Archive for Januar, 2019

Donnerstag

Donnerstag, Januar 17th, 2019

Dokumentarfilm-Wettbewerb: HELMUT BERGER, MEINE MUTTER UND ICH von Valesca Peters. Dieser Film wird den Weg ins „richtige“ Kino schaffen. Und man kann nur sagen: Ansehen! 82 Minuten eines höchst feinfühlig beobachteten Portraits, das uns den 73 jährigen Helmut Berger sehr nahe bringt und menschlich greifbar macht. – Die Mutter der Regisseurin sieht Helmut Berger auf einem youtube-Video und ist so entsetzt, dass sie ihn kurzerhand zu sich nachhause auf`s Land einlädt. „Da muss man doch etwas tun. Da hat man doch eine Verpflichtung.“ Helmut Berger kommt und es entsteht tatsächlich so etwas wie eine Freundschaft. Man kann Dinge verändern, wenn man die Dinge verändern will. Und auch die Familie der Regisseurin ist dadurch auf andere Art wieder zusammengewachsen. Sehr sehr sehenswert.

 

Spielfilm-Wettbewerb: DAS LETZTE LAND.

Ein Science-Fiction-Film von Marcel Barion. Fast 2 Stunden, die man kaum bemerkt. Und hier ist, anders als gestern in ENDZEIT, das Genre klug und phantasievoll genutzt, um grundsätzliche Fragen menschlichen Wollens und Daseins zu verhandeln. Davon abgesehen, dass die Science-Fiction-typischen Sequenzen ausnahmslos ausgesprochen einfallsreich und phantasievoll umgesetzt wurden. Erfrischend klischeefern. Das fängt schon mit dem heruntergekommenen Zustand des Raumfahrzeugs an. Adem, eine der Hauptpersonen geht dann auch erstmals mit einem übergroßen Schraubenschlüssel vor, um das Schott zum Leitstand des Schiffes zu öffnen. Und auch so ein beiläufiger Satz, als Adem vermutet, das gefundene Raumfahrzeug müsse wohl ursprünglich von der Erde kommen, und sein Begleiter Novak nur meint: Die Erde sei doch etwas, was man Kindern erzählt, ein Satz, der so beiläufig eine ganze Menge an Hintergrundgeschichte verankert, ohne dies weiter ausführen zu müssen, spricht für den gedanklichen Hintergrund des Filmes. Wer bin ich, wo komme ich her und wohin soll ich? Um solche Dinge geht es hier, und das auf nicht unkluge Art und Weise.

 

Spielfilm-Wettbewerb: LYSIS.

Der Unfalltod der Mutter, den wir nicht sehen, führt dazu, dass der Vater, der seine Familie verlassen hat, als der Sohn sechs Jahre alt war, jetzt, zehn Jahre später, seinen Sohn auf eine Art Rafting-Tour in den Alpen einlädt, um wieder Kontakt zu ihm aufzubauen. Und vielleicht auch das ein oder andere wiedergutzumachen, bzw. richtig zu stellen. Der Sohn hat keinen Bock darauf, verweigert sich und stößt das Boot mitsamt der Ausrüstung den Fluss hinunter, so dass Vater und Sohn allein auf sich gestellt, ohne Proviant und Schlafsack etc. ihre Rettung aus der Wildnis versuchen müssen. Das führt natürlich zu einer Näherung zwischen den beiden, wer hätte es auch nicht vermutet? Am Ende stürzt der Sohn durch eine Unaufmerksamkeit in die Tiefe, gerade als er einem Haus, also ihrer voraussichtlichen Rettung gewahr wurde. Ob er dabei umgekommen ist oder nicht, lässt der Film offen. Kein schlechtes Thema, kein uninteressantes Experiment, vor allem bildnerisch, da fast der gesamte Film mit den Helm- und Outdoor-Kameras der Hauptdarsteller fotografiert ist. Das führt zu oft ungewohnten Kameraperspektiven. Nicht aber unbedingt zu ungewohnten Sehweisen. Aber: Wird von diesem Film etwas bleiben? Wird man sich später nochmal an Bilder erinnern, die sich eingeprägt haben? Warum hat man das Gefühl, da fehle dann doch irgendwas? Es fehlt an Dramatik. Im Frage- und Antwortspiel im Anschluss an die Vorführung sagt einer aus dem Team einen rechten Platitüdensatz bzgl. der Kameras: Wir wollten den Zuschauer mittendrin statt nur dabei. Dummerweise gelingt dem Film das aber nicht. Denn die Kamera ist nicht alles. Man stelle sich vor: die beiden haben Boot und Proviant verloren, stehen mitten im Gebirge und haben keine Ahnung wie weiter. Wieso spürt man das nicht? Keiner schreit, keiner wird vor Angst hysterisch. Wieso bleibe ich als Zuschauer genauso relaxed und cool wie die Figuren im Film? Weil alle so spielen, als ginge es um nichts. Hat man mal einen Tag lang Durst und findet kein Wasser und rennt dann der Vater alleine los, um Wasser zu finden, findet aber keins, dann ist man bei seiner Rückkehr halt einfach nicht mehr so durstig. Fertig. Der Junge kotzt ein bisschen und wird an den Beeren nicht sterben. Ich habe als Zuschauer kein einziges Mal einen Impuls entweder rauszurennen, weil ich die Situation nicht mehr ertrage, oder auf die Leinwand zu springen, um den beiden helfen zu können. Die beiden schweben in Lebensgefahr und man spürt es nicht. Da hilft auch keine Kopfkamera. (Das klingt jetzt alles schlimmer als es soll: Wir haben hier keinen schlechten Film. Aber auch keinen, der einen wirklich begeistert).

fülmkrütück

Mittwoch, Januar 16th, 2019

Schreibst du in der Not, dann hast du in der Zeit. Oder umgekehrt? Wenn ich mir hier die 2014 immer wieder nach langen Kino-Tagen abgerungenen Kleinkritiken anschaue, dann lohnt es sich vielleicht auch in diesem Jahr, bei einigen Filmen weniger, doch das ein oder andere Wort zu verlieren, um in ein paar Jahren rückblickend wieder das ein oder andere erinnern zu können.

Beginnen wir mit heute, dem zweiten Tag. Und der Enttäuschung des Tages.

Man braucht hier wahrscheinlich kaum viele Worte zu verlieren. Warum misslingt ein Film? Trotz ZDF und arte und nochundnöcher Geld. Weil die Redakteure, beim Frage und Antwort-Spiel nach dem Film selbstzufrieden ins Publikum grinsend, und alle anderen sich ihrer Sache vielleicht zu sicher waren. So sicher, dass das Ach-so-tolle-Buch dann doch nicht richtig funktionierte?? Dass sie vor aller Selbstbegeisterung gar nicht gemerkt haben, dass Zuviel auch Zuviel sein kann? Und der Plot doch seine Argen Lücken und Platitüden hat?

Die Rede ist von ENDZEIT. Basierend auf einer Graphic Novel, wie das heute so schön heißt, um dem einen etwas wertvolleren Anstrich zu geben. Die Menschheit wurde von einer merkwürdigen Seuche dahingerafft, nur in Weimar und Jena haben die Menschen überlebt. Man schützt sich mit Zäunen vor zombieartigen Gestalten, die draußen in der Freien Wildbahn lungern. Ihr Biss führt zwangsläufig dazu, dass die Viren auch auf das eigene Hirn übergreifen und man wohl auch zum Zombie wird. Soweit, so ding. Zwei Mädchen aus Weimar, wie immer wieder in der Filmbeschreibungen betont wird: unterschiedlchen Charakters, versuchen aus unterschiedlichen Gründen nach Jena zu kommen. Der fahrerlose Schienenbus, der zwischen beiden Städten verkehrt und Waren transportiert, und den sie illegal benützen, bleibt aus unerwähnten Gründen auf offener Strecke stehen und die beiden müssen sich durch die Wildnis nach Jena durchschlagen. Von Anfang an geizt der Film nicht mit Schockelementen, setzt dabei aber auf Abgegriffenes und Altgewohntes. Zuviel ist zuviel. Irgendwann ist man es satt, die Zombies sind scheiße geschminkt und wirken eigentlich nicht wirklich wie ernstzunehmende Gefahren. Man erschrickt mal kurz, wenn einer jungen, vom Zombie gebissenen Frau der Arm abgehackt und sie daraufhin auf Anweisung einer leitenden Person doch noch erschossen wird: Regel ist Regel und Arm ab genügt in diesem Falle nicht. Völlig abstrus wird die Story, als die beiden Mädels im Wald einer sogenannten „Gärtnerin“ begegnen, die ziemliche Platitüden von sich gibt. Eva liegt da, schon halb begraben (warum?), jetzt bekommt sie eine Tomate und darf weiterleben. Später werden die Mädchen auf einer Brücke von aberhunderten Zombies verfolgt, Eva opfert sich (warum bleibt unklar, sie hätte sich genauso retten können, wie das dann die andere der beiden kann), um dann am Ende des Films wiederauferstanden und zu einem merkwürdigen Pflanzen-Mensch-Wesen verwandelt wieder aufzutauchen. Auch die Gärtnerin war schon ein solches Pflanzen-Menschen-Wesen. Watt will der Film? Gruselfilm sein, wie nachher im Frage-Antwort-Spiel behauptet wird? Warum dann so ein ernstes Thema? Und wenn so ein ernstes Thema, wieso nimmt man es dann nicht ernst? Und wenn Gruselfilm, warum dann nicht mit Phantasie und Einfallsreichtum statt mit solch platt-überholten Mitteln? (Plötzliche Laute Geräusche, dramatische Musik, blöd grunzenden Zombies)? Blair Witch Project gab`s ja auch mal, und den fand,  zumindest ich, dann extrem gruselig.  Man fragt sich ernsthaft, warum ein solcher Film, perfekt produziert, mit Verleih versehen, mit arte-Sendetermin in Aussicht, auf dem Ophüls-Festival laufen muss, bzw. laufen darf. Weil ZDF und arte mit im Ophüls-Sponsoring drinhängen?? Soviel Aufwand und man fühlt sich noch nicht mal gut unterhalten, eher für nicht ganz voll und ernst genommen. Einige im Publikum schon, wie es schien…

 

Der Knaller des Tages aber, ein Film, den man am liebsten direkt noch einmal und noch einmal sehen möchte. Mit so wenig Geld gedreht, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler ohne Gage gearbeitet haben. Intelligent in den Dialogen, witzig und geistreich inszeniert, experimentell in der Form, die Musik als weiterer Darsteller eingesetzt, zu keiner Sekunde langweilig, erhellend, überfordernd, zum Lachen bringend. Wie kann man politisch-gesellschaftskritische Themen, die einem unter den Nägeln bringen, auf nutzbringende und unterhaltsame Art auf die Leinwand bringen?: Die Antwort zeigt DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN. Man kann diesen Film nicht oft genug erwähnen, nicht genügend loben, nicht oft genug sehen. Susanne Heinrich! Susanne Heinrich! Susanne Heinrich! Als Schriftstellerin saß sie schonmal vor der Jury in Klagenfurt und begann sich, wie sie selbst sagt, spät in ihrem Leben, zu politisieren und mit entsprechenden Theorien auseinanderzusetzen. Feministische Kapitalismuskritik und und und. Und trotzdem wird daraus keine trockene Theorie-Illustration, sondern ein Film, der nachwirken wird. Und es wäre ihm zu wünschen, dass er nicht nur in diesem Wettbewerb einen Preis bekäme. Das hier ist Formfindung auf höchstem Niveau. Und ein Gegenbeweis zur These, man könne keine gute Kunst machen, wenn man dies aus einem politischen Anliegen heraus tue. Hier funktioniert das super. Ich werde auf jeder meiner Stimmkarten den Namen des abzustimmenden Filmes durchstreichen, durch DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN ersetzen und fünf Herzen ankreuzen. Jawoll. DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN. DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN. DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN. DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN. DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN. Chapeau!

2 gegenden (bgb)

Montag, Januar 14th, 2019

 

imagination

Montag, Januar 14th, 2019

im Lebensmittelgeschäft: Du kommst rein und alle tragen Kittel mit der Aufschrift: „Wir hassen Lebensmittel!“

bgb

Sonntag, Januar 13th, 2019

2 erklärblätter aus dem kurs von gestern

Sonntag, Januar 13th, 2019

 

zwei zu bgb

Samstag, Januar 12th, 2019

 

2

Dienstag, Januar 8th, 2019

Dienstag, Januar 8th, 2019

bgb

Dienstag, Januar 8th, 2019

wysiwyg

Donnerstag, Januar 3rd, 2019

logo-entwürfe für den bgb

Donnerstag, Januar 3rd, 2019

gegend (zweigstelle des bgb)

Donnerstag, Januar 3rd, 2019

1.1.2019: was für ein Glück! : ein erster Blick aus dem Fenster zeigt: die Welt, wie wir sie bisher kannten, existiert nicht mehr!

Dienstag, Januar 1st, 2019

 

In diesem Sinne: allen ein gelungenes, interessantes, anregendes Neues Jahr. Plötzlich war es da, und jetzt müssen wir wieder sehen, was wir sinnvolles damit anstellen können.

letzte Zeichnung für 2018

Dienstag, Januar 1st, 2019