in eigener Sache

Januar 21st, 2019

Im Neunkircher KULT wird derzeit die Ausstellung

BRENNPUNKT KERAMIK

gezeigt. Gerade wurde sie verlängert bis zum 24. Februar.

Eine sehr sehenswerte Ausstellung. Und eine wunderbare Gelegenheit, sich nicht nur ein wenig im Objektzeichnen zu üben, sondern den Versuch zu wagen, sich eine Ausstellung zeichnerisch zu erobern. Zeichnen ist Sehen, Verstehen und verstärktes Wahrnehmen. Man macht das einfach viel zu selten: sich in eine Ausstellung setzen und die Dinge, die man dort sieht, zeichnerisch erfassen.

Am 9.2. ergibt sich die Gelegenheit, genau dies zu tun. Wir treffen uns um 13 Uhr und bleiben bis zum Schluss der Ausstellung um 17 Uhr. Anmeldung über die VHS Neunkirchen. Kostenpunkt etwa 15,- €.

Tel.:  06821-202-552

 

Abb.: Lisa Borscheid (allerdings kein Objekt aus der genannten Ausstellung)

gegend (BGB)

Januar 21st, 2019

filmkritik nr. 6

Januar 20th, 2019

Die Jury des Max-Ophüls-Preises hat den Preis für den besten Spielfilm an meinen absoluten Favoriten übergeben: DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN. Schön. Sehr schön. Dann hat er die Wahrnehmung, die er verdient. Gelangt vielleicht sogar in die deutschen Kinos. Und vielleicht auch auf DVD. Wie gesagt (und auf die Gefahr, mich zu wiederholen): eines der klügsten und unterhaltsamsten Kunstwerke, die ich in der letzten Zeit sehen und hören durfte. Wau!

filmkritik nr. 5, Samstag

Januar 20th, 2019

MACHT DAS ALLES EINEN SINN UND WENN JA, WARUM DAUERT DAS SO LANGE. AUs dem Dokumentarfilm-Wettbewerb. Von Andreas Wilcke.

Ein Dokumentarfilm über die Volksbühne Berlin. Kein Dokumentarfilm über die Volksbühne Berlin, wenn man von der Volksbühne keine Ahnung hat. Ein Dokumentarfilm für Kenner der Volksbühne. Kein Kommentar aus dem Off. Überhaupt nichts Erklärendes. Nur Bilder. Gute Bilder zum Teil. Einblicke in Schneider- und Tischlerwerkstätten. Einblicke hinter die Kulissen. Frank Castorf bei einer sognannten Konzeptionsprobe. Das Ensemble seinen teils verschwurbelten Gedankengngen lauschend. Frank Castorf beim Inszenieren, wo man denkt, da muss man als Schauspielerin schon ganz schön fest im Sattel sitzen, um das unbeschadet zu überstehen. Frank Castorf beim Lachen und Trinken. Chris Dercon bei öffentlichen Auftritten. Christ Dercon beim einer Gesprächsveranstaltung mit den Bühnenmitarbeiterinnen und – mitarbeitern. Alexander Scheer beim Singen und Proben. Vieles recht laut und schnodderig aneinandergeschnitten. Sophie Rois. Kathrin Angerer. Georg Friederich. Martin Wuttke. Im Gespräch nach dem Film kommt der Regisseur genauso schnodderig wie sein Film. Vielleicht alles in allem zu lang, um ein wirklich umwerfender Film zu sein. Ein bisschen so, wie Castorfs Konzeptionsprobe. Aber trotzdem gelingt es ihm tatsächlich, einiges der Stimmungen und Faszinationen der Volksbühne zu vermitteln.

 

Zwischenbilanz

Januar 19th, 2019

Morgen noch den Dokumentarfilm über die Volksbühne. Und am Sonntag noch einen Spielfilm aus dem Beiprogramm. Von den 16 Spielfilm-Wettbewerb-Beiträgen haben wir 5 gesehen. Noch nicht mal die Hälfte. Die Entdeckung dieses Jahres für uns aber die Doku HELMUT BERGER, MEINE MUTTER UND ICH von Valesca Peters. Der war wirklich sensationell. Frisch, witzig und berührend.

Von den Spielfilmen wäre mein Wunschpreisträger DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN. Ein sehr kluger und politisch motivierter Film mit sehr viel Humor und radial-verspielter Form. Und Super-Soundtrack! Ein Film, der sich durch seine Frische und Frechheit von den anderen abhebt, mögen die Themen noch so gut umgesetzt sein (wobei dies von den von uns gesehenen eigentlich nur auf NEVRLAND zutrifft. STERN haben wir leider nicht mehr in unseren Zeitplan bekommen, der klang in der Beschreibung ja auch gut).  Mindestens der Drehbuchpreis sollte für das melancholische Mädchen drin sein. So wie ich das gesehen habe, dürfte NEVRLAND ein heißer Kandidat für den Spielfilm-Preis sein. Aber Abwarten.

Zum erstenmal seit längerer Zeit bin ich tatsächlich auf den Juryentscheid sehr gespannt.

Filmkritik Nr. 3, unser 4. Tag auf dem Ophüls-Festival.

Januar 18th, 2019

Wettbewerb Spielfilm: NEVRLAND von Greogor Schmidinger.

Eigentlich kann man die Österreicher blind buchen. Der Regisseur und Autor macht einen klugen und emotionalen Film über seine eigenen Erfahrungen mit Angststörungen. Er hat in den USA Drehbuch studiert und mag den amerikanischen Film genauso wie das harte österreichische Sozialdrama. Als solches beginnt der Film und bekommt einen Dreh in Ebenen, bei denen für die diversen Angstzustände eindringliche und nicht mehr auseinanderhaltbare Bilder gefunden werden. Der Protagonist Jakob lernt im Internet einen homosexuellen Kunststudenten kennen. Beide treffen sich auch bald im realen Leben. Oder etwa nicht? Denn ob dieser Kristjan existiert oder nicht auch bereits ein Trugbild ist, lässt der Film geflissenlich offen. So wie auch der Protagonist zwischen Wahn- und Angstvorstellungen nicht mehr unterscheiden kann, so wird auch uns als Filmzuschauer dies nicht vergönnt. Kristjan ist eine dermaßen körperlich wie seelische Wunschfigur des 17jährigen, dass er fast schon zu schön ist, um wahr zu sein. Viele viele kluge Bezüge gibt es in diesem Film: Jakob trägt seit seiner Geburt ein sogenanntes Feuermal im linken Brustbereich. Diese Stelle ist sensibler als andere, wie er sagt. Krystian trägt auf dem rechten Brustbereich ein merkwürdiges Tatoo aus logisch erscheinenden klaren, sich fast spinnennetzartig verschachtelnden Linien. Das österreichische Sozialdrama beginnt in der Muttersprache deutsch. Alles, was mit Wunschvorstellungen zu tun hat, Sex im Internet und die Person Krystian ist mit der englischen Sprache verknüpft. Der Autor erklärt das so, dass wir unsere Träume und Wünsche gerne aus englischsprachig geprägten Traumfabriken entnehmen, ob dies nun amerikanische Filme seien oder Dinge im Internet. Immer mehr Menschen seiner Generation schauten diese Filme auch durchaus im Original. Also schien es ihm ausgesprochen Konsequent, diese Parallelebene auch mit der englischen Sprache zu verknüpfen. Kunst sei dazu da, persönliche Erfahrungen derart zu transformieren, ach, wir dürfen vielleicht auch einfach „formulieren“ sagen, dass sie für ein Publikum verstehbar, anschaulich und vielleicht auch begreif- und spürbar zu machen. Dies gelingt ihm mit diesem eindrucksvollen Film auf alle Fälle. Den Preis für den Nachwuchs-Darsteller sollte es für diesen Film aber allemal geben.

 

MOP-Shortlist NEUE HORIZONTE.

Ein Programm, das von Hannes Wesselkämper, dem Kurator für Kurzfilme beim Max-Ophüls-Preis zusammengestellt wurde. Mehr oder weniger kurze Filme von Kunststudentinnen und Absolventinnen diverser Filmhochschulen. Von drei bis 26 Minuten Länge.

NÖ YORK. Von Vera Brückner. 26min. Kommt daher wie eine Selbstdoku eines New York-Aufenthaltes incl. Geschichte einer gescheiterten Beziehung. Und ist in sofern eigentlich fast schon der beste Film dieser Auswahl, denn dieser falschen Fährte folgt man durchaus bereitwillig. Dabei gelingt es allemal, die Geschichte schlüssig zu transportieren und nur bedingt zu lange zu werden.

I. Von EunJin Park. 8 min. Formal sehr interessant. Man sieht erstmal nur Füße auf Lichsstreifen balancieren. Das steigert sich zu Personen im Raum, die zeitweise per How do you do Kontakt aufnehmen, um dann wieder alleine weiterzubalancieren. Vermag durch seine Bilder, ohne viel Worte und inhaltliche Verbrämungen durchaus zu überzeugen.

WINTER BIENEN. Von Josephine Ahnelt. 14 min. Eigentlich in etwa 10 Minuten zu lang. Formal durchaus interessant: schräger Sound (eigentlich wollte sie in Japan eigentlich einen Film über die dortige Noise-Musik-Szene drehen), interessante Kombi zwischen eigefügten Tafeln mit Zeichnungen und filmischen Sequenzen. Bald wird einem das aber ein wenig zuviel, die Bilder zu uninteressant (wenn auch immer wieder die ein oder andere interessante Sequenz auftaucht). Aber irgendwann hat das Hirn aber keinen Spaß mehr daran, die Zeichnungen zu entziffern (dafür sind sie dann ab einem bestimmten Zeitpunkt zu gleich und durchschaubar) und mit den nachfolgenden filmischen Passagen in Verbindung zu bringen zu versuchen. Weil klar wird: da gibt es keine. Kardinalfehler Nummer zwei (nebst der Länge): Skype-Dialoge auf Englisch. Hört man hin oder hört man nicht hin? Keine Untertitel. Im Frage und Antwortspiel heißt es dann, es seien Gespräche mit ihrer Therapeutin gewesen. Warum soll sich der Betrachter dafür aber interessieren? Und es sich auch noch übersetzen und irgendwie mit den Bildern in Verbindung zu bringen versuchen? Nö. Nach 4-5 Minuten wäre das noch ein interessanter Film gewesen.

APPARTMENT MONOLOGUE. 12 min. Hedda Schattanik und Roman Szczesny. Im Frage und Antwort-Spiel fällt plötzlich das Wort metoo-Debatte und man denkt: hupps, hab ich da was verpasst. Vielleicht war es einfach der Mittagsschlafmüdigkeit geschuldet, keine Ahnung. Jedenfalls gab es am Anfang ein paar interessante Licht- und Schattenbilder eines Zimmers mit Lamellen in den Rolläden, interessante Korrespondenzen zwischen diesen Lichtern und blinkenden Diodendiagrammen und menschlichen Geräuschen. Und dann eine Menge Bilder, die damit scheinbar nix zu tun hatten, einen Text, der elegant an meinem Verständniszentrum vorbeihuschen wollte und und und. What the fuck: Vielleicht muss man manchmal Dinge klarer benennen, damit sie der Zuschauer auch verstehen kann? Vielleicht müsste man den Film nochmal sehen, um ihn mit den Aussagen der beiden zur Deckung zu bringen. Aber sollte das der Film nicht auch über seine Inhalte selbst schaffen. Beide studieren an der Akademie in Düsseldorf. Mir schien es ein wenig zu sehr noch in Kunstsuppe schwimmend, zu wenig Idee von der wirklichen Welt und zu sehr im elfenbeinernen Diskurs ästhetischer Spielereien. Vielleicht war ich aber einfach auch nur zu müde. Aber erwecken konnte mich das Werklein dann auch nicht. Hat aber den Marler Medienkunstpreis gewonnen…

FEST. 3 min. Von Nikita Diakur. Ein kleines buntes Trickfilmchen, computeranimiert. Tanzende und essende und trinkende Gestalten. Ein Transparent mit dem Wort Fest in Hochhausschluchten. Die Trickfiguren in einem schönen Kontrast zu real erscheinenden Häusern vor getricksten Himmeln. Ein Mann wird an einem Seil vom Hochhausdach in die Tiefe geworfen (Bungee-Jumping?). Kurz vorher sieht man noch das liebevolle kleine Detail eines Vogels, der sich in die Tiefe wirft. Der Mann pendelt unten her und hin und reißt dabei auch das FEST-Transparent weg. Filmende. In seiner Frische und seinem Nichtwollen und seiner radikalen Kürze fand ich das ganz ok. Der Filmer war nicht zum Gespräch anwesend.

WESTERN UNION. 14min. Steffen Goldkamp. In einer wüsten Landschaft fährt ein Auto. Man hört einen Funkverkehr (?): „Wie sollen wir über die Grenze fahren ohne Pässe.“ Man sieht, wie das Auto liegenbleibt. Man sieht zwei Männer zu Fuß durch die wüste Gebirgslandschaft laufend. Einer trägt einen Stuhl. Der andere eine Tasche. Sie durchqueren einen Fluss. Der eine trägt ein T-Shirt mit der Aufsschrift UHNCR. Beide klettern einen rutschigen Abhang hinab. Dunkelheit. Eine Kamerafahrt von einem Boot aus. Man sieht einen kleinen Hafen, der in keinster Weise mit der wüsten Gebirgslandschaft von eben in Verbindung zu bringen ist. Filmende. Im anschließenden Gespräch heißt es zu meiner Überraschung, es sei  ein Film über Flüchtlinge gewesen. Der Regisseur wollte dem gängigen Flüchtlingsbild ein anderes entgegensetzen. Ausgehend davon, dass ihm aufgefallen sei, dass die Berichterstattung und vor allem Bebilderung von Flüchtlingsschicksalen in vielem deckungsgleich sei, was der amerikanische Western in seinen Westwärts-Bewegungen gezeigt habe. Ich habe in diesem Film die beiden Männer nicht als Flüchtlinge gelesen. Für mich waren das, was auch immer, Mitarbeiter der UHNCR oder Journalisten, die in Kriegsgebiet liegenbleiben und dann zu Fuß weitergehen müssen. Warum hatten sie ein Auto? Warum blieb es liegen? Was hat der kleine Hafen mit allem zu tun? Die Idee der Verknüpfung von Flüchtlingsrouten mit Western-Bewegungen fand ich gar nicht mal so uninteressant. Ich hätte das in dem Film ohne die erklärenden Worte aber nicht, und nie und nimmer, gesehen. Pardon. Und er Hafen bleibt mir ein ewiges Rätsel.

Donnerstag

Januar 17th, 2019

Dokumentarfilm-Wettbewerb: HELMUT BERGER, MEINE MUTTER UND ICH von Valesca Peters. Dieser Film wird den Weg ins „richtige“ Kino schaffen. Und man kann nur sagen: Ansehen! 82 Minuten eines höchst feinfühlig beobachteten Portraits, das uns den 73 jährigen Helmut Berger sehr nahe bringt und menschlich greifbar macht. – Die Mutter der Regisseurin sieht Helmut Berger auf einem youtube-Video und ist so entsetzt, dass sie ihn kurzerhand zu sich nachhause auf`s Land einlädt. „Da muss man doch etwas tun. Da hat man doch eine Verpflichtung.“ Helmut Berger kommt und es entsteht tatsächlich so etwas wie eine Freundschaft. Man kann Dinge verändern, wenn man die Dinge verändern will. Und auch die Familie der Regisseurin ist dadurch auf andere Art wieder zusammengewachsen. Sehr sehr sehenswert.

 

Spielfilm-Wettbewerb: DAS LETZTE LAND.

Ein Science-Fiction-Film von Marcel Barion. Fast 2 Stunden, die man kaum bemerkt. Und hier ist, anders als gestern in ENDZEIT, das Genre klug und phantasievoll genutzt, um grundsätzliche Fragen menschlichen Wollens und Daseins zu verhandeln. Davon abgesehen, dass die Science-Fiction-typischen Sequenzen ausnahmslos ausgesprochen einfallsreich und phantasievoll umgesetzt wurden. Erfrischend klischeefern. Das fängt schon mit dem heruntergekommenen Zustand des Raumfahrzeugs an. Adem, eine der Hauptpersonen geht dann auch erstmals mit einem übergroßen Schraubenschlüssel vor, um das Schott zum Leitstand des Schiffes zu öffnen. Und auch so ein beiläufiger Satz, als Adem vermutet, das gefundene Raumfahrzeug müsse wohl ursprünglich von der Erde kommen, und sein Begleiter Novak nur meint: Die Erde sei doch etwas, was man Kindern erzählt, ein Satz, der so beiläufig eine ganze Menge an Hintergrundgeschichte verankert, ohne dies weiter ausführen zu müssen, spricht für den gedanklichen Hintergrund des Filmes. Wer bin ich, wo komme ich her und wohin soll ich? Um solche Dinge geht es hier, und das auf nicht unkluge Art und Weise.

 

Spielfilm-Wettbewerb: LYSIS.

Der Unfalltod der Mutter, den wir nicht sehen, führt dazu, dass der Vater, der seine Familie verlassen hat, als der Sohn sechs Jahre alt war, jetzt, zehn Jahre später, seinen Sohn auf eine Art Rafting-Tour in den Alpen einlädt, um wieder Kontakt zu ihm aufzubauen. Und vielleicht auch das ein oder andere wiedergutzumachen, bzw. richtig zu stellen. Der Sohn hat keinen Bock darauf, verweigert sich und stößt das Boot mitsamt der Ausrüstung den Fluss hinunter, so dass Vater und Sohn allein auf sich gestellt, ohne Proviant und Schlafsack etc. ihre Rettung aus der Wildnis versuchen müssen. Das führt natürlich zu einer Näherung zwischen den beiden, wer hätte es auch nicht vermutet? Am Ende stürzt der Sohn durch eine Unaufmerksamkeit in die Tiefe, gerade als er einem Haus, also ihrer voraussichtlichen Rettung gewahr wurde. Ob er dabei umgekommen ist oder nicht, lässt der Film offen. Kein schlechtes Thema, kein uninteressantes Experiment, vor allem bildnerisch, da fast der gesamte Film mit den Helm- und Outdoor-Kameras der Hauptdarsteller fotografiert ist. Das führt zu oft ungewohnten Kameraperspektiven. Nicht aber unbedingt zu ungewohnten Sehweisen. Aber: Wird von diesem Film etwas bleiben? Wird man sich später nochmal an Bilder erinnern, die sich eingeprägt haben? Warum hat man das Gefühl, da fehle dann doch irgendwas? Es fehlt an Dramatik. Im Frage- und Antwortspiel im Anschluss an die Vorführung sagt einer aus dem Team einen rechten Platitüdensatz bzgl. der Kameras: Wir wollten den Zuschauer mittendrin statt nur dabei. Dummerweise gelingt dem Film das aber nicht. Denn die Kamera ist nicht alles. Man stelle sich vor: die beiden haben Boot und Proviant verloren, stehen mitten im Gebirge und haben keine Ahnung wie weiter. Wieso spürt man das nicht? Keiner schreit, keiner wird vor Angst hysterisch. Wieso bleibe ich als Zuschauer genauso relaxed und cool wie die Figuren im Film? Weil alle so spielen, als ginge es um nichts. Hat man mal einen Tag lang Durst und findet kein Wasser und rennt dann der Vater alleine los, um Wasser zu finden, findet aber keins, dann ist man bei seiner Rückkehr halt einfach nicht mehr so durstig. Fertig. Der Junge kotzt ein bisschen und wird an den Beeren nicht sterben. Ich habe als Zuschauer kein einziges Mal einen Impuls entweder rauszurennen, weil ich die Situation nicht mehr ertrage, oder auf die Leinwand zu springen, um den beiden helfen zu können. Die beiden schweben in Lebensgefahr und man spürt es nicht. Da hilft auch keine Kopfkamera. (Das klingt jetzt alles schlimmer als es soll: Wir haben hier keinen schlechten Film. Aber auch keinen, der einen wirklich begeistert).

fülmkrütück

Januar 16th, 2019

Schreibst du in der Not, dann hast du in der Zeit. Oder umgekehrt? Wenn ich mir hier die 2014 immer wieder nach langen Kino-Tagen abgerungenen Kleinkritiken anschaue, dann lohnt es sich vielleicht auch in diesem Jahr, bei einigen Filmen weniger, doch das ein oder andere Wort zu verlieren, um in ein paar Jahren rückblickend wieder das ein oder andere erinnern zu können.

Beginnen wir mit heute, dem zweiten Tag. Und der Enttäuschung des Tages.

Man braucht hier wahrscheinlich kaum viele Worte zu verlieren. Warum misslingt ein Film? Trotz ZDF und arte und nochundnöcher Geld. Weil die Redakteure, beim Frage und Antwort-Spiel nach dem Film selbstzufrieden ins Publikum grinsend, und alle anderen sich ihrer Sache vielleicht zu sicher waren. So sicher, dass das Ach-so-tolle-Buch dann doch nicht richtig funktionierte?? Dass sie vor aller Selbstbegeisterung gar nicht gemerkt haben, dass Zuviel auch Zuviel sein kann? Und der Plot doch seine Argen Lücken und Platitüden hat?

Die Rede ist von ENDZEIT. Basierend auf einer Graphic Novel, wie das heute so schön heißt, um dem einen etwas wertvolleren Anstrich zu geben. Die Menschheit wurde von einer merkwürdigen Seuche dahingerafft, nur in Weimar und Jena haben die Menschen überlebt. Man schützt sich mit Zäunen vor zombieartigen Gestalten, die draußen in der Freien Wildbahn lungern. Ihr Biss führt zwangsläufig dazu, dass die Viren auch auf das eigene Hirn übergreifen und man wohl auch zum Zombie wird. Soweit, so ding. Zwei Mädchen aus Weimar, wie immer wieder in der Filmbeschreibungen betont wird: unterschiedlchen Charakters, versuchen aus unterschiedlichen Gründen nach Jena zu kommen. Der fahrerlose Schienenbus, der zwischen beiden Städten verkehrt und Waren transportiert, und den sie illegal benützen, bleibt aus unerwähnten Gründen auf offener Strecke stehen und die beiden müssen sich durch die Wildnis nach Jena durchschlagen. Von Anfang an geizt der Film nicht mit Schockelementen, setzt dabei aber auf Abgegriffenes und Altgewohntes. Zuviel ist zuviel. Irgendwann ist man es satt, die Zombies sind scheiße geschminkt und wirken eigentlich nicht wirklich wie ernstzunehmende Gefahren. Man erschrickt mal kurz, wenn einer jungen, vom Zombie gebissenen Frau der Arm abgehackt und sie daraufhin auf Anweisung einer leitenden Person doch noch erschossen wird: Regel ist Regel und Arm ab genügt in diesem Falle nicht. Völlig abstrus wird die Story, als die beiden Mädels im Wald einer sogenannten „Gärtnerin“ begegnen, die ziemliche Platitüden von sich gibt. Eva liegt da, schon halb begraben (warum?), jetzt bekommt sie eine Tomate und darf weiterleben. Später werden die Mädchen auf einer Brücke von aberhunderten Zombies verfolgt, Eva opfert sich (warum bleibt unklar, sie hätte sich genauso retten können, wie das dann die andere der beiden kann), um dann am Ende des Films wiederauferstanden und zu einem merkwürdigen Pflanzen-Mensch-Wesen verwandelt wieder aufzutauchen. Auch die Gärtnerin war schon ein solches Pflanzen-Menschen-Wesen. Watt will der Film? Gruselfilm sein, wie nachher im Frage-Antwort-Spiel behauptet wird? Warum dann so ein ernstes Thema? Und wenn so ein ernstes Thema, wieso nimmt man es dann nicht ernst? Und wenn Gruselfilm, warum dann nicht mit Phantasie und Einfallsreichtum statt mit solch platt-überholten Mitteln? (Plötzliche Laute Geräusche, dramatische Musik, blöd grunzenden Zombies)? Blair Witch Project gab`s ja auch mal, und den fand,  zumindest ich, dann extrem gruselig.  Man fragt sich ernsthaft, warum ein solcher Film, perfekt produziert, mit Verleih versehen, mit arte-Sendetermin in Aussicht, auf dem Ophüls-Festival laufen muss, bzw. laufen darf. Weil ZDF und arte mit im Ophüls-Sponsoring drinhängen?? Soviel Aufwand und man fühlt sich noch nicht mal gut unterhalten, eher für nicht ganz voll und ernst genommen. Einige im Publikum schon, wie es schien…

 

Der Knaller des Tages aber, ein Film, den man am liebsten direkt noch einmal und noch einmal sehen möchte. Mit so wenig Geld gedreht, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler ohne Gage gearbeitet haben. Intelligent in den Dialogen, witzig und geistreich inszeniert, experimentell in der Form, die Musik als weiterer Darsteller eingesetzt, zu keiner Sekunde langweilig, erhellend, überfordernd, zum Lachen bringend. Wie kann man politisch-gesellschaftskritische Themen, die einem unter den Nägeln bringen, auf nutzbringende und unterhaltsame Art auf die Leinwand bringen?: Die Antwort zeigt DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN. Man kann diesen Film nicht oft genug erwähnen, nicht genügend loben, nicht oft genug sehen. Susanne Heinrich! Susanne Heinrich! Susanne Heinrich! Als Schriftstellerin saß sie schonmal vor der Jury in Klagenfurt und begann sich, wie sie selbst sagt, spät in ihrem Leben, zu politisieren und mit entsprechenden Theorien auseinanderzusetzen. Feministische Kapitalismuskritik und und und. Und trotzdem wird daraus keine trockene Theorie-Illustration, sondern ein Film, der nachwirken wird. Und es wäre ihm zu wünschen, dass er nicht nur in diesem Wettbewerb einen Preis bekäme. Das hier ist Formfindung auf höchstem Niveau. Und ein Gegenbeweis zur These, man könne keine gute Kunst machen, wenn man dies aus einem politischen Anliegen heraus tue. Hier funktioniert das super. Ich werde auf jeder meiner Stimmkarten den Namen des abzustimmenden Filmes durchstreichen, durch DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN ersetzen und fünf Herzen ankreuzen. Jawoll. DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN. DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN. DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN. DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN. DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN. Chapeau!

2 gegenden (bgb)

Januar 14th, 2019

 

imagination

Januar 14th, 2019

im Lebensmittelgeschäft: Du kommst rein und alle tragen Kittel mit der Aufschrift: „Wir hassen Lebensmittel!“

bgb

Januar 13th, 2019

2 erklärblätter aus dem kurs von gestern

Januar 13th, 2019

 

zwei zu bgb

Januar 12th, 2019

 

2

Januar 8th, 2019

Januar 8th, 2019

bgb

Januar 8th, 2019

wysiwyg

Januar 3rd, 2019

logo-entwürfe für den bgb

Januar 3rd, 2019

gegend (zweigstelle des bgb)

Januar 3rd, 2019

1.1.2019: was für ein Glück! : ein erster Blick aus dem Fenster zeigt: die Welt, wie wir sie bisher kannten, existiert nicht mehr!

Januar 1st, 2019

 

In diesem Sinne: allen ein gelungenes, interessantes, anregendes Neues Jahr. Plötzlich war es da, und jetzt müssen wir wieder sehen, was wir sinnvolles damit anstellen können.