fuchs ohne bau

Januar 27th, 2021

Ich hab ja so ne Theorie: Schlussendlich kann ich heute problemlos das Gegenteil von gestern behaupten mit fast denselben Argumenten. Ich denke, dass hier viele innerlich sofort widersprechen möchten. Aber je länger ich dieses Erdenrund beschreite, desto öfter komme ich immer wieder auf diesen Trichter.

Wie auch immer. Jetzt hat ein Film im Max Ophüls Preis einen, bzw. drei Preise bekommen: Jugendjury, beste Regie und den Drehbuchpreis. Puh.

Ich hatte den Film nicht auf dem Schirm. Klang mir im Programmheft ein wenig zu simpel, zu klassischer Konflikt, wenig interessant. Bei der Preisverleihung dann ein Lob über das andere: zeigt uns eine Welt, die wir sonst nicht sehen, schafft uns Räume, dort wo die Räume eng sind, vielschichtige Charaktere und und und. Da dachte ich: guck mal, ob man den noch gucken kann. Klingt ja spannend. Vielleicht hab ich da ja echt ne Perle übersehen. Ging noch.

Ich weiß nicht, welchen Film die da gelobt haben.

Ich habe einen Film gesehen, dem ich kaum etwas abnehme. Dessen Problem mir zu sein scheint, dass er sich selbst und seine Charaktere nicht wirklich ernst nehmen mag. Keiner der – eigentlich mehr oder minder nur angedeuteten – Konflikte wird wirklich thematisiert und ausgetragen. Das einzige, was ich diesem Film abnehme sind die Gefängnisgebäude im Wiener Jugenstrafvollzug. Wenn das dort so aussehen mag, dann mag das dort so aussehen. Wenn es aber auch wirklich eher nach Erwachsenenvollzug aussieht.

Aber dass da ein, wie sagt man da?, vorgesetzter Gefängiswärter-Abteilungsleiter-Hansel relativ willkürlich über Einzelhaft, Einweisung in die psychologische Abteilung oder nicht entscheiden darf, grad wie es ihm gefällt, ohne irgendjemanden fragen zu müssen, dass der Neulehrer die in Flammen stehende Einzelzelle des sichtbar psychisch angeknacksten Mädchens, das offensichtlich nicht in den Strafvollzug, sondern in psychiatrische Betreuung gehört, was aber niemanden zu interessieren scheint (den Neulehrer übrigens auch nicht), selbst aufschließt, während der Aufseher versucht, das zu verhindern (häh? es brennt! da ist ein Mensch drinnen. Wieso laufen da nicht die normalen Notfallmaßnahmen?). Und noch viel mehr.

Ich sehe hier keine vielschichtigen Charaktere, sondern eigentlich recht lieblos und einfach gezeichnete Gestalten. Die bisherige Lehrerin, Modell: die Unkonventionelle, die abseits von Lehrplänen „ihr Ding“ macht, Maltherapien, die im Film darin bestehen, dass alle etwas malen oder basteln, ist ja ok, nennen wir es aber mal nicht Maltherapie bitte. Warum sie das macht? Ihre Ideen und Hintergründe? Bitteschön: Denk dir doch selber was aus. Der Neulehrer, der sich auf diese Stelle beworben hat, weil er eigentlich Musiker ist, aber über den Tod seines kleinen Sohnes nicht hinwegkommt, den er abends auf dem Weg zu einem Auftritt mit seiner Band alleine gelassen hat. Wie der Sohn stirbt, warum, wo der Fehler des Vaters lag, wieso so ein dahergelaufener Musiker eigentlich dafür geeignet ist, diese Stelle überhaupt annehmen zu dürfen: für den Film völlig uninteressant.

Es fällt ein Satz, der mir für den Film typisch scheint: Der Neulehrer sitzt zum erstenmal alleine vor der Klasse (weil die Altlehrerin zusammengebrochen ist) und sagt zu der Klasse: „Ihr dürft mich alles fragen!“ Einer der Schüler fragt ihn, weswegen er sich gerade auf diese Stelle beworben habe, wieso er gerade hier im Jungendstrafvollzug arbeiten wolle. Die Antwort, nach einem kurzen nachdenklichen Moment: „Das geht Euch nichts an.“ Fertig.

Und so tickt der ganze Film. Wir setzten mal ein paar angedeutete Konflikte in die Welt und das reicht dann schon. Braucht nicht weiter ausgearbeitet zu werden. Andeutung reicht. Pittoreske Momente, wenn die Altlehrerin zusammen mit dem Junglehrer in ihrer Wohnung eine komplette Tür mit Zarge und Mauerwerk rausklopft, auf dem Dach des Autos zur Gefängnisschule bringt und die Schüler durchschreiten lässt, als könne sie dies die Idee von einem Schritt in die Freiheit spüren lassen – nungut: Für die Altlehrerin gibt es ein wirkliches Vorbild. Einen Lehrer, den es gab und der tatsächlich die Schüler unkonventionell zu sich selbst geführt hat. Oder haben mag. Wissen wir ja nicht. Und der das mit der Tür tatsächlich so gemacht hat. Der Filmemacher wollte erklärterweise diesem Lehrer ein filmisches Denkmal setzen.

Der Film nimmt sich selbst nicht ernst. Und noch schlimmer: Er nimmt den Zuschauer nicht ernst.

Ich spüre nix von der Beklemmung hinter Gittern. Ich sehe Klischees von Gefängnis. Ich sehe Klischees von Unkonventionalität. Und ich sehe Hanseln von Gefängniswärtern.

Halt. Eine glaubwürdige Szene gab es dann doch noch. Die Mutter des Mädchens, das seinen Vater ins Koma geschlagen hat und die ganze Zeit über nur schweigt und unzugänglich ist, kommt – wie es scheint – zum erstenmal auf Besuch, um mitzuteilen, dass der Vater an seinen Verletzungen gestorben ist. Zum erstenmal sieht man Trauer im Gesicht des Mädchens, einen zaghaften, zarten und ernsten Entschuldigungs- und Sprechversuch. Die Mutter sagt: Du kannst ja nichts dafür, das sind die Teufel in Dir. Was das Mädchen zum kompletten psychischen Zusammenbruch bringt. Dieser Ausbruch war das einzig Berührende im ganzen Film.

Worauf aber wiederum niemand der Gefängnisleitung adäquat reagiert.

Zu viele Ungereimtheiten. Zu viele Unwahrscheinlichkeiten.

Und einen klischeevollen Schluss: Der Neulehrer findet endlich „zu seinem Stil“, wie man so schön sagt, indem er des nachts am Schlagzeug zuhause die Trauer über den Tod seines Sohns wegtrommelt (und man könnte jetzt zynisch einwerfen: warum hat er das nicht einfach schon früher mal gemacht? Der Film setzt keinen Grund, warum das gerade jetzt passieren soll. Und dass es nachts passiert und alle Nachbarn das Licht anknipsen, gehört nun wirklich zu den ganz alten Tricks aus der filmischen Klammottenkiste), um dann am nächsten Tag mit der Klasse ein gemeinsames Trommeln abzuhalten, was natürlich alle ganz geil finden, geiler als Malen vielleicht sogar. (geht ja auch eh nicht mehr, weil der Aufseherhansel nach dem Selbstmordversuch des Mädchens zur Bestrafung der Lehrer die Farben weggesperrt hat). Die Altlehrerin fährt derweil mit ihrem Motorrad (sic) (bisher ist sie immer schön brav Lehrerinnenvolvo gefahren) ans Meer und guckt in die Freiheit. Aua. Filmklammottenkiste mindestens Nummer zwei.

Bei der Preisverleihung sah man diesen wirklichen Lehrer im Hintergrund sitzen. Er saß immer nur im Hintergrund mit seinen langen weißen Haaren und hat eine Zigarette nach der anderen gequalmt. Er sah wirklich so aus, als hätte er was zu sagen. Zumindest gehabt. Der Film hatte dies nicht.

Ist natürlich auch blöd, dass ich zuhause grade einen Film gesehen hatte, der sich, seine Protagonisten und auch den Zuschauer ernst nimmt. Der wirklich in präzisen Bildern ein Drama erzählt, das sich nicht löst und zuspitzt und kaum auszuhalten ist. Mit präzisen Bildern und Details arbeitet. Und ein wirklich einprägsames und geniales Schlussbild findet. Kein Ausweg. Nirgends. Das kann Film tatsächlich nämlich auch: LOVELESS von Andrei Swjaginzew.

Den Drehbuchpreis für FUCHS IM BAU verstehe ich dagegen null.

von beuys durch die welt – ein a – be – zeh – beet in 26 schritten

Januar 27th, 2021

AUSSENLUNGE

BINNENHERZ

COYOTENZUNGE

DASEINSSCHMERZ

EXTRA-OHR &

FETTSTUHLKLEBER

GEBER / NEHMER

HÖRNERSCHUPPEN

IGELSUPPEN,

JAGDREVIER –

KADAVERFÜNF.

& LAUTBREVIER

& MEINEIDMEIDER

NIERENHEUCHLER

OSTERKREUZ

& POSTER-POP-ULIST

QUANTENREDNER

RÖHRENSTECKER

STAECKVERAECHTER

TORTENLECKER

UHRENSTELLER

VORWÄRTS, SCHNELLER

WECHSELWÄHLER

XERODERMA

YOGHURT-ÄNGSTLER

ZWISCHENSCHMERZ

Zeichnungen zu LOVELESS von Andrei Swjaginzew

Januar 27th, 2021

Einer der inhaltlich und formal kompromisslosesten Filme, die ich in der letzten Zeit gesehen habe. In der Städt. Bücherei in Neunkirchen kann man ihn ausleihen (sobald wir ihn zurückgegeben haben 🙂  )

Ophüls Nachklapp

Januar 26th, 2021

Zuerst zum Guten.

In diesem Jahr gab es das Filmfestival Max Ophüls Preis coronabedingt nur Online. Da ich sowieso mit meiner fahrradgeschädigten Hand in der Ecke hänge, haben wir das mal genutzt, wobei man sagen muss: soviele Filme hätte man in einer Woche im Kino aus rein physikalischen Gründen kaum geschafft.

Ein seit Jahren gehegter Plan konnte umgesetzt werden: einmal den kompletten Dokumentarfilmwettbewerb zu sehen! Und wenn man sie alle gesehen hat, dann stellt sich umso mehr die Frage: Ergibt sich durch einen Wettbewerb mit Preisträgerin und Sockelstellen etc. überhaupt irgendein nahrhafter Mehrwert. Wie sollen solch unterschiedliche Filme bewertet werden? Nach welchen Kriterien? Gesellschaftliche Brisanz des Themas? Zärtlichkeit der Beobachtung? Umsetzung des Themas?

Von den zehn im Wettbewerb stehenden Filmen fällt für unseren Geschmack („uns“ ist hier kein Pluralis majestatis, sondern der zwischen den beiden in diesem Haushalt lebenden Personen besprochene Eindruck) am wenigsten gelungene Film war DAVOS. Anlässlich des Weltwirtschaftsforums werden Forumsteilnehmerinnen ins Visier genommen, genauso aber auch mehr oder weniger normale Bürgerinnen und Bürger des Ortes. Der portugiesische Fischerclub genauso wie eine Bäuerin, die am Schluss ihren Hof aufgeben muss. Alles gut und schön. Und wenig berührend. Warum? Wahrscheinlich deswegen, weil sich die Autorinnen* des Films zu wenig Gedanken um die Form des Films gemacht haben. Das einfach nur abzufilmen und hintereinander zu montieren, in der Hoffnung, dass das Thema allein schon trägt: ca ne suffit pas.

I AM THE TIGRESS, ein Film über eine amerikanische Bodybuilderin brachte einen natürlich auch in eine Welt, die einem hochgradig merkwürdig und befremdlich vorkam. Insofern durchaus ok, für uns vom Thema jetzt aber nicht so aufwühlend. Wenngleich es natürlich eine Voraussetzung für einen guten Film (nicht nur Doku) sein sollte, dich für sein Thema zu interessieren und dich hineinzuziehen.

Nicht nur im Gespräch mit den Autorinnen von WIR ALLE. DAS DORF (hier aber besonders) wurde klar, was dem Film DAVOS gefehlt hat. Antonia Traulsen und Claire Roggan erzählen hier, wie sehr sie mit dem Material gerungen haben, wie viele Gedanken sie sich darüber gemacht haben, was über die im Film vorkommenden Menschen erzählt werden soll und kann und vor allem wie! Und das führt dann zu einem Film, bei dem man gespannt verfolgt, wie eine Gruppe von Menschen im Wendtland versucht, gemeinsam nicht nur eine Wohn-, sondern auch eine gesellschaftliche Utopie (im kleinen Maßstab) für sich umzusetzen.

WEM GEHÖRT MEIN DORF. VÄTER UNSER. THE CASE YOU. NICHTS NEUES. MEIN VIETNAM. Und auch STOLLEN, der den Preis dann tatsächlich bekommen hat: alles Filme, die einen Preis verdient gehabt hätten. Insbesondere auch DEAR FUTURE CHILDREN des 20jährigen Franz Böhm, der die Tätigkeit von drei politischen Aktivistinnen in Chile, Uganda und Hongkong schildert. Alleine, was da auf die Beine gestellt wurde, um die Protagonistinnen zu schützen und nicht zusätzlich zu gefährden, die Gefährdungen, denen sich das Team selbst ausgesetzt hat. Irre.

STOLLEN war der, wenn man so will, unpolitischste Film, wenn man bei der Schilderung des Lebens von Menschen im Erzgebirge nicht vergessen müsste, dass hier während der DDR-Zeit Uran abgebaut wurde mit all den gesundheitlichen Konsequenzen, die das bis auf den heutigen Tag für die Menschen hier hat. Das ist aber nur beiläufiges Thema. Wie es auch von den Menschen nur beiläufig erwähnt wird. Und wahrscheinlich macht das die Qualität des Films aus: zuzuhören und wohlwollend zu schildern. Allem zu Trotz.

VÄTER UNSER. Auch dieser Film zog einen in den Bann: Eine Auswahl von Menschen erzählen von ihren Vätern. Jede ungefähr eine Stunde lang im Original-Interview. Klug geschnitten und montiert. Zu keiner Sekunde langweilig. Und sofort im Bann des Geschehens.

Und und und.

Was wäre noch positiv herauszuheben?

Aus dem Wettbewerb mittellanger Film, der im Normalfestival auch komplett immer an uns vorbeiläuft, ganz vor allem: ICH GEH NIRGENDWOHIN von Bidzina Gogiberidze. Konflikt Georgien-Russland. Sehr starke und präzise Bilder. Sehr ruhig erzählt. Sehr eindrücklich. Da waren wir sehr froh, dass wir den gesehen haben. Und da werden wohl auch ein paar Bilder hängen bleiben.

Und auch eine Erkenntnis aus dem Streaming für`s nächste richtige Festival (falls es jemals wieder eines geben sollte): Kommt auch in jedem Jahr im Beiprogramm und nie haben wir geguckt: Die KURZFILM.TOUR mit den prämierten Kurzfilmen des DEUTSCHEN KURZFILMPREISES.

Yeah! Die Entdeckungen des Festivals. Ohne Frage!

Der Trickfilm JUST A GUY von Shoko Hara. 500mal ansehen! Und jedesmal nochmals ein Detail entecken, das da reingetrickst ist. Flache Knetfiguren, aber auch teilweise hinterlegt mit Filmmaterial, überkritzelt, was auch immer. Super einfallsreich und detailverliebt. Bei einem nicht so netten Thema: Warum suchen immer wieder Frauen den Kontakt zu verurteilten Mördern und Vergewaltigern in ihren Gefängniszellen? Schreiben Briefe, besuchen sie oder heiraten sie sogar? Schwieriges Thema, dem der Film aber durchaus in aller Kürze gerecht wird. Ansehen!!!

LAND OF GLORY von Borbála Nagy. So locker und leicht kann man einen politischen Film machen. Der Besuch des Staatspräsidenten (wir sind in Ungarn) ist für den Nachmittag in einer Schule angekündigt. Eine Torte in der Form des Landes wird bestellt und angeliefert. Und allein schon die Schildwerung der Dekoration der Torte (ah, der Plattensee ist zu kleine – aber so ist er im Atlas -nein das wirkt zu klein, mach ihn etwas größer – so sieht es nach was aus) beeinhaltet schon eine Menge an Beschreibung dessen, wie in diesem Land mit Identität, Wirklichkeit und Wunschdenken umgegangen wird. Und das steigert sich in diesem Film (man beachte, in welchem Zustand sich diese Schule befindet, die Stühle, der Sportplatz, alles, man glaubt das alles sofort) bis zur schönen Pointe und der lustvollen Zerstörung des Landes. „Was für eine Sauerei“ sagt die Putzfrau am Ende. Yepp.

Muss man zu MASEL TOV COCKTAIL noch was sagen? Der Film hat letztes Jahr beim Ophüls gepunktet und dann wurde er immer bekannter. Wir hatten ihn allerdings noch nicht gesehen. Auch ihn zweimal hintereinander angeschaut (auch ein Vorteil des Streamings). Genial. Fertig. Selber gucken!

So. Das waren – so kurz – die Hochlichter.

Alsdann folgt eine Kritik der Kritik (als Extra-Blog-Eintrag) eines Filmes, der einen Preis bekommen hat und derzeit von vielen Menschen gelobhudelt wird. Sogar von der Drehbuch-Jury den Preis bekommen hat. Ich kann es nicht nachvollziehen. Habe ich einen völlig anderen Film gesehen? Oder habe ich kurz vorher einen zu guten anderen Film gesehen??

 

*ich mache hier mal ein zu dem Gendersternchen unterschiedlichen Versuch: handelt es sich um einen Mann und eine Frau (wie bei DAVOS der Fall), dann gebrauche ich die weibliche Form, bei einem rein weiblichen Autorinnenteam ebenso, bei einem rein männlichen Team die männliche Form. Also umgekehrt, als bisher sprachlich üblich. Gefällt mir besser als *).

höhere wesen befahlen: nussecken auf den kopf setzen

Januar 25th, 2021

plumper nachmacher

Januar 22nd, 2021

Flaubert imitiert meinen Bruder.

auch dürer war ein schlechter fahrradfahrer

Januar 22nd, 2021

22.1.21

Januar 22nd, 2021

22.1.21 8uHr36 bis 8uHR41

lese eben in dem elfriede jelinek interview mit joseph beuys den satz, er sei als kind mit dem wanderstab als hirte mit einer imaginären herde umhergezogen. Es erinnert mich daran, dass ich als kind fasziniert war vom öffentlichen nahverkehr, gab es doch bis 1978 in neunkirchen noch eine straßenbahn, mit der ich von der schule aus nachhause fuhr. Der gedruckte fahrplan mit dem linienplan nahm mich in beschlag. Zeit und raum waren schon immer meine themen, wenn man so will. Ich dachte mir in meinem heimatort linien aus, zeichnete einen linienplan, fuhr diese linien mit dem fahrrad, maß die zeit und erarbeitete einen fahrplan, den ich dann nachmittags nach der schule abgefahren bin. Die einzelnen linien hatten natürlich nummern, kürzere strecken, und auch eine längere einmal quer durch den ganzen ort. Und natürlich bemühte ich mich, den fahrplan einzuhalten.

ein satz aus der provinz:

Januar 21st, 2021

oskar lafontaine fährt sein e-bike grundsätzlich nicht mit strom aus windrädern!

21.1.21

Januar 21st, 2021
      1. 8UhR48 bis 8uRh 53

der schnee ist verschwunden. Draussen stürmt es eine warme luft. Die ruhige ordnung des schnees ist verschwunden, dreck fliegt durch die luft. Wer hat zeit zum atmen? Es leuchtet auch nichts mehr. Mein linkes ohr hört weniger als mein rechtes. Auf der linken seite meines kopfes bin ich dümmer als auf der rechten. Oder muss man sich das auch gespiegelt vorstellen? Auf der rechten seite meines kopfes bin ich dümmer als auf meiner linken? Die finger bewegen sich nur zögerlich. Auch ihnen ist es egal, ob ich kaltes oder warmes wasser über sie gieße. Alle wollen so schlau sein. Wer nicht?

zeichnungen zu dem film LOVELESS von Andrey Zvyagintsev

Januar 20th, 2021

Ein sensationell präziser Film. Präzise in seinen Bildern. Präzise in seiner Erzählung. Nicht beim Ophüls-Festival. Sondern auf DVD gesehen. Original mit englischen Untertiteln. Sollte einen aber nicht abschrecken.

kauen auf treppen (malmö 1)

Januar 20th, 2021

kauen auf treppen (malmö 3)

Januar 17th, 2021

kaiserschmarren:

Januar 17th, 2021

 

hier sitze ich

und forme kaiser

nach meinem bilde

kleine, über-

und durchschaubare

was ziehe ich ihnen bloß an

wenn es draußen dunkel wird?

17.1.2021

Januar 17th, 2021
      1. 23UhR10 bis 23uHr22

in diesem jahr der hundetrend im schnee: pinkeln auf schneehaufen. Überall kleine berge mit gelb gefärbten gipfeln. In diesem jahr der menschentrend im schnee: soviele schneemänner (keine frauen, warum eigentlich nicht?) habe ich schon seit jahren nicht mehr gesehen. Auf allen befahrbaren abhängen schlitten, kinder, snowboards. Der mensch ist ein spielendes tier und dies könnte einen fast sogar froh stimmen. Es könnte so schön sein. So niedlich und frei. Hängt das mit der nicht mehr gewohnten dauer des wintermärchens zusammen? Mehr als vier tage am stück? mit weißestem himmel und blauesten sonnenscheinen? Und/oder mit den ganzen pandemie-maßnahmen, so dass der mensch sich freut, wenn er mal draußen halbwegs regelkonform spaß haben kann? An einer stelle parken mehrere autos, pick-up, suv und transporter direkt auf dem acker, relativ weitab von straße und feldweg. Mittdreißiger würde ich mal schätzen. Wieso sollte man auch noch zu Fuß zum Gipfel laufen, wenn man auch direkt aus dem Auto raus auf den Schnee steigen kann? Hinten links hält ein roter kleiner Transporter, ein junger mann mit gepflegtem hund und bart steigt aus und begibt sich auf direktem weg zu der gruppe auf dem hügel. Er ist in die geheimnisse der punktgenauen landung auf dem hügel wohl noch nicht eingeweiht worden.

Es stellt sich die frage, ob man hunde überhaupt noch auf dem acker ausführen muss, oder ob es für die tiere auch interessant und befriedigend genug sein könnte, einfach nur spazieren gefahren zu werden.

Ich habe noch kurz überlegt, ob ich schaufel und besen, die auf der ladefläche liegen geblieben waren, klaue und irgenwo verstecke, oder sogar klaue und nichtwiederauffindbar verstecke. Hab es aber dann doch sein gelassen. Warum eigentlich?

hand vor sternenklarer nacht

Januar 17th, 2021

gegend (nk)

Januar 17th, 2021

incredibile: die hand lässt sich langsam wieder etwas sensibler steuern: dieses blatt wurde vor dem unfall angefangen und jetzt dann doch fertig gemacht. eine komplette faust kann ich aber immer noch keine machen.

ANGEBOT

Januar 15th, 2021

jetzt ist es endlich da! Hai Q = Zeichnungen und ein paar Wörter aus dem Jahr 2020. Enthält auch Aquarelle aus gegend(nk)! Für 10,- € im Buchhandel unter ISBN 9783752689259. Oder bei mir, solange meine Exemplare reichen. e-Mail an mich (klaus_harth@web.de) genügt , alles weitere dann.

Wer noch einen 10er drauflegt, bekommt auch noch ZUM TEE BEI DUBUFFET – eine Collaboration mit Brandstifter. Gemeinsame Zeichnungen plus CD mit dem Mitschnitt unserer Performance von 2018 bei PAFF THE MAGIC. Lang Tsu!

14.1.21

Januar 14th, 2021
      1. 19UhR46 bis 19uHr 54was soll es sein? Durch den schnee zu stapfen und dabei durch den schnee zu stapfen? Glücklich zu sein, wenn alle in grau verschwinden und es von unten leuchtet. Was ist das schöne daran? Dass alles so ruhig scheint? Obwohl man ja weiß, dass es das nicht ist? Die scheinbare begrenztheit der welt? Die kälte des atems? Ich sitze inzwischen ja auch im sommer gerne lange draußen und empfinde dann auch manchmal so etwas wie glück. Oder konnte, 1983 war das, in den weiher steigen und bin drei bis vier stunden geschwommen. Ohne boden unter den füßen, ganz für mich alleine. Ich war voller akne und eiterpickel und war froh, wenn mich niemand sah. Schwimmbad kam also nicht in frage. Viele jahre lang nicht. Also: Weiher. Zu zeiten, wo da nicht zu viele waren. An einsamer stelle ab ins wasser und dann – wie gesagt – drei bis vier stunden nur der kopf als sichtbares zeichen an die welt. Eben komme ich vom arzt. Es liegt schnee und es ist schon 17 uhr und entsprechend dunkel und es freut mich. Und ich habe lust, nicht auf direktem weg nachhause. Ich hätte noch stundenlang so laufen können. Mit festem schnee unter den füßen. Barfuß im schnee ist übrigens auch schön.

13. januar 2021

Januar 13th, 2021
      1. 18UhR33 bis 18uHr38

des kaisers neues kleid ist des kaisers neues kleid. Was geht mich der kaiser an? Des kaisers neues kleid ist wie der gesunde menschenverstand: von allen benutzbar. Dehnbar. Es erklärt immer den eigenen geschmack. Verklärt die eigene meinung zur allgemeinen meinung. Der hut von beuys kann des kaisers neuer hut sein. Darunter bleibt er nackt und alle sehen es und keiner sagt es. Fett bleibt fett und kein mensch ist ein künstler. Was bleibt ist der schnee von heute. Schnee wird selten. Zumindest hier bei uns. Nur ich allein kann seine weißheit erkennen.