Zitatewitsch:

 

Und sie ist vor allem dies, ein Lehrstück, dass die modische Ächtung der sogenannten Markt- und Betriebskunst auch nichts anderes ist als alte Kuratorenherrlichkeit. Man will den Machern bestimmt nicht den Ernst ihres Unternehmens abstreiten, aber irgendwie zerfließt das hehre Engagement in lauter gutmütiger Folklore.

Und wenn man zur Begründung des performativen Apriori so schöne Schulsätze vorgesetzt bekommt wie „Athen, Geburtsort der Tragödie“, dann ist das ein bisschen, als würde uns erzählt, an jeder Straßenecke werde hier Sirtaki getanzt.

4 Responses to “Zitatewitsch:”

  1. Armin sagt:

    Auch eine Möglichkeit:

    http://wirwollennichtzurdocumenta14.de/

    Ich pfeife übrigens dieses Jahr auf die Documenta.

  2. Klaus sagt:

    Generell sollte man viel mehr vor sich Hinpfeifen.

  3. Klaus sagt:

    „Auch eine Möglichkeit“ -> finde ich dann alles in allem auch ein wenig zu kurz gedacht. Aber ob die documenten und Bienalen als Großveranstaltungen tatsächlich mehr sind als eine Unterhaltungsstrategie fürs kulturell interessierte Publikum, darüber könnte man schonmal nachdenken. Ich interessiere mich durchaus für Ideen, wenn sie interessant sind. Und, sofern sie künstlerischen Ausdruck finden, formal schlüssig und interessant und eingreifend formuliert sind. Generell finde ich das Kuratorenprinzip ein merkwürdig feudales Relikt. Nichts gegen Ausstellungsmacher, die sich Gedanken machen und sich in den Dienst der Künstler und der Kunst stellen. Aber schon etwas gegen uneingeschränkte Machtfülle gepaart mit der singulär aufgebauschten Wichtigkeit einer solchen Inszenierung. Alles etwas leiser bitte. Documenta abschaffen. Für immer. Venedig finde ich da im Vergleich interessanter, weil die einzelnen Länder dann, zusätzlich zur zentralen Schau, immer noch selbst entscheiden, wen und was sie zeigen.

  4. Armin sagt:

    Mir erschien das Konzept in Venedig auch immer schlüssiger. Die Documenta ist mir schlicht zu groß. Ich verlief mich, mäanderte durch Kassel, entdeckte immer mal wieder für mich tolle Einzelpositionenoder auch wunderbare Ideen, aber das Gesamtkonzept hat mich nie interessiert. Hat sich mir auch nie erschlossen. War mir egal.

    Meine erste Documenta erlebte ich 1987. Damals: eine Woche staunen. Ich weiß nicht mehr, ob es ein Konzept gab, einen übergeordneten Gedanken, aber egal: vieles, was ich damals gesehen habe, hat sich mir bis heute ins Gedächtnis gebrannt. Vielleicht, weil es die erste Documenta war, die ich besuchte. Viellleicht, weil ich noch so ahnungslos & naiv war. Aber zu groß, zu viel war mir das damals auch schon.

    Ich wäre gerne wieder naiv.

    Wie schön, dass wir noch Studenten waren, eine Woche irgendwo auf dem Campingplatz, ein Dreimannszelt. Ein bisschen wie ein Festival war das für mich. Und außerdem nicht nur Documenta. Da war auch noch Raum für anderes.

    Heute sehe ich das sher so: Die Monsterausstellung als Standortfaktor. Höher, weiter, größer, dicker, aufgebläht. Das Übliche halt. Alles muss wachsen. Neue Besucherrekorde natürlich, die bestimmt auch. Man hechelt von Gedanken zu Gedanken. Kann man gar nicht abschaffen. Wer würde dann noch nach Kassel wollen?

    Vor zehn Jahren war ich nach dem Besuch der Documenta zum ersten Mal in Münster:

    http://www.wn.de/Muenster/Kultur/2708250-Skulptur-Projekte-2017-Offizielle-Kuenstlerliste-Wilde-Mischung-aus-aller-Welt

    Ich hatte das Gefühl von Freiheit, Offenheit, weitem Horizont & einer gewissen Übersichtlichkeit. Die Enge, die ich in Kassel fühlte, war weg. War ja auch völlig neu: Eine Ausstellung durch eine Stadt mit dem Fahrrad zu erschließen & dabei noch auf die Relikte vergangener Ausstellungen zu stoßen.

    Nunja. Ich muss los.

    Arbeiten.

Leave a Reply