenden sind weder Coronaleugner noch Querdenker. Dass Kultur und Infektionsschutz sich nicht widersprechen, das haben wir im letzten Jahr bewiesen.  Die Hygienekonzepte, die der Kulturbereich ausgearbeitet hat, sind sicherer als in jedem anderen Bereich des öffentlichen Lebens. Selbstverständlich wünschen auch wir uns, dass die Infektionszahlen zurückgehen, selbstverständlich solidarisieren wir uns mit besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen und selbstverständlich plädieren auch wir dafür, dass Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie einheitlich umgesetzt werden. Doch protestieren wir lautstark gegen undifferenzierte Maßnahmen, deren Wirkung höchst fragwürdig ist. Wir protestieren dagegen, dass Konsum und wirtschaftliche Interessen offensichtlich noch immer über die Interessen des Gemeinwohls gestellt werden. Wir protestieren dagegen, dass die Kultur auf Bundesebene immer noch gleichgesetzt wird mit bloßem Freizeitvergnügen, und nicht, wie es beispielsweise im Saarland der Fall ist, als außerschulische Bildungsstätte anerkannt wird. Und wir protestieren dagegen, dass die überaus erfolgreiche Umsetzung von Hygieneregeln einfach ignoriert wird.

Wir fordern, dass Kultur als das anerkannt wird, was es ist: Bildung – des Geistes, des Herzens, der Persönlichkeit, der Gesellschaft und ihres Zusammenhaltes.

Wir fordern die Ermöglichung von Kultur mit strengen Hygienevorschriften. Sollten die Inzidenzwerte in den nächsten Wochen und Monaten nicht signifikant sinken, so wird dieser Sommer ein verlorener Sommer – für die Kultur und die Menschen. Schließlich geht es hier um gesellschaftliche Teilhabe – insbesondere die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen und älteren Menschen.

Wir fordern die Möglichkeit von Modellprojekten und die konsequente wissenschaftliche Auswertung der bisherigen Projekte, um auf dieser Basis auch in naher Zukunft, in der das Coronavirus unser Leben nach wie vor bestimmen wird, Perspektiven zu schaffen.

Und vor allem fordern wir, dass die Politik von ihren Bekenntnissen zu Kunst und Kultur endlich zum Handeln übergeht. Sonst sehen wir schwarz für die kulturelle Zukunft dieses Landes.

memorys are made of these – aus der Reihe: was macht der nur den ganzen Tag?

zum Beispiel ein Memory-Spiel für die Freie Szene Saar. Als Beitrag für das Austauschprojekt mit Mecklenburg-Vorpommern. Was jetzt nur als Rumpf- und Netzprogramm stattfinden kann. Von jeder Teilnehmerin und jedem Teilnehmer gibt es vier Fotos: Hand  – Kopf – Ort und Tätigkeit. Meine wären dann z.B. folgende.

 

Und hier sind dann 20 sortierte Päckchen als Memory-Spiele. Uff.

ENTSAGUNG

Die Kurtbuch-Präsentation im Künstler*innenhaus Saarbrücken wird aus stadt- und weltbekannten Gründen bis auf irgendwann verschoben. Das Buch kann man trotzdem im Bücher*innenhandel bestellen. ISBN 978 3 75 264150 9. Man wendet dabei das bei Buchbestellungen übliche Verfahren an. Somewhere somehow. Don´t know.

SCHEINVERHÄLTNISSE

1 Krankenschwester = 0,62 Studienrat = 0,48 Kunstprof = 0,39 Landtagsabgeordneter = 0,29 Chef Landesverwaltungsbehörde = 0,24 OB = 0,16 Gre-Wenig = 0,0032 Zetsche = 0,00074 Ronaldo; Wert = teuer 165.000 Euro = nix; 2 Äpfel = 1 Birne ; 2 + 2 = Donnerstag; 1=1,95583;

Ein teures Bild ist ein teures Bild, weil es ein teures Bild ist. Eine Briefmarke kostet 80 Cent. Ein gutes Bild bekommt man bereits für 142 Mio US-Dollar.

Alle wollen nur Geld haben, dabei heisst es doch immer, man solle loslassen…

SCHEINVERHÄLTNISSE macht nun folgendes Experiment: Sie nehmen einen Geldschein Ihrer Wahl, falten ihn zu einer Ihnen interessant erscheinenden Form und tauschen ihn anschließend bei dem ausführenden Zeichner gegen einen vor Ihren Augen angefertigte Zeichnung desselben um. Papier gegen Papier. Maschinell bedruckt gegen liebevoll handgezeichnet. Die Zeichnung eines Zwanzigers für einen Zwanziger, ein Fünfer für die Zeichnung von einem Fünfer. Gestempelt, datiert, nummeriert und signiert. Sie schützen Ihr Geld vor kalter Progression und schaffen einen Mehrwert. Dauert nicht lange und tut kaum weh. Der gefaltete Geldschein wandert in den Besitz des Zeichners. Die Zeichnung geht über in den Besitz des Falters. Was sind die Dinge wert? Was ist uns Kunst und Kultur wert? Und ist Geld ein für alle Mal unser einziger Maßstab? Dies betrifft alle Tätigkeiten in einer Gesellschaft, deren Erbringung mit Geld entlohnt wird oder nicht. Ein Lob des Ehrenamtes? Klatschen für pflegeleichtes Personal?

Am 7. Mai sitzt unser Zeichner Klaus Harth für Sie bereit. Schalterstunden von 14 – 17 Uhr. Die eingenommenen Gelder fließen ungebremst in die Taschen des Netzwerks Freie Szene Saar.

Abendbilanz

Eben auf facebook eine Werbung für die Neue Zürcher Zeitung, die sich ja seit einiger Zeit auf dem deutschsprachigen Markt einen Parkplatz rechts von der FAZ und links vom Völkischen Beobacher zu suchen scheint. Die Französische Revolution erscheint auf einer Linie mit dem Fall der Mauer und dem Sturm aufs Capitol anfang des Jahres. Als sei das alles so in einer Tradition. Ob´s einer merkt ? Kotzeimer sei wachsam. Würg.

morgenbilanz

mir geht`s ja eh grad nicht so mit den nerven und den mitmenschen und alles: heute morgen flott durch die zeitung geblättert und 1 ganze komplette seite über joni majer und ihre erfolge. schnell weggeguckte und x-mal so ähnlich dagewesene schwarz-weiß-prilblumen-„kunst“ jetzt auch im neuen café des saarlandmuseums.  Und ich hatte mich schon gefreut, dass man da wieder hindarf. naja, ins café ja auch nicht. und gleichzeitig ne präsentation in der stadtgalerie. und das sieht alles so banal und einfach gestrickt aus. 1a kommunikationsdesign.  was da auch immer kommuniziert werden soll. könnte auch im möbelmarkt funktionieren. und alle jubeln und bewundern. in ZEIT und NEW YORKER und WASWEISSICHWO abgedruckt. Fuck off. Da gehörts vielleicht auch hin. gebrauchsware, kunstgewerbe, optische fahrstuhlmusik. wenn`s dann demnächst in den saarbrücker heften auftaucht, hab ich endlich mal einen grund, das abo zu kündigen.

zwischenstand

es geht wieder, bzw. ich fahre wieder. auf dem bösen fahrrad. das ja gar nicht böse war, sondern geistig, seelisch und moralisch meinem fahrfehler nicht folgen wollte. letzte woche am donnerstag 10 km. heut so ca 32 km. nach neunkirchen, am briefkasten vorbei, sonntagsleerung allerdings schon um 9 uhr morgens, alle, die am 1.3. von mir ein kärtchen bekommen, bekommen es erst am 2.3. …  dann am zoo vorbei, winterfloss-siedlung, wo zwischen den hässlichen hochhäusern schönere bäume stehen, als man vermuten könnte, dann über wemmetsweiler und die alte stillgelegte fahrstraße zwischen wiebelskirchen und wellesweiler, die wir zu meiner kindheit noch mit dem opel rekord caravan, den wir in unserem malerbetrieb immer hatten, entlangfahren mussten, um nach bexbach zu meinem onkel zu kommen. danach am eberstein vorbei, und auf der alten forsthausstraße entstand dann das foto oben. verwunschener wald meiner kinderheit. ich konnte als grundschüler einen kompletten (und richtigen) plan des waldes und seiner spazierwege aus dem kopf zu papier bringen. ich konnte auch europa aus dem kopf. die straße war früher auch mal für den autoverkehr frei.  zu meiner grundschulzeit richtige verkehrsstraße, später dann befahrbar, aber nur als zubringer  zu eberstein und sportplatz. ich hatte noch nicht meinen führerschein (aber schon fahrstunden), als ich mal den blauen opel kadett meiner tante von vor dem haus nebenan in die einfahrt neben dem haus einparken durfte, allerdings mit einem umweg von locker 5 km über die hauptstraße richtung neunkirchen, dann durch den wald und auf der anderen seite über die bexbacher straße wieder zurück. ein bespiel meiner kriminellen energie. das weiß sie bis heute nicht und liegt seit vorgestern wieder im krankenhaus. in den früher 80ern war alles anders. dann mit dem rad runtergerollt nach neunkirchen, am bahnhof vorbei, landsweiler, heiligenwald, wemmetsweiler, fertig. meine finger sind mit einem heilmittel bandagiert und das handgelenk verstärkt. und ich habe den eindruck, dass das der beweglichkeit der finger gut tut.

fuchs ohne bau

Ich hab ja so ne Theorie: Schlussendlich kann ich heute problemlos das Gegenteil von gestern behaupten mit fast denselben Argumenten. Ich denke, dass hier viele innerlich sofort widersprechen möchten. Aber je länger ich dieses Erdenrund beschreite, desto öfter komme ich immer wieder auf diesen Trichter.

Wie auch immer. Jetzt hat ein Film im Max Ophüls Preis einen, bzw. drei Preise bekommen: Jugendjury, beste Regie und den Drehbuchpreis. Puh.

Ich hatte den Film nicht auf dem Schirm. Klang mir im Programmheft ein wenig zu simpel, zu klassischer Konflikt, wenig interessant. Bei der Preisverleihung dann ein Lob über das andere: zeigt uns eine Welt, die wir sonst nicht sehen, schafft uns Räume, dort wo die Räume eng sind, vielschichtige Charaktere und und und. Da dachte ich: guck mal, ob man den noch gucken kann. Klingt ja spannend. Vielleicht hab ich da ja echt ne Perle übersehen. Ging noch.

Ich weiß nicht, welchen Film die da gelobt haben.

Ich habe einen Film gesehen, dem ich kaum etwas abnehme. Dessen Problem mir zu sein scheint, dass er sich selbst und seine Charaktere nicht wirklich ernst nehmen mag. Keiner der – eigentlich mehr oder minder nur angedeuteten – Konflikte wird wirklich thematisiert und ausgetragen. Das einzige, was ich diesem Film abnehme sind die Gefängnisgebäude im Wiener Jugenstrafvollzug. Wenn das dort so aussehen mag, dann mag das dort so aussehen. Wenn es aber auch wirklich eher nach Erwachsenenvollzug aussieht.

Aber dass da ein, wie sagt man da?, vorgesetzter Gefängiswärter-Abteilungsleiter-Hansel relativ willkürlich über Einzelhaft, Einweisung in die psychologische Abteilung oder nicht entscheiden darf, grad wie es ihm gefällt, ohne irgendjemanden fragen zu müssen, dass der Neulehrer die in Flammen stehende Einzelzelle des sichtbar psychisch angeknacksten Mädchens, das offensichtlich nicht in den Strafvollzug, sondern in psychiatrische Betreuung gehört, was aber niemanden zu interessieren scheint (den Neulehrer übrigens auch nicht), selbst aufschließt, während der Aufseher versucht, das zu verhindern (häh? es brennt! da ist ein Mensch drinnen. Wieso laufen da nicht die normalen Notfallmaßnahmen?). Und noch viel mehr.

Ich sehe hier keine vielschichtigen Charaktere, sondern eigentlich recht lieblos und einfach gezeichnete Gestalten. Die bisherige Lehrerin, Modell: die Unkonventionelle, die abseits von Lehrplänen „ihr Ding“ macht, Maltherapien, die im Film darin bestehen, dass alle etwas malen oder basteln, ist ja ok, nennen wir es aber mal nicht Maltherapie bitte. Warum sie das macht? Ihre Ideen und Hintergründe? Bitteschön: Denk dir doch selber was aus. Der Neulehrer, der sich auf diese Stelle beworben hat, weil er eigentlich Musiker ist, aber über den Tod seines kleinen Sohnes nicht hinwegkommt, den er abends auf dem Weg zu einem Auftritt mit seiner Band alleine gelassen hat. Wie der Sohn stirbt, warum, wo der Fehler des Vaters lag, wieso so ein dahergelaufener Musiker eigentlich dafür geeignet ist, diese Stelle überhaupt annehmen zu dürfen: für den Film völlig uninteressant.

Es fällt ein Satz, der mir für den Film typisch scheint: Der Neulehrer sitzt zum erstenmal alleine vor der Klasse (weil die Altlehrerin zusammengebrochen ist) und sagt zu der Klasse: „Ihr dürft mich alles fragen!“ Einer der Schüler fragt ihn, weswegen er sich gerade auf diese Stelle beworben habe, wieso er gerade hier im Jungendstrafvollzug arbeiten wolle. Die Antwort, nach einem kurzen nachdenklichen Moment: „Das geht Euch nichts an.“ Fertig.

Und so tickt der ganze Film. Wir setzten mal ein paar angedeutete Konflikte in die Welt und das reicht dann schon. Braucht nicht weiter ausgearbeitet zu werden. Andeutung reicht. Pittoreske Momente, wenn die Altlehrerin zusammen mit dem Junglehrer in ihrer Wohnung eine komplette Tür mit Zarge und Mauerwerk rausklopft, auf dem Dach des Autos zur Gefängnisschule bringt und die Schüler durchschreiten lässt, als könne sie dies die Idee von einem Schritt in die Freiheit spüren lassen – nungut: Für die Altlehrerin gibt es ein wirkliches Vorbild. Einen Lehrer, den es gab und der tatsächlich die Schüler unkonventionell zu sich selbst geführt hat. Oder haben mag. Wissen wir ja nicht. Und der das mit der Tür tatsächlich so gemacht hat. Der Filmemacher wollte erklärterweise diesem Lehrer ein filmisches Denkmal setzen.

Der Film nimmt sich selbst nicht ernst. Und noch schlimmer: Er nimmt den Zuschauer nicht ernst.

Ich spüre nix von der Beklemmung hinter Gittern. Ich sehe Klischees von Gefängnis. Ich sehe Klischees von Unkonventionalität. Und ich sehe Hanseln von Gefängniswärtern.

Halt. Eine glaubwürdige Szene gab es dann doch noch. Die Mutter des Mädchens, das seinen Vater ins Koma geschlagen hat und die ganze Zeit über nur schweigt und unzugänglich ist, kommt – wie es scheint – zum erstenmal auf Besuch, um mitzuteilen, dass der Vater an seinen Verletzungen gestorben ist. Zum erstenmal sieht man Trauer im Gesicht des Mädchens, einen zaghaften, zarten und ernsten Entschuldigungs- und Sprechversuch. Die Mutter sagt: Du kannst ja nichts dafür, das sind die Teufel in Dir. Was das Mädchen zum kompletten psychischen Zusammenbruch bringt. Dieser Ausbruch war das einzig Berührende im ganzen Film.

Worauf aber wiederum niemand der Gefängnisleitung adäquat reagiert.

Zu viele Ungereimtheiten. Zu viele Unwahrscheinlichkeiten.

Und einen klischeevollen Schluss: Der Neulehrer findet endlich „zu seinem Stil“, wie man so schön sagt, indem er des nachts am Schlagzeug zuhause die Trauer über den Tod seines Sohns wegtrommelt (und man könnte jetzt zynisch einwerfen: warum hat er das nicht einfach schon früher mal gemacht? Der Film setzt keinen Grund, warum das gerade jetzt passieren soll. Und dass es nachts passiert und alle Nachbarn das Licht anknipsen, gehört nun wirklich zu den ganz alten Tricks aus der filmischen Klammottenkiste), um dann am nächsten Tag mit der Klasse ein gemeinsames Trommeln abzuhalten, was natürlich alle ganz geil finden, geiler als Malen vielleicht sogar. (geht ja auch eh nicht mehr, weil der Aufseherhansel nach dem Selbstmordversuch des Mädchens zur Bestrafung der Lehrer die Farben weggesperrt hat). Die Altlehrerin fährt derweil mit ihrem Motorrad (sic) (bisher ist sie immer schön brav Lehrerinnenvolvo gefahren) ans Meer und guckt in die Freiheit. Aua. Filmklammottenkiste mindestens Nummer zwei.

Bei der Preisverleihung sah man diesen wirklichen Lehrer im Hintergrund sitzen. Er saß immer nur im Hintergrund mit seinen langen weißen Haaren und hat eine Zigarette nach der anderen gequalmt. Er sah wirklich so aus, als hätte er was zu sagen. Zumindest gehabt. Der Film hatte dies nicht.

Ist natürlich auch blöd, dass ich zuhause grade einen Film gesehen hatte, der sich, seine Protagonisten und auch den Zuschauer ernst nimmt. Der wirklich in präzisen Bildern ein Drama erzählt, das sich nicht löst und zuspitzt und kaum auszuhalten ist. Mit präzisen Bildern und Details arbeitet. Und ein wirklich einprägsames und geniales Schlussbild findet. Kein Ausweg. Nirgends. Das kann Film tatsächlich nämlich auch: LOVELESS von Andrei Swjaginzew.

Den Drehbuchpreis für FUCHS IM BAU verstehe ich dagegen null.

Ophüls Nachklapp

Zuerst zum Guten.

In diesem Jahr gab es das Filmfestival Max Ophüls Preis coronabedingt nur Online. Da ich sowieso mit meiner fahrradgeschädigten Hand in der Ecke hänge, haben wir das mal genutzt, wobei man sagen muss: soviele Filme hätte man in einer Woche im Kino aus rein physikalischen Gründen kaum geschafft.

Ein seit Jahren gehegter Plan konnte umgesetzt werden: einmal den kompletten Dokumentarfilmwettbewerb zu sehen! Und wenn man sie alle gesehen hat, dann stellt sich umso mehr die Frage: Ergibt sich durch einen Wettbewerb mit Preisträgerin und Sockelstellen etc. überhaupt irgendein nahrhafter Mehrwert. Wie sollen solch unterschiedliche Filme bewertet werden? Nach welchen Kriterien? Gesellschaftliche Brisanz des Themas? Zärtlichkeit der Beobachtung? Umsetzung des Themas?

Von den zehn im Wettbewerb stehenden Filmen fällt für unseren Geschmack („uns“ ist hier kein Pluralis majestatis, sondern der zwischen den beiden in diesem Haushalt lebenden Personen besprochene Eindruck) am wenigsten gelungene Film war DAVOS. Anlässlich des Weltwirtschaftsforums werden Forumsteilnehmerinnen ins Visier genommen, genauso aber auch mehr oder weniger normale Bürgerinnen und Bürger des Ortes. Der portugiesische Fischerclub genauso wie eine Bäuerin, die am Schluss ihren Hof aufgeben muss. Alles gut und schön. Und wenig berührend. Warum? Wahrscheinlich deswegen, weil sich die Autorinnen* des Films zu wenig Gedanken um die Form des Films gemacht haben. Das einfach nur abzufilmen und hintereinander zu montieren, in der Hoffnung, dass das Thema allein schon trägt: ca ne suffit pas.

I AM THE TIGRESS, ein Film über eine amerikanische Bodybuilderin brachte einen natürlich auch in eine Welt, die einem hochgradig merkwürdig und befremdlich vorkam. Insofern durchaus ok, für uns vom Thema jetzt aber nicht so aufwühlend. Wenngleich es natürlich eine Voraussetzung für einen guten Film (nicht nur Doku) sein sollte, dich für sein Thema zu interessieren und dich hineinzuziehen.

Nicht nur im Gespräch mit den Autorinnen von WIR ALLE. DAS DORF (hier aber besonders) wurde klar, was dem Film DAVOS gefehlt hat. Antonia Traulsen und Claire Roggan erzählen hier, wie sehr sie mit dem Material gerungen haben, wie viele Gedanken sie sich darüber gemacht haben, was über die im Film vorkommenden Menschen erzählt werden soll und kann und vor allem wie! Und das führt dann zu einem Film, bei dem man gespannt verfolgt, wie eine Gruppe von Menschen im Wendtland versucht, gemeinsam nicht nur eine Wohn-, sondern auch eine gesellschaftliche Utopie (im kleinen Maßstab) für sich umzusetzen.

WEM GEHÖRT MEIN DORF. VÄTER UNSER. THE CASE YOU. NICHTS NEUES. MEIN VIETNAM. Und auch STOLLEN, der den Preis dann tatsächlich bekommen hat: alles Filme, die einen Preis verdient gehabt hätten. Insbesondere auch DEAR FUTURE CHILDREN des 20jährigen Franz Böhm, der die Tätigkeit von drei politischen Aktivistinnen in Chile, Uganda und Hongkong schildert. Alleine, was da auf die Beine gestellt wurde, um die Protagonistinnen zu schützen und nicht zusätzlich zu gefährden, die Gefährdungen, denen sich das Team selbst ausgesetzt hat. Irre.

STOLLEN war der, wenn man so will, unpolitischste Film, wenn man bei der Schilderung des Lebens von Menschen im Erzgebirge nicht vergessen müsste, dass hier während der DDR-Zeit Uran abgebaut wurde mit all den gesundheitlichen Konsequenzen, die das bis auf den heutigen Tag für die Menschen hier hat. Das ist aber nur beiläufiges Thema. Wie es auch von den Menschen nur beiläufig erwähnt wird. Und wahrscheinlich macht das die Qualität des Films aus: zuzuhören und wohlwollend zu schildern. Allem zu Trotz.

VÄTER UNSER. Auch dieser Film zog einen in den Bann: Eine Auswahl von Menschen erzählen von ihren Vätern. Jede ungefähr eine Stunde lang im Original-Interview. Klug geschnitten und montiert. Zu keiner Sekunde langweilig. Und sofort im Bann des Geschehens.

Und und und.

Was wäre noch positiv herauszuheben?

Aus dem Wettbewerb mittellanger Film, der im Normalfestival auch komplett immer an uns vorbeiläuft, ganz vor allem: ICH GEH NIRGENDWOHIN von Bidzina Gogiberidze. Konflikt Georgien-Russland. Sehr starke und präzise Bilder. Sehr ruhig erzählt. Sehr eindrücklich. Da waren wir sehr froh, dass wir den gesehen haben. Und da werden wohl auch ein paar Bilder hängen bleiben.

Und auch eine Erkenntnis aus dem Streaming für`s nächste richtige Festival (falls es jemals wieder eines geben sollte): Kommt auch in jedem Jahr im Beiprogramm und nie haben wir geguckt: Die KURZFILM.TOUR mit den prämierten Kurzfilmen des DEUTSCHEN KURZFILMPREISES.

Yeah! Die Entdeckungen des Festivals. Ohne Frage!

Der Trickfilm JUST A GUY von Shoko Hara. 500mal ansehen! Und jedesmal nochmals ein Detail entecken, das da reingetrickst ist. Flache Knetfiguren, aber auch teilweise hinterlegt mit Filmmaterial, überkritzelt, was auch immer. Super einfallsreich und detailverliebt. Bei einem nicht so netten Thema: Warum suchen immer wieder Frauen den Kontakt zu verurteilten Mördern und Vergewaltigern in ihren Gefängniszellen? Schreiben Briefe, besuchen sie oder heiraten sie sogar? Schwieriges Thema, dem der Film aber durchaus in aller Kürze gerecht wird. Ansehen!!!

LAND OF GLORY von Borbála Nagy. So locker und leicht kann man einen politischen Film machen. Der Besuch des Staatspräsidenten (wir sind in Ungarn) ist für den Nachmittag in einer Schule angekündigt. Eine Torte in der Form des Landes wird bestellt und angeliefert. Und allein schon die Schildwerung der Dekoration der Torte (ah, der Plattensee ist zu kleine – aber so ist er im Atlas -nein das wirkt zu klein, mach ihn etwas größer – so sieht es nach was aus) beeinhaltet schon eine Menge an Beschreibung dessen, wie in diesem Land mit Identität, Wirklichkeit und Wunschdenken umgegangen wird. Und das steigert sich in diesem Film (man beachte, in welchem Zustand sich diese Schule befindet, die Stühle, der Sportplatz, alles, man glaubt das alles sofort) bis zur schönen Pointe und der lustvollen Zerstörung des Landes. „Was für eine Sauerei“ sagt die Putzfrau am Ende. Yepp.

Muss man zu MASEL TOV COCKTAIL noch was sagen? Der Film hat letztes Jahr beim Ophüls gepunktet und dann wurde er immer bekannter. Wir hatten ihn allerdings noch nicht gesehen. Auch ihn zweimal hintereinander angeschaut (auch ein Vorteil des Streamings). Genial. Fertig. Selber gucken!

So. Das waren – so kurz – die Hochlichter.

Alsdann folgt eine Kritik der Kritik (als Extra-Blog-Eintrag) eines Filmes, der einen Preis bekommen hat und derzeit von vielen Menschen gelobhudelt wird. Sogar von der Drehbuch-Jury den Preis bekommen hat. Ich kann es nicht nachvollziehen. Habe ich einen völlig anderen Film gesehen? Oder habe ich kurz vorher einen zu guten anderen Film gesehen??

 

*ich mache hier mal ein zu dem Gendersternchen unterschiedlichen Versuch: handelt es sich um einen Mann und eine Frau (wie bei DAVOS der Fall), dann gebrauche ich die weibliche Form, bei einem rein weiblichen Autorinnenteam ebenso, bei einem rein männlichen Team die männliche Form. Also umgekehrt, als bisher sprachlich üblich. Gefällt mir besser als *).

ANGEBOT

jetzt ist es endlich da! Hai Q = Zeichnungen und ein paar Wörter aus dem Jahr 2020. Enthält auch Aquarelle aus gegend(nk)! Für 10,- € im Buchhandel unter ISBN 9783752689259. Oder bei mir, solange meine Exemplare reichen. e-Mail an mich (klaus_harth@web.de) genügt , alles weitere dann.

Wer noch einen 10er drauflegt, bekommt auch noch ZUM TEE BEI DUBUFFET – eine Collaboration mit Brandstifter. Gemeinsame Zeichnungen plus CD mit dem Mitschnitt unserer Performance von 2018 bei PAFF THE MAGIC. Lang Tsu!