fülmkrütück

Januar 16th, 2019

Schreibst du in der Not, dann hast du in der Zeit. Oder umgekehrt? Wenn ich mir hier die 2014 immer wieder nach langen Kino-Tagen abgerungenen Kleinkritiken anschaue, dann lohnt es sich vielleicht auch in diesem Jahr, bei einigen Filmen weniger, doch das ein oder andere Wort zu verlieren, um in ein paar Jahren rückblickend wieder das ein oder andere erinnern zu können.

Beginnen wir mit heute, dem zweiten Tag. Und der Enttäuschung des Tages.

Man braucht hier wahrscheinlich kaum viele Worte zu verlieren. Warum misslingt ein Film? Trotz ZDF und arte und nochundnöcher Geld. Weil die Redakteure, beim Frage und Antwort-Spiel nach dem Film selbstzufrieden ins Publikum grinsend, und alle anderen sich ihrer Sache vielleicht zu sicher waren. So sicher, dass das Ach-so-tolle-Buch dann doch nicht richtig funktionierte?? Dass sie vor aller Selbstbegeisterung gar nicht gemerkt haben, dass Zuviel auch Zuviel sein kann? Und der Plot doch seine Argen Lücken und Platitüden hat?

Die Rede ist von ENDZEIT. Basierend auf einer Graphic Novel, wie das heute so schön heißt, um dem einen etwas wertvolleren Anstrich zu geben. Die Menschheit wurde von einer merkwürdigen Seuche dahingerafft, nur in Weimar und Jena haben die Menschen überlebt. Man schützt sich mit Zäunen vor zombieartigen Gestalten, die draußen in der Freien Wildbahn lungern. Ihr Biss führt zwangsläufig dazu, dass die Viren auch auf das eigene Hirn übergreifen und man wohl auch zum Zombie wird. Soweit, so ding. Zwei Mädchen aus Weimar, wie immer wieder in der Filmbeschreibungen betont wird: unterschiedlchen Charakters, versuchen aus unterschiedlichen Gründen nach Jena zu kommen. Der fahrerlose Schienenbus, der zwischen beiden Städten verkehrt und Waren transportiert, und den sie illegal benützen, bleibt aus unerwähnten Gründen auf offener Strecke stehen und die beiden müssen sich durch die Wildnis nach Jena durchschlagen. Von Anfang an geizt der Film nicht mit Schockelementen, setzt dabei aber auf Abgegriffenes und Altgewohntes. Zuviel ist zuviel. Irgendwann ist man es satt, die Zombies sind scheiße geschminkt und wirken eigentlich nicht wirklich wie ernstzunehmende Gefahren. Man erschrickt mal kurz, wenn einer jungen, vom Zombie gebissenen Frau der Arm abgehackt und sie daraufhin auf Anweisung einer leitenden Person doch noch erschossen wird: Regel ist Regel und Arm ab genügt in diesem Falle nicht. Völlig abstrus wird die Story, als die beiden Mädels im Wald einer sogenannten „Gärtnerin“ begegnen, die ziemliche Platitüden von sich gibt. Eva liegt da, schon halb begraben (warum?), jetzt bekommt sie eine Tomate und darf weiterleben. Später werden die Mädchen auf einer Brücke von aberhunderten Zombies verfolgt, Eva opfert sich (warum bleibt unklar, sie hätte sich genauso retten können, wie das dann die andere der beiden kann), um dann am Ende des Films wiederauferstanden und zu einem merkwürdigen Pflanzen-Mensch-Wesen verwandelt wieder aufzutauchen. Auch die Gärtnerin war schon ein solches Pflanzen-Menschen-Wesen. Watt will der Film? Gruselfilm sein, wie nachher im Frage-Antwort-Spiel behauptet wird? Warum dann so ein ernstes Thema? Und wenn so ein ernstes Thema, wieso nimmt man es dann nicht ernst? Und wenn Gruselfilm, warum dann nicht mit Phantasie und Einfallsreichtum statt mit solch platt-überholten Mitteln? (Plötzliche Laute Geräusche, dramatische Musik, blöd grunzenden Zombies)? Blair Witch Project gab`s ja auch mal, und den fand,  zumindest ich, dann extrem gruselig.  Man fragt sich ernsthaft, warum ein solcher Film, perfekt produziert, mit Verleih versehen, mit arte-Sendetermin in Aussicht, auf dem Ophüls-Festival laufen muss, bzw. laufen darf. Weil ZDF und arte mit im Ophüls-Sponsoring drinhängen?? Soviel Aufwand und man fühlt sich noch nicht mal gut unterhalten, eher für nicht ganz voll und ernst genommen. Einige im Publikum schon, wie es schien…

 

Der Knaller des Tages aber, ein Film, den man am liebsten direkt noch einmal und noch einmal sehen möchte. Mit so wenig Geld gedreht, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler ohne Gage gearbeitet haben. Intelligent in den Dialogen, witzig und geistreich inszeniert, experimentell in der Form, die Musik als weiterer Darsteller eingesetzt, zu keiner Sekunde langweilig, erhellend, überfordernd, zum Lachen bringend. Wie kann man politisch-gesellschaftskritische Themen, die einem unter den Nägeln bringen, auf nutzbringende und unterhaltsame Art auf die Leinwand bringen?: Die Antwort zeigt DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN. Man kann diesen Film nicht oft genug erwähnen, nicht genügend loben, nicht oft genug sehen. Susanne Heinrich! Susanne Heinrich! Susanne Heinrich! Als Schriftstellerin saß sie schonmal vor der Jury in Klagenfurt und begann sich, wie sie selbst sagt, spät in ihrem Leben, zu politisieren und mit entsprechenden Theorien auseinanderzusetzen. Feministische Kapitalismuskritik und und und. Und trotzdem wird daraus keine trockene Theorie-Illustration, sondern ein Film, der nachwirken wird. Und es wäre ihm zu wünschen, dass er nicht nur in diesem Wettbewerb einen Preis bekäme. Das hier ist Formfindung auf höchstem Niveau. Und ein Gegenbeweis zur These, man könne keine gute Kunst machen, wenn man dies aus einem politischen Anliegen heraus tue. Hier funktioniert das super. Ich werde auf jeder meiner Stimmkarten den Namen des abzustimmenden Filmes durchstreichen, durch DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN ersetzen und fünf Herzen ankreuzen. Jawoll. DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN. DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN. DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN. DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN. DAS MELANCHOLISCHE MÄDCHEN. Chapeau!

2 gegenden (bgb)

Januar 14th, 2019

 

imagination

Januar 14th, 2019

im Lebensmittelgeschäft: Du kommst rein und alle tragen Kittel mit der Aufschrift: „Wir hassen Lebensmittel!“

bgb

Januar 13th, 2019

2 erklärblätter aus dem kurs von gestern

Januar 13th, 2019

 

zwei zu bgb

Januar 12th, 2019

 

2

Januar 8th, 2019

Januar 8th, 2019

bgb

Januar 8th, 2019

wysiwyg

Januar 3rd, 2019

logo-entwürfe für den bgb

Januar 3rd, 2019

gegend (zweigstelle des bgb)

Januar 3rd, 2019

1.1.2019: was für ein Glück! : ein erster Blick aus dem Fenster zeigt: die Welt, wie wir sie bisher kannten, existiert nicht mehr!

Januar 1st, 2019

 

In diesem Sinne: allen ein gelungenes, interessantes, anregendes Neues Jahr. Plötzlich war es da, und jetzt müssen wir wieder sehen, was wir sinnvolles damit anstellen können.

letzte Zeichnung für 2018

Januar 1st, 2019

von heute morgen (vor der arbeit ist nach der arbeit)

Dezember 31st, 2018

 

 

 

aus gegebenem anlass

Dezember 30th, 2018

Gestern abend was nachgeblättert in Walter Koschatkys „Die Kunst der Fotografie“. Und etwas entdeckt, das ich beim Erstlesen (1988 war das) unterstrichen habe:

…Hier, in diesem Zusammenhang, will das besagen, daß ein Üben, ein Vertiefen, Aufnahmefähig-Machen (vielleicht kann man hier sgar den photografischen Terminus dafür verwenden), das Sensibilisieren des Menschen eben in unserer Zeit der Reizüberflutung wichtiger, da dramatischer, bedeutungsvoller denn je zuvor geworden ist.

Beim Kunstwerk jedenfalls handelt es sich um das Mitteilen von einem Stück Wahrheit, das nur so und nicht anders mitgeteilt werden kann: es geht nicht um Brillianz, Effekt, Erfolg und nicht um das Noch-nie-Dagewesene, um Beliebtes, Begehrtes, um die Rarität und um das Staunen machende Können. Es geht nur um das Sich-Mitteilen vom Menschen zum Menschen.

3 aus dem Filmskizzenbuch

Dezember 30th, 2018

 

 

 

kleiner zwischenjahrstext aus meiner vergangenheit

Dezember 30th, 2018

Der Winter ist gnadenlos. Es befindet sich die falsche Musik in meinem Beutel. Ich stehe und kann nicht weg. Der Schnee taut, der Bus wird kommen, wenn auch zu spät. Eine Bewegung zurück scheint nicht mehr möglich. Die Autos fahren auf einer trockenen Straße und der Fußgänger rutscht auf dem Bürgersteig. Falsche Musik wird falsche Musik bleiben, egal ob der Bus kommt oder auch nicht. Alle, die ihren Weg gefunden haben, werden sie hören. Der Schnee wird die Musik nicht leiser machen. Und wenn ich jetzt hinfiele? Ein Knochenbruch und die Sonne scheint.

Man darf sich die Bewohner dieser Stadt als unglückliche Menschen vorstellen.
Der junge Mann, der, ganz Hose, sich sacht und sacht nach vorne beugt. Er macht einen überlegen-kritischen Eindruck, beäugt die anderen, und trägt salopp die Bildzeitung unter dem Arm. Über die Runden kommen. Um die Ecke. Die junge Frau, die, ganz gezupfte Augenbraue, auf ihre ebenfalls gezupfte Freundinmutterschwester wartet. Zum MUT gehört das Bewusstsein der GEFAHR. Zum EINKAUFEN das nötige KLEINGELD.
„schöndasswirunsgetroffenhabenaufwiedersehen!“
Danke für ihren Mut.
Danke für ihren Einkauf.
Die Kassiererin, die, ganz Kasse, den Kunden namentlich verabschiedet, sobald sie seinen Namen auf der EC-Karte gelesen hat: Friendly fire.

(von links ein Jahr, von rechts ein Jahr,
von oben eines, von unten; ich könnte zerquetscht werden, wenn ich nicht mal ein paar Tage Urlaub hätte).

Hunde riechen am Geruch, und ich kann mir vorstellen, dass anschließend kein Geruch mehr da ist. Weggerochen. Gerüche sind endlich. Und ein Ding. Und Geld spritzt aus den Menschen, in regelmäßigen Abständen fliegt es von ihnen weg, in das einzige Loch, in das es hineingehört. Das hat einen Rhythmus. Ich kann mich hinsetzen und es absichtslos betrachten. Es sieht ganz schön aus. Wie alles in diesem einen Loch verschwindet, das doch einen Namen braucht und das wir deshalb Konjunktur nennen wollen. Wo Konjunktur ist, oder Aufschwung oder Auftrieb, da wird keiner versinken und am Boden bleiben. Wir werden leichter und treiben oben. Alle werden gerettet. Nie wieder wird es regnen. (Nur im Turnunterricht der männlich pubertierenden Jugend war der Aufschwung etwas Unangenehmes: Man sollte sich unendlich verbiegen, beide Füße rechts antreibend von der Erde heben und den Überblick verlieren, indem man von einer Vorwärts- in eine Rückwärtsbewegung übergeht. Drehung um eine mittlere Achse, nicht gedacht, sondern sehr real und fest, und das macht Angst. Quetschung und Schmerz schoben sich mit den Füßen über den Horizont und lähmten die Arme.) Alle Dinge, die in diesem feucht-fröhlich wärmenden Loch namens Konjunktur verschwinden, brauchen keinen Namen: sie heißen alle Geld. Egal, was sonst noch so mitfliegt. Am zweiten Weihnachtsfeiertag, morgens um halb sieben, hat es aufgehört zu spritzen. Ich höre nichts. Alles ist weggeworfen. Aus allen Richtungen bewegen sich die Jahre auf mich zu. Mich stört das nicht. Das macht mir keine Angst, denn ich habe sowieso ein paar Tage Urlaub und das jährt sich jährlich.
Ich kann zurücklassen, was ich will, ich kann Wahrzeichen biegen aus Blech, so viele ich will, ich kann es mir sparen, den Kindergarten einzuzäunen. Die Kinder bleiben da und kommen gar nicht erst auf den Gedanken abzuhauen. Denn bald ist Silvester, und sie freuen sich und sie zerplatzen schon Tage vorher knallend auf dem Asphalt. Doch das macht mir keine Angst, denn ich habe sowieso ein paar Tage Urlaub und die Leute machen sich neue Kinder mit neuen Namen für ein neues Jahr. Auch eine Art von Loch.

gerard depardieu wird 70 (gesterday)

Dezember 28th, 2018

as you can see

Dezember 28th, 2018