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Ein Kriterium, wenn ich mir nach einem Kinobesuch nicht ganz sicher war, was ich von dem Film zu halten hatte, war immer: tat es mir leid um’s Geld, das ich an der Kasse hinterlegt hatte. Hatte es mich geärgert, dafür Geld auszugeben? Die war in diesem Jahr einmal der Fall, bei einer Regisseurin, deren Filme ich ansonsten mochte: THE BLING RING von Sophia Coppola fand ich ausgesprochen langatmig und fad. Das, was der Film zeigen wollte, das fade und an äußerem Schein orientierte Leben der jungen Menschen, war dann relativ schnell kapiert und wurde in immer wieder vergleichbaren Bildern wiederholt. Die fehlende Tiefe der Protagonisten wurde in der fehlenden Tiefe des Films formal gut übertragen. Dies hätte man sagen können, wenn man dem Film formale Absicht unterstellen wollte.
Ein zweiter Film, von der ein oder anderen Zeitungskritik gut besprochen, war Prince Avalanche. Auch dies ein höchst überflüssiger Film. Eine, wie es die Amerikaner gerne mögen, einfache Grundkonstellation, die man schnell kapiert hatte und die einem dann doch bei der Klärung der Grundfragen des Daseins wenig weiterhilft. Recht einfach gestricktes Unterhaltingskino, das aber so tut, als hätte es doch einen etwas höheren Anspruch. Nicht ganz rausgeworfenes Geld, weil man ja ab und zu einen schlechten Film sehen muss, damit man auch für die eigene Kunst lernen kann, was man alles falsch machen kann.

Natürlich gibt es dann die weiteren Kategorien: Der Film war das Eintrittsgeld absolut wert. Oder: Das hat wirklich Spaß gemacht. Oder: Würde ich mir jederzeit wieder ansehen.
Und seit gestern: Müsste man sich im Anschluß eigentlich sofort wieder ansehen!
(Ich hatte das Anfang der 90er mal ein einziges Mal bei einer Ausstellung, der Arnulf-Rainer-Präsentation im Saarland-Museum, die damals derart einen Nerv bei mir getroffen hatte, dass ich an zwei Tagen hintereinander in der Ausstellung war, um zu kapieren, warum diese Bilder bei mir was angestellt hatten. Ich muss dazu sagen, dass folgende Arnulf-Rainer-Ausstellungen nie wieder eine solche Erschütterung bei mir ausgelöst haben, es kommt da wohl sehr auch auf Auswahl und persönliche Tagesverfassung an…)

Gestern jetzt endlich in dem vielgelobten Film „La grande bellezza“. Und der steckt so voll von Bildideen, Umsetzungen, Einfällen, dass man das gar nicht alles fassen kann und neidisch wird auf die Filmer, Film ist die wirkliche Kunst des 20. Jahrhunderts (ich weiß, ich weiß, wir sind bereits im 21. angekommen), wie das Catherine David bereits anlässlich ihrer Dokumenta X formuliert hat. Allein die Anfangssequenz wäre die Eintrittskarte wert gewesen, das ist alles mit einmal Sehen, mit zweimal Sehen wahrscheinlich auch nicht zu fassen.
Aromen von Fellini, von Letztes Jahr in Marienbad, die ein oder andere Szene könnte auch aus einem Tarkovski-Film stammen, und überhaupt erinnert das an vieles und baut sich doch eine eigene Welt.

Das Jahr begann am 1.1. mit „Himmel über Berlin“ in der Kinowerkstatt St. Ingbert, die man immer nur wärmstens empfehlen kann (nirgends kann man im Saarland so günstig gute Filme gucken und nirgends wird das Programm liebevoller und beweglicher gestaltet) und auch die Fortsetzung „In weiter Ferne so nah“ konnte man sich dort im Laufe des Jahres aus Anlass der Tode von Otto Sander und Lou Reed anschauen. Dazu ein Cassavetes-Wochenende und jetzt weiß ich nicht mehr, war die Bigelow-Werkschau dieses oder bereits letztes Jahr?

Wenn „La grande bellezza“ dort läuft, werdet ihr mich dort finden!

Ein Film, der mich ein wenig mit diesem Jahr dann doch noch ein wenig versöhnt. Nicht nur, was das Kino betrifft.

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