Beobachtungen von Zuständen? Geschichten über Zustände?
-> Weder noch. Keine Geschichten. Keine Geschichten heisst auch keine Geschichten über Zustände, was immer das auch sein mag. Auch keine Beobachtung von Zuständen. Beschreibung wäre besser. Zustandsbeschreibungen. Zustandschilderungen von mir aus. Aber keine Geschichten.
Man baut einen kleinen Fehler in ein Bild ein und schon entzündet sich der geschichts- und erklärlüsterne Teil des Betrachterhirns an diesem Fehler und spinnt sich seine Geschichte zusammen.
Die Dinge sind aber auch ohne Erklärung. Einfach, klar, unerklärlich, unerträglich, banal, böse, nett. Geschichten helfen natürlich, damit klarzukommen. Literatur konstruiert sich einen Sinn.
Wenn dieser Sinn aber nichts anderes ist als ein jeweiliges Konstrukt, bleibt eigentlich nur noch die BEschreibung von Zuständen.
Archiv für die Kategorie ‘arbeitstagebuch’
Zustand der Geschichten
Donnerstag, 29. Juli 2010storyteller
Mittwoch, 28. Juli 2010“Sie erzählen in ihren Arbeiten keine Geschichten. Sie beschreiben eher Zustände.” Da hat er, glaube ich, immer noch recht.
letztens
Dienstag, 20. Juli 2010
…wie die Saarbrücker Zeitung letztens poetisierte: Wenn die Sonne scheint, sind die Menschen froh!
68
Montag, 19. Juli 2010
68 Striche hatte ich am Abend auf meiner Liste. D.h. mindestens 68 Portraitzeichnungen zwischen 10Uhr15 des morgens bis gegen 16Uhr45 des nachmittags. Dann waren die Zollhäuschen, in die wir rein- und rausgekrabbelt sind, endgültig verwaist. Man lernt viel bei solch einer Aktion (nicht nur, gleichzeitig ein bisschen Französisch, Luxemburgisch und diverse deutsche Dialekte zu dekodieren und selbst entsprechende Signale auszudenden). Z.B. welche Frisuren man überhaupt nicht mag; dass manchmal, beim Zeichnen des ersten Auges bereits klar ist: an diesem Portrait kann jetzt nix mehr schief gehen. Dass manche Menschen einfach ein falsches Bild von sich herumtragen. ( Entweder bereits vorher, manchmal erst, nachdem wir sie gezeichnet hatten). Und dass Ärmelschoner tatsächlich ausgesprochen nützliche Kleidungsstücke darstellen (Foto folgt demnächst).
Schengen
Samstag, 17. Juli 2010
so sehen sie z.B. aus, die cartes d’identitées de la Grande Région, die noch morgen, direkt auf der alten Brücke zwischen Perl und Schengen, ausgestellt werden. Mit handgezeichneten Passfotos der Inhaberin/des Inhabers. Hübsch gestempelt und abgefertigt im Schweiße des Angesichts. Von 11 - 17 Uhr. Ein Produkt des Liquid Penguin Ensembles. Es zeichnen pour vous: Susanne Kocks, Christoph Rammacher und Klaus Harth.
schengen
Donnerstag, 15. Juli 2010
auf der Moselbrücke zwischen Schengen und Perl am Samstag und Sonntag ab 12 Uhr mittags gibt es sie wieder -> die gestempelten, ausgefüllten und mit handgezeichnetem Foto versehenen Großregionsausweise. von und mit Liquid Penguin Ensemble.
philipp
Sonntag, 11. Juli 2010



Ab dem 14.7. sind sie zu betrachten: die Köpfe aus Gips von Philipp Strobel an der Kunstakademie Karlsruhe. Bearbeitet von anderen. U.a. gestern nacht auch von mir (in Wöllstein).
günter netzer
Mittwoch, 30. Juni 2010sagt: Keinen Videobeweis in der Kunst! Kunst ist Drama! Kunst ist Fehlentscheidung! Davon lebt die Kunst!
Ich aber sage Euch: Die Dokumenta ist auch nicht besser als das Wembley-Tor!
der beachtung anheim gegeben
Freitag, 25. Juni 2010http://naseen.blogspot.com/ und vor allem dort entdeckt: http://papergirl-berlin.de/das-projekt/ .

prag - der film
Mittwoch, 23. Juni 2010
10. Juni 2010. Vyšehrad. 12 Uhr mittags. Drei Menschen. Drei Spitzen.
10. Června 2010. Vyšehrad. 12 hodiny v poledne. Tři lidé. Tři vrcholy.
anderhandzutragen
Sonntag, 20. Juni 2010
2 vogelbilder, die, fast ein dreivierteljahr in mainz gelagert, gestern in form eines verschnürten paketes mit plastikgriff aus klebeband, zurückgeführt wurden. wie das genau aussah (paket in mainz, am rhein, im schließfach der kunsthalle, rausgetragen aus der kunsthalle, durch die neustadt, im zug etc.) das müsst ihr euch vorstellen (phantasie, vorstellungskraft etc.) heut’ ist sonntag, da ist zeit für sowas.
proč -> proto
Montag, 14. Juni 2010




Auf der Rückreise ein Abteil voller kleiner Tschechen, so geschätzt um die zehn oder elf Jahre alt, die nach knapp zehn Minuten bereits die Hälfte ihres Proviantes weggefuttert hatten und so aufgekratzt waren, dass sie sich bereits über einen herausfallenden Apfel (jablko) aus einem der Rucksäcke kaputtlachen konnten. Ebenfalls mit im Abteil: ein Finne auf dem Weg zurück nach Finnland.
Der Finne spricht die Kinder auf englisch an, was sie zwar als solches erkennen, aber nicht darauf antworten können (nevím). Auch uns hielten sie wohl deshalb anfangs für englisch sprechende Menschen.
Irgendwann bekamen sie dann aber doch spitz, dass das wohl kein Englisch war, was wir sprachen, der Zug fuhr Richtung Deutschland, also wohl: německý. Sie überlegten gemeinsam und bekamen heraus: dobrý den = guten Tag.
Und dann ging die Assoziationskette weiter: Německo -Hitler; ein bisschen haperte es noch mit dem richtigen Vornamen, aber bald war auch der gefunden, und jetzt ahmten sie erstmal mit Armbewegungen Maschinengewehre nach, allerdings nicht allzu lange, um sich daraufhin in ein recht ernsthaftes und ruhiges Gespräch darüber einzulassen, was sie umeinander alles darüber wussten. Zehn oder elf Jahre alt und in Děčín ausgestiegen und ab auf den Wandertag.
Der Finne guckte aus dem Fenster und fragte, ob das hier bereits Germany sei. Not yet. In der Sächsichen Schweiz dann: Aus dem Flugzeug sieht man das alles nicht!
In Dresden in der Straßenbahn randalierende dreizehn oder vierzehnjährige Deutsche.
Die Sächsiche Schweiz nicht nur nice countryside, sondern auch Hochburg der Rechtsradikalen.
Und vorgestern haben sie in Luxemburg 25 Jahre Schengener Abkommen gefeiert.
grüsse an monika
Samstag, 29. Mai 2010
Immer wieder werde ich gefragt, zuletzt anlässlich der Veröffentlichung von Peter Webers Flommersfeld-Phantasie. Frau M. aus B. schreibt beispielsweise: “Ist der Herr Flommersfeld real?
Oder gehört er in die Welt der Imagination.”
Ich kann sagen: Er ist real. Ich kenne ihn. Er ist mein bester Freund. Und er macht Sachen. Er hat am selben Tag Geburtstag wie Charles Darwin und Max Beckmann, um nur einige zu nennen. Natürlich ist er wesentlich jünger als die beiden.
Er macht Sachen, die man hören kann, und Sachen, die man sehen kann. Oder auch hier. Ich lese seine Sachen auch gerne vor. Und zusammen machen wir noch andere Sachen. Oder solche.
Und zum Abschluss und dem endgültigen Beweise seiner Existenz folgenden Text aus dem Jahre 1999 oder 98 oder 97?:
Vinci2
Zu Schwester Monika entwickelte ich eine besondere Beziehung. Ich wartete geduldig auf den Beginn des Morgens, darauf, daß sie mich berühren möge.
Einmal brachte sie mir ein weißes Blatt Papier und einen Stift. Sie sagte: “Lalalalala”, und deutete auf meinen Mund, dann auf das Blatt. Bald darauf ging sie und überließ mich meiner Neugierde.
Ich zog erste zaghafte Striche.
Ich dachte dabei an Flugobjekte.
Dicke Hummeln.
Bald aber merkte ich, daß mir das Zeichnen leichter fiel, wenn ich an gar nichts dachte. Der Stift bewegte sich dann fast von ganz alleine.
Als die Schwester die Ergebnisse sah, rief sie: “Mein Gott, Sie schreiben russisch!” Sie lief aus dem Zimmer und kam mit zwei Ärzten zurück. Sie schauten sich die Buchstaben auf dem Papier an und schüttelten den Kopf.
Ich wußte nicht, was das zu bedeuten hatte.
“Alles wird wieder gut.” sagte sie. “Alles wird gut.”
Sie weinte.
fundstück
Mittwoch, 26. Mai 2010
Zeichnung aus “Herr Heinz”, 2005, Graphit auf Papier, ca. 100 x 120 cm
Beim Aufräumen am Samstag wiederentdeckt. Überhaupt eine Menge Sachen wiederentdeckt: die Fortführung der Vergangenheit mit anderen Mitteln.











