2. Zeichnung DER RADIOZEICHNER

Hier gefällt mir schon ausgesprochen gut der Titel, wie so oft bei dieser Künstlerin: „Die wohltuenden Geräusche des Staubsaugers“. Eine Österreicherin. Und wie so oft: in Österreich ist man etwas direkter und direkter drauf. Was sieht man auf dieser Zeichnung? Sieht man auf dieser Zeichnung einen Staubsauger? Hat man den Titel noch nicht gelesen (und das ist ja wohl in den meisten Fällen so: man sieht erst einmal das Blatt, es zieht einen aus irgendwelchen, noch näher zu klärenden Gründen an oder auch nicht und dann erst schaut man nach, von wem ist das denn und was trägt das Kind für einen Namen), dann sieht man leicht schwingende klare Linien, die sich, sofern man will, zu einer Form verdichten, die sich vielleicht zuerst als eine Art „Figur mit Hut und gehobenen Ärmchen“ aufdrängen, wenn man denn überhaupt etwas darin erkennen will. Aber ja: man will unbedingt etwas darin erkennen. Die Linien sind nicht so gesetzt, dass man sich mit einer Wahrnehmung: „aaah, interessante Linien!“ zufrieden gibt. Die Linien sind interessant. Sie bilden eine interessante Figur. „Figur mit Hut und gehobenen Ärmchen“ dann aber doch nicht. Mal geschwind auf den Titel geschaut, vielleicht hilft das ja weiter: „Die wohltuenden Geräusche des Staubsaugers“. Hhmm. Einen Staubsauger kann man aber noch weniger darin erkennen als eine Figur mit Hut (und gehobenen Ärmchen). Aber diese leicht schwingenden Linien sind vielleicht mit den Geräuschen eines Staubsaugers in Verbindung zu bringen? Sind sie vielleicht sogar, aber so leise und gleichmäßig habe ich meinen eigenen Staubsauger höchst selten wahrgenommen. Der ist meist lauter und unangenehmer. Exakt: Es heißt ja auch: die WOHLTUENDEN Geräusche des Staubsaugers. Diese Zeichnung lebt also vom grafischen Reiz der ins Blatt gesetzten Form (einige sehr einfache ineinander verschachtelte Grundformen, einfache klare Linien, einige davon gekräuselt, als wolle man auf kindliche Art klitzekleinste Wellen zeichnen – interessanterweise bringt man genau dieses „Kräuseln“ mit dem „Geräusch“ aus dem Titel in Verbindung – ein Geräusch scheint ein schwingendes, kein geradLINIGES (sic!) Ding zu sein) , dem Verhältnis dieser grafischen Reize zu dem, was ich darin erkennen will und dem, was der Titel vorgibt, was es sein soll. Nichts geht 1:1 auf und genau dies erzeugt die Freude beim Betrachten dieses Blattes. „Es ist schon erstaunlich, mit wieviel Aufwand sie wie wenig erreichen!“ ist so ziemlich die härteste Kritik für einen Künstler, die man sich vorstellen kann. Der Autorin unseres Blattes gelingt das Gegenteil: sehr wenig Aufwand, sehr viel erreicht. Was gibt es Schöneres? Hier noch ein akustisches Adäquat:

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