Archive for the ‘wörter’ Category

alte texte : aus: die stadt

Samstag, Juli 9th, 2016

Man darf sich die Bewohner dieser Stadt als unglückliche Menschen vorstellen.
Der junge Mann, der, ganz Hose, sich sacht und sacht nach vorne beugt. Er macht einen überlegen-kritischen Eindruck, beäugt die anderen, und trägt salopp die Bildzeitung unter dem Arm. Über die Runden kommen. Um die Ecke. Die junge Frau, die, ganz gezupfte Augenbraue, auf ihre ebenfalls gezupfte Freundinmutterschwester wartet. Zum MUT gehört das Bewusstsein der GEFAHR. Zum EINKAUFEN das nötige KLEINGELD.
„schöndasswirunsgetroffenhabenaufwiedersehen!“
Danke für ihren Mut.
Danke für ihren Einkauf.
Die Kassiererin, die, ganz Kasse, den Kunden namentlich verabschiedet, sobald sie seinen Namen auf der EC-Karte gelesen hat: Friendly fire.

ein paar alte Texte

Freitag, Juli 1st, 2016

was hältst du davon, den rhythmus zu ignorieren? geht das? kann man den tag verzetteln? ohne ziel? ohne rhythmus? ohne verstand? man gibt sich selbst die hand. man steht sich selbst auf dem fuß. und hüpft. und wenn man hüpft, entsteht wieder ein rhythmus. kann man hüpfen, ohne einen rhythmus zu bilden? halte den fuß! stell dich auf deine hand. schließe die augen und höre zu. alles ist rhythmus. aber: kann man auch ohne? das herz macht, was es will.

die luft wird knapp im zimmer. die luft wird knapp an der luft. an der see. auf dem berg. wir wollen die luft loben, am abend, am morgen, am mittag, in der nacht. schlafe bei offenem fenster, deck dich gut zu und: atme! es zirkuliert der schnee, er fällt zu boden und steigt wieder auf. eine einzelne schneeflocke sucht zuflucht in meinem linken nasenloch. atme durch mund, nase und ohren!!

wir müssen nicht immer wieder von vorne anfangen. silvester ist ein tag im jahr. die sonne bleibt zuhause und die dinge fliegen durch die luft. etwas liegt am boden. es wird sich gebückt, geguckt und aufgehoben. wieder hingelegt. du kannst dich gerne wieder hinlegen, man muss nicht immer wieder von vorne anfangen. die dinge fliegen von alleine, du bückst dich und es fliegt. du stehtst und hebst nicht ab. das liegt daran, dass du nicht immer wieder von vorne anfängst. eigentlich würde man doch denken, wenn man immer wieder von vorne anfängt, dann würde man immer und immer schwerer werden. das gegenteil ist der fall. oder?

drei menschen schwer
durch die straßen
verteilen ihr gewicht
und halten ihr los
von dem niemand etwas wissen mag
kein spalt öffnet sich
niemand verschwindet
alles bleibt

es gibt gärten, in denen man nix anbauen kann: steingärten, falsch verstandene zen-gärten, richtig verstandene zen-gärten sowieso. mitten in der landschaft findet sich eine mit weißen bändern eingegrenzte pferdekoppel. zwei pferde darauf, sonntagsstimmung, obwohl montag ist. ein kleines häuschen daneben. am ortseingang ein haus, in dem wir vor 18 jahren ein paar tage verbracht haben. ein laufender fernseher, ein bauschuttcontainer und ein anbau lassen darauf schließen, dass es inzwischen wahrscheinlich privat genutzt wird. nebenan findet sich eine neubausiedlung. ein neugebautes blockhaus aus dicken holzstämmen. bewohnte mythen und bemühtes wohnen.

der tag hatte seinen rhythmus. morgens war es früh. mittags war es bereits um elf. und um vier uhr nachmittags kam das bäckerauto. der tag hatte seinen rhythmus. der ofen. der stuhl. das bild. manche gingen abends schwimmen. wir nicht.

anstatt meine zehen ins gras zu stecken, sollte ich sie an die ohren halten. ein kurzschluss der gedanken wäre der fall. und die augen gegen den himmel gerichtet, wo irgendetwas demnächst passieren wird. ganz weit oben, weniger weit oben, zum greifen nah. fällt etwas vom dach, brauchen wir eine leiter.
wir brauchen keine leiter, wenn wir unsere zehen im grase lassen. wir brauchen keinen vater, wenn der blick auf dem boden bleibt.
wir trinken die milch aus dem beutel und essen selbstausgedachte kartoffeln dazu. gekocht. nicht roh.
den salat selbst gezupft. traurig. nicht froh.

im rückspiegel die zukunft. im scheinwerferlicht die vergangenheit. links ist rechts. und wir fahren rückwärts auf die autobahn.